Teilnehmer der ersten Stuttgarter Paint-Party im Holzapfel. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

In Stuttgart wurde am Mittwochabend die erste Paint-Party gefeiert. Die Veranstaltung in der Café-Bar Holzapfel hat wenig mit Volkshochschul-Malkurs zu tun gehabt und soll zukünftig wöchentlich in Stuttgart stattfinden.

Stuttgart - Es war ein ungewohntes Bild am Mittwoch in der Café-Bar Holzapfel im Fluxus: Wo sich sonst Bierflaschen, Weingläser und Drinks auf den Tischen aneinanderreihen, standen an diesem Abend Tischstaffeleien mit Leinwänden und LED-Leuchten, Farbpaletten und Wasserbecher mit Farbpinsel. Hinter den Staffeleien: zwölf Kunstinteressierte, die sich an diesem Abend in der Bar getroffen haben, um gemeinsam zu malen. Der Anlass: die erste „Paint-Party“ in Stuttgart.

Die Idee dahinter: Menschen nach Feierabend beim Malen zusammen- und damit weg von den sozialen und gleichzeitig isolierenden Medien zu bringen. „Wir haben festgestellt, dass die Menschen ihre Zeit nach Feierabend immer mehr vor dem PC verbringen. Mit den Paint Parties wollen wir sie weg vom Sofa und rein in die Kneipen bringen“, sagt Oliver Breiter. Gemeinsam mit seinem früheren Kollegen Alexander Elö hat er deshalb das Start-Up-Unternehmen „Artmasters“ gegründet, über das die beiden nun in ganz Deutschland Paint-Parties veranstalten.

Inspiriert vom amerikanischen Konzept „Paint and Sip“

Das Konzept haben sich die Unternehmer bei ihren Geschäftsreisen in den USA abgeschaut. In New York nennen sich solche Events „Paint and Sip“. Sie sind etwas mehr auf Party und den Konsum von Alkohol ausgelegt, dort aber bereits seit einigen Jahren mit mehreren hundert Veranstaltungen pro Woche fest etabliert.

Eine schöne Idee, wie die Teilnehmerin Meike Suhren findet. „Ich finde es toll, dass man in die Bar kommt, Leinwand, Farbe und Pinsel bereitliegen und man direkt starten kann“, sagt die 43-Jährige. Anders als bei den Malkursen in der Volkshochschule würde man hier nicht abgeschottet voneinander sitzen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen. Zum Beispiel mit ihrer Sitznachbarin Roberta Passante. „Ich male selber, habe aber schon länger keine Ideen mehr gehabt“, erzählt die 25-Jährige. „Mir gefällt an diesem Konzept, dass man sich in eine Bar setzt und ein bestimmtes Motiv vorgesetzt bekommt. Wenn man erst einmal malt, kommt hoffentlich auch die Inspiration irgendwann wieder.“

Die Parties sind nicht dazu gedacht, den Teilnehmern Maltechniken beizubringen. Vielmehr geht es darum, das Motiv, das speziell für den Termin von den Veranstaltern bestimmt wurde, nachzumalen und dabei die eigene Phantasie anzuregen. Dennoch: bei allen Parties ist ein Kunststudent dabei, der den Teilnehmern ein wenig zur Hand geht. In Stuttgart ist es an diesem Abend dieModestudentin Samantha Karl.

Die nächsten Parties in Stuttgart stehen schon fest

„Die Party läuft eigentlich von allein. Die Teilnehmer malen, ich gebe hin und wieder Tipps“, sagt die 22-Jährige. „Das Malen soll vor allem Spaß machen, wir sind ja nicht in der Schule.“ Ganz billig ist das Vergnüngen jedoch nicht: Durchschnittlich kostet die Teilnahme pro Person 34 Euro. Doch der Erfolg scheint Breiter und Elö recht zu geben.

Bereits im Gründungsmonat November vergangenen Jahres fand in München die erste Party statt – inzwischen sind es zwei bis drei die Woche. Wurde bei den Events bisher immer mit Acrylfarbe gemalt, folgt demnächst in München ein Event mit Kohletechniken. Außerdem habe bereits ein Künstler aus Münster angefragt, der Interesse habe, Karikaturen zu malen.

Ob das Konzept auch in Stuttgart aufgeht, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. So findet bereits am 2. Mai die nächste Paint-Party statt – diesmal im Cafe Künstlerbund. Langfristig seien aber auch hier ein bis zwei Parties pro Woche geplant.

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