Michael Löchner erklärt, was im Notfall mit Babys und Kleinkindern zu tun ist. Foto: Holowiecki

Dem Baby geht’s schlecht? Viele Eltern wissen offenbar erst mal nicht, was zu tun ist. Vor allem wenn die Kinder klein sind und die Erfahrungen fehlen. In Filderstadt gibt es einen Erste-Hilfe-Kurs, der sie interessieren dürfte.

Filderstadt - So schnell kann man gar nicht gucken. Ein Baby verschluckt sich an einem Legostein, beißt auf eine Wespe oder fällt die Treppe hinunter. Hand aufs Herz: Wissen Sie, was zu tun ist, wenn das eigene Kind droht zu ersticken oder aus einer großen Platzwunde blutet? Michael Löchner hat festgestellt: Gerade junge Eltern sind in Stresssituationen überfordert. „Sie stehen nach Ankunft des Sprösslings Knall auf Fall vor einem Notfall und wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen. Dass dann die professionelle Rettung zehn bis 15 Minuten braucht, bis sie am Notfallort ankommt, kann zum Verhängnis werden“, sagt er.

Löchner ist eigentlich Ingenieur für Elektrotechnik, aber beim Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bernhausen seit bald 45 Jahren ehrenamtlicher Ausbilder in Sachen Erste Hilfe. Und er ermutigt Mamas und Papas: Lernt, was im Notfall zu tun ist! Und das nicht husch-husch, sondern intensiv. „Junge Eltern lassen sich oft aus Zeitmangel und Unterschätzung der Kindernotfall-Thematik zu kompakten Erste-Hilfe-am-Kind-Kursen verleiten. Um die nötige Sicherheit im Umgang mit Kindernotfällen zu erlangen, reicht dies allein nicht“, betont Michael Löchner. Üben, anfassen, zudrücken, hören.

Üben, anfassen, zudrücken, hören

Seit 1993 werden im Filderstädter Ortsteil daher ausführliche Doppel-Kurse à jeweils sechs Unterrichteinheiten angeboten. Die Workshops richten sich insbesondere an unerfahrene Eltern, aber auch an Omas, Opas oder Babysitter, die viel Zeit mit den Kleinen verbringen; außerdem jene, die sich beruflich mit Kindern umgeben: Betreuer beispielsweise, Erzieher oder Tageseltern. Für sie sind derartige Kurse in der Regel Pflicht.

Trainiert wird, wie man bei den häufigsten Notfällen reagiert. Auf dem Stundenplan steht beispielsweise die Herz-Lungen-Wiederbelebung für Säuglinge und Kleinkinder, und die unterscheidet sich von der für Erwachsene – sofern man sich an das, was man im Führerschein-Kurs mal gelernt hat, überhaupt noch erinnern kann. Das fange schon bei der Anatomie an, sagt Löchner. Der Hals sei bei Babys noch nicht richtig ausgebildet. „Bei der Beatmung besteht die Gefahr, den Kopf zu überbeugen. Das kann zum Atemstillstand führen, weil der Kehlkopf hoch sitzt“, erklärt der 64-Jährige. Auch eine Wunde sei für den Nachwuchs gefährlicher als für Mutter und Vater. „Bei Säuglingen können 0,2 Liter Blutverlust tödlich sein, bei Erwachsenen hingegen ein Liter.“

Alterstypische Krankheiten sind ein Thema

Die alterstypischen Krankheiten wie Pseudo-Krupp, Keuchhusten, Masern, Mumps oder Scharlach werden ebenfalls beleuchtet, zudem Symptome wie hohes Fieber oder Krampfanfälle. Michael Löchner arbeitet dafür schon seit Jahren mit der Kinderärztin Gabriele Eberhardt zusammen, die eine Praxis in Frickenhausen hat. „Viele sind überrascht, welche Komplikationen auftreten können“, hat die Medizinerin festgestellt. Wie Michael Löchner rät sie allen, die mit Kindern zu tun haben, sich zu wappnen. „Vor allem die Übung ist das Nonplusultra“, sagt sie und verweist auf Husten-Hörbeispiele oder lebensechte Puppen, die in den Kursen zum Einsatz kommen. „Ein Buch ersetzt das nicht.“

Der nächste Doppel-Kurs ist am 11. und 25. November, jeweils von 8 bis 13.30 Uhr, im DRK-Heim Bernhausen. Dauer: zwölf Einheiten à 45 Minuten. Jeder Teilnehmer zahlt 40 Euro und bekommt ein Handbuch. Es gibt noch Plätze. Anmeldungen unter Telefon 07 11/77 21 49.

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