Auch das Fallen in die sogenannte Cradle, die Wiege, will gelernt sein. Foto: tki

Das Cheerleader-Team der Esslingen Raccoons trainiert erst seit fünf Jahren. Jetzt bereitet es sich auf die erste Teilnahme an der Landesmeisterschaft vor. Der Sport verlangt viel ab.

Obwohl der Schultag längst vorbei ist, herrscht in der Sporthalle der Grundschule in Esslingen-Zell noch reger Betrieb. „One, two, three, four – five, six, seven, eight“ hallt es durch die Halle. Passend zum angezählten Rhythmus üben die Cheerleader der Esslingen Raccoons ihre sogenannten Stunts, also akrobatische Figuren. Gemeinsam mit Headcoach Ada von Winterfeld arbeiten sie auf ihre erste Teilnahme an einer Landesmeisterschaft in diesem Jahr hin.

 

Für von Winterfeld gehört der Sport seit fast acht Jahren zu ihrem Alltag. „2018 habe ich ein halbes Jahr an einer Schule in den USA verbracht. Dort habe ich auch Cheerleading gemacht“, erklärt sie. Zurück in Deutschland entstand der Kontakt zu den Esslingen Raccoons und damit auch die Idee, ein Esslinger Cheerleading-Team ins Leben zu rufen. „Die Teamgründung war dann im Herbst 2019“, sagt von Winterfeld.

Das Esslinger Team ist noch recht jung

Aufgrund der Coronapandemie musste der eigentliche Start des Teamtrainings dann allerdings auf den Sommer 2020 verschoben werden. Zusätzlich sorgte die Generalsanierung der Esslinger Schelztorhalle für Verlegungen und Hallenumzüge. Doch mittlerweile hat das Team in Esslingen-Zell sein Zuhause gefunden.

Seit Sommer 2020 trainieren die Cheerleader der Esslingen Raccoons. Foto: tki

Seit 2022 ist von Winterfeld Headcoach, also die Chef-Trainerin, des Teams. Unterstützt wird sie dabei von Co-Trainerin und Cheerleaderin Tabea Flatten. Die beiden Studentinnen kennen sich bereits aus Schulzeiten und sind daher ein eingespieltes Team. Für die Umsetzung der komplexen Figuren ist das eine gute Grundvoraussetzung.

Bislang seien die Halbzeitshows bei den Spieltagen der Footballer die einzige Möglichkeit gewesen, das eigene Können zu zeigen, sagt Flatten. „Wir haben von den Spielern immer positive Rückmeldungen bekommen“, erklärt sie. Das Programm und auch die sogenannten Cheers und Chants, die Anfeuerungsrufe während des Spiels, gehören fest zum US-amerikanischen Sporterlebnis.

Inzwischen gibt es in Esslingen auch ein Nachwuchs-Team

Doch ebenso wie in den USA gibt es für das Cheerleading auch in Deutschland eigene Wettkämpfe und Meisterschaften. „Es ist eine hochathletische Sportart“, sagt Flatten. Neben den Cheers und Chants gibt es viele weitere Elemente, die je nach Kategorie in den Meisterschaften auch gefragt sind. Die „Stunts“ etwa umfassen akrobatische Einlagen wie Würfe oder Hebefiguren. „Das sogenannte Tumbling lässt sich mit Bodenturnen vergleichen“, sagt Flatten.

„Wir machen hier als Team gerade eine sehr tolle Entwicklung.“

Ada von Winterfeld, Cheftrainerin, über die erste Teilnahme an der Landesmeisterschaft

Insgesamt werden beim Cheerleading Elemente aus verschiedenen Sportarten vereint. An drei Abenden in der Woche trainieren die Cheerleader für je eineinhalb Stunden. „Das erfordert eine gute Ausdauer, hohe Körperspannung und ein gutes Gefühl für den eigenen Körper“, sagt von Winterfeld. Doch auch Neulinge finden schnell in den Sport. „Jeder findet seine Funktion und kann sich mit seinen Stärken einbringen“, sagt Flatten.

Ab 13 Jahren können Interessierte bei den Cheerleadern mittrainieren. „Seit Anfang November vergangenen Jahres haben wir aber auch ein Nachwuchs-Team“, erklärt Flatten. Nach kurzer Zeit zählt dieses bereits etwa ein Dutzend Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren. „Da merkt man, dass das Interesse da ist“, sagt von Winterfeld. „Auch wenn wir da natürlich einfachere Sachen machen, können sie schon echt viel“, fügt sie hinzu.

Im März geht’s für die Esslinger Cheerleader zur Meisterschaft

„Echt viel können“ will das Cheerleading-Team auch für die Landesmeisterschaft in Heidelberg am 14. und 15. März. „Wir gehen mit zwei Stunt-Gruppen in zwei Alterskategorien hin“, sagt von Winterfeld. Eine Stunt-Gruppe besteht aus fünf Personen, die gemeinsam vorher eingeübte Choreografien mit unterschiedlichen Figuren vorführen. „Die Gruppen sind mittlerweile richtig zusammengewachsen“, sagt von Winterfeld. Man gewöhne sich aneinander und wisse, was der andere mache, ergänzt Flatten.

Bei der ersten Meisterschaftsteilnahme habe das Team sich vor allem in Bezug auf die Umsetzung der eigenen Choreografie Ziele gesetzt, erklärt von Winterfeld. „Unser Ziel muss es nicht sein, den ersten Platz zu holen“, sagt sie. Um sich für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren ist das auch gar nicht nötig, denn lediglich die erreichte Punktzahl ist entscheidend. „Das führt auch dazu, dass die direkte Konkurrenz zwischen den Teams nicht so hoch ist“, sagt Flatten. Egal wie die Platzierung am Ende ist, eines ist für Headcoach von Winterfeld sicher. „Wir machen hier als Team gerade eine sehr tolle Entwicklung.“

Einst ein Männersport

Sportart
Cheerleading entstand Ende des 19. Jahrhundert in den USA mit organisierten Anfeuerungsrufen aus dem Publikum. Lange Zeit waren vorwiegend Männer Cheerleader. Erst während des Zweiten Weltkriegs, als viele Männer als Soldaten dienen mussten, kamen mehr Frauen in den Sport.

Positionen
Beim Cheerleading gibt es verschiedene Positionen. Der Flyer beispielsweise wird von anderen Teammitgliedern gehoben oder in die Luft geworfen. Die Bases übernehmen dabei die Aufgabe des Hebens, Werfens und – wichtig – Fangens. Der Spotter sichert bei Stunts das Geschehen ab und greift im Notfall ein.

Weltmeisterschaft
Die 12. Cheerleading-Weltmeisterschaft fand im Dezember im japanischen Takasaki statt. Die Gastgebernation ist international im Cheerleading stark aufgestellt und gewann in mehr als der Hälfte der Kategorien die Goldmedaille.