Nach dem Abpfiff des Olympia-Endspiels in London gab es kein Halten mehr. Die deutschen Hockeyspieler warfen ihreSchläger in die Luft, feierten ausgelassen auf dem Kunstrasen und ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Mit dem 2:1 (1:0)-Sieg imEndspiel gegen die Niederlande erfüllte sich das Team von Trainer Markus Weise den Traum vom zweiten Olympia-Gold in Folge. Foto: AP

Im Endspiel setzten sich die deutschen Hockey-Jungs mit 2:1 (1:0) gegen die Niederlande durch.

London - Die deutschen Hockey-Herren sind zum vierten Mal Olympiasieger. Im Endspiel von London setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise am Samstagabend mit 2:1 (1:0) gegen die Niederlande durch.

Nach dem Abpfiff des Olympia-Endspiels in London gab es kein Halten mehr. Die deutschen Hockeyspieler warfen ihre Schläger in die Luft, feierten ausgelassen auf dem Kunstrasen und ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Mit dem 2:1 (1:0)-Sieg im Endspiel gegen die Niederlande erfüllte sich das Team von Trainer Markus Weise den Traum vom zweiten Olympia-Gold in Folge. Jan Philipp Rabente avancierte mit seinen beiden Treffern in der 33. und 66. Minute zum Matchwinner. Mink van der Weerden (54.) hatte für die Niederländer zwischenzeitlich ausgeglichen.

Der Deutsche Hockey-Bund (DHB) feierte damit die vierte Goldmedaille für ein Herrenteam nach 1972, 1992 und 2008. Bronze ging an Australien nach einem 3:1-Sieg gegen Großbritannien.

Mountainbikerin Sabine Spitz hatte sich am Nachmittag die Silbermedaille im olympischen Cross-Country-Rennen gesichert. Vier Jahre nach ihrem Olympiasieg von Peking musste sich die 40-Jährige am Samstag nur der Französin Julie Bresset geschlagen geben.

Ein schmerzhafter Sturz im Felsparcours hat Sabine Spitz womöglich um ihre zweite Goldfahrt gebracht, aber auch mit Silber hat sich die Powerfrau in großartiger Manier von der Olympia-Bühne verabschiedet. Im hohen Sportler-Alter von 40 Jahren und 228 Tagen kletterte Spitz bei den Sommerspielen in London im Mountainbike-Rennen noch einmal auf das Podium und machte nach Gold in Peking und Bronze in Athen ihren Medaillensatz komplett. Den Sieg holte sich nach sechs Runden und 29,26 Kilometern auf der Hadleigh Farm in der Grafschaft Essex die Französin Julie Bresset mit einem Vorsprung von 1:02 Minuten. Bronze ging an die Amerikanerin Georgia Gould.

Durch ihren Erfolg bei den Spielen in London stieg sie zur ältesten Medaillengewinnerin im Radsport seit Jeannie Longo anno 2004 auf. In Athen hatte die „Grande Dame“ des Radsports mit 41 Jahren noch Bronze im Einzelzeitfahren auf der Straße geholt. „Ich musste unbedingt den Zweiten machen, damit ich wenigstens meine Kollektion zusammen bekommen“, sagte Spitz.

Damit gab es für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die sechste Medaille bei den olympischen Wettbewerben. Schon jetzt haben die deutschen Radsportler mit je einmal Gold und Bronze sowie viermal Silber die Bilanz von Peking (je einmal Gold, Silber und Bronze) quasi verdoppelt.

Die deutschen Medaillen vom 10. August

Björn Otto und Raphael Holzdeppe haben unter dem Nachthimmel von London Silber und Bronze für die deutschen Stabhochspringer geholt.

Otto hatte nach übersprungenen 5,91 Meter bereits eine Hand am Gold. Doch der Franzose Renaud Lavillenie schnappte ihm den Sieg mit dem olympischen Rekord von 5,97 Meter noch vor der Nase weg. Holzdeppe blieb höhengleich mit Otto. Bronze ist für ihn eine persönliche Bestleistung.

Ein Happy End mit Bronze erlebte auch Hammerwerferin Betty Heidler. Sie musste lange bangen, bis ihr dritter Platz und damit die Medaille feststanden. Zunächst war ihr fünfter Versuch falsch vermessen worden. Später wurde dies korrigiert. Mit letztlich 77,12 Metern reichte es dann noch zu Bronze. Gold ging an Weltmeisterin Tatjana Lysenko (Russland) mit dem olympischen Rekord von 78,18 Meter.

Helena Fromm hat eine lange Durststrecke der deutschen Taekwondo-Kämpfer beendet und in der koreanischen Kampfsportart die olympische Bronzemedaille gewonnen. Die Studentin aus Arnsberg im Sauerland bezwang am Freitag im Kampf um Platz drei in der 67-Kilo-Klasse die Australierin Carmen Marton mit 8:2. Für die bislang einzige deutsche Medaille hatte der Frankfurter Faissal Ebnoutalib gesorgt, der 2000 in Sydney Silber holte.

Rekord-Weltmeister Thomas Lurz hatte zuvor den deutschen Schwimmern mit Silber doch noch eine Medaille in London beschert, das hochgesteckte Gold-Ziel aber verpasst. Mit einem guten Endspurt sicherte sich der Würzburger am Freitag über die zehn Kilometer lange Strecke im Serpentine Lake im Londoner Hyde Park den zweiten Platz.

„Ich wollte schon hierherkommen und gewinnen, aber mit einer Silbermedaille bei Olympischen Spielen muss man zufrieden sein“, sagte Lurz. Am Ende fehlten ihm 3,4 Sekunden auf den Tunesier Oussama Mellouli, der in 1:49:55,1 Stunden gewann. „Ich konnte seinem Speed nicht folgen, von daher war es für mich das Optimale. Ich habe zum Schluss nur noch an die Silbermedaille gedacht“, erklärte Lurz. Er hatte sich in der Schlussphase darauf konzentriert, das Verfolger-Trio zu kontrollieren und Kraft für den Schluss zu sparen. Dritter wurde Richard Weinberger aus Kanada. Andreas Waschburger aus Saarbrücken landete auf dem achten Platz.

Die deutschen Medaillen vom 9. August

Die Beach-Boys Julius Brink und Jonas Reckermann haben ihre außergewöhnliche Karriere gekrönt und als erstes europäisches Duo Gold bei Olympischen Spielen gewonnen. Das deutsche Top-Duo ließ sich am Donnerstagabend vor 15.000 Zuschauern am Olympia-Strand von London auch von ihren brasilianischen Angstgegnern Alison Cerutti und Emanuel Rego nicht aufhalten und feierte mit dem 2:1 (23:21, 16:21,16:14) in einem packenden Spiel den größten Erfolg ihrer Karriere. Mit dem vierten Matchball machten sie den Triumph perfekt.

Damit konnten Brink/Reckermann im vierten Jahr ihrer gemeinsamen Karriere nach dem WM-Titel 2009 und den beiden EM-Siegen 2011 und 2012 auch die wichtigste Krone im Beach-Sport erobern. An der Horse Guards Parade hatten bei der fünften Olympia-Auflage ihres Sports zuvor Martins Plavins und Janis Smedins (Lettland) gegen Reinder Nummerdor/Richard Schuil (Niederlande) Bronze gewonnen.

Zuvor holten die Speerwerferinnen Christina Obergföll und Linda Stahl Silber und Bronze. Die 30 Jahre alte Offenburgerin Obergföll erreichte im Finale von London mit einem gültigen Versuch 65,16 Meter und musste nur die überragende Barbora Spotakova vorbeiziehen lassen. Die Tschechin wiederholte ihren Olympia-Triumph von Peking und warf im vierten Versuch mit 69,55 Meter Weltjahresbestleistung. Die Leverkusenerin Stahl komplettierte mit 64,91 Meter als Dritte den deutschen Erfolg am siebten Wettkampftag. Vereinskollegin Katharina Molitor kam mit 62,89 Meter auf einen guten sechsten Platz.

Vor vier Jahren in Peking hatte Christina Obergföll als Dritte die einzige Medaille für die deutschen Leichtathleten gewonnen. Gold bei einem großen internationalen Wettkampf blieb der dominierenden deutschen Speerwerferin der letzten Jahre aber bisher verwehrt.

Am Vormittag gewannen Franziska Weber und Tina Dietze die Goldmedaille im Zweier-Kajak. Die WM-Zweiten feierten auf dem Dorney Lake in Eton im Finale über 500 Meter einen souveränen Start-Ziel-Sieg vor Ungarn und Polen. Das Duo aus Potsdam und Leipzig sicherte damit dem deutschen Kanu-Verband bereits die sechste Medaille. Kurz zuvor hatten die Potsdamer Peter Kretschmer und Kurt Kuschela Gold im Zweier-Kanadier geholt.

Die letzte Medaille im Zweier-Kajak hatten Birgit Fischer (Potsdam) und Carolin Leonhardt (Mannheim) 2004 in Athen mit Silber eingefahren. Den letzten deutschen Olympiasieg gab es 2000 in Sydney durch Birgit Fischer und Katrin Wagner-Augustin (Potsdam).

Kurz vor dem Sieg im Zweier-Kajak der Frauen konnte der deutsche Zweiercanadier mit Peter Kretschmer und Kurt Kuschela bereits die Goldmedaille gewinnen. Das Duo aus Potsdam setzte sich am Donnerstag über die 1000 Meter vor den Weißrussen Andrej Bachdanowitsch/Alexander Bachdanowitsch durch. Bronze sicherten die Russen Alexej Korowaschkow/Ilja Perwuschkin.

Für die deutschen Kanuten war es nach dem Olympiasieg von Canadier Sebastian Brendel am Mittwoch die zweiten Goldmedaille auf dem Dorney Lake.

Die deutschen Medaillen vom 8. August

Deutschlands Tischtennis-Star Timo Boll und seine Kollegen Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger krönten das Olympia-Turnier mit Team-Bronze. Das Europameister-Trio bezwang am Mittwoch im Spiel um Platz drei die Auswahl aus Hongkong mit 3:1. Der umjubelte Favoritensieg bescherte dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) die zweite Medaille in London nach Einzel-Bronze für Ovtcharov.

„Bronze ist super. Eine Niederlage und Platz vier wären eine große Enttäuschung gewesen“, sagte der frisch gekürte Olympia-Dritte Ovtcharov. Sechs Tage nach Platz drei im Einzel erhielt er sein zweites Edelmetall in London. „Ich habe jetzt zwei Bronzemedaillen aus London und Silber aus Peking. Das hat im Tischtennis noch niemand in Deutschland geschafft“, freute sich Ovtcharov.

Der Kanute Sebastian Brendel konnte die siebte deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London gewinnen. Der viermalige Europameister wurde am Mittwoch auf dem Dorney Lake in Eton im Einer-Canadier über 1000 Meter Olympiasieger. Silber ging an David Cal aus Spanien, Bronze an den Kanadier Mark Oldershaw.

„Das ist Wahnsinn. Nach 200 Meter habe ich gemerkt, dass es irgendwas wird“, sagte Brendel. Der Potsdamer sorgte für den ersten deutschen Sieg im Einer-Canadier seit dem Erfolg von Andreas Dittmer 2000.

Silber für den Kajak-Vierer der Frauen: Schneller als Carolin Leonhardt, Franziska Weber, Katrin Wagner-Augustin und Tina Dietze waren am Mittwoch im Finale über 500 Meter die Ungarinnen, Bronze ging an Weißrussland.

Der deutsche Zweierkajak mit Martin Hollstein/Andreas Ihle gewann Bronze. Olympiasieger wurden über die 1000 Meter die Ungarn Rudolf Dombi/Roland Kokeny vor dem portugiesischen Boot. Vier Jahre nach dem Sieg von Peking konnten Hollstein/Ihle (Neubrandenburg/Magdeburg) im Endspurt den dritten Platz sichern.

Zuvor hatte Max Hoff die Bronzemedaille im Kajak-Einer über 1000 Meter geholt. Der 29 Jahre alte Europameister aus Essen musste sich nur dem Norweger Eirik Veras Larsen und dem Kanadier Adam van Koeverden geschlagen geben. „Es war ein schwieriges Rennen. Die anderen beiden sind grandios gefahren. Ich habe mich schwergetan“, sagte der zweimalige Weltmeister. Es war die erste deutsche Olympia-Medaille in dieser Disziplin seit dem Bronze-Gewinn des Berliners Andre Wohllebe 1988 in Seoul.

Die deutschen Medaillen vom 7. August

Nach durchwachsenen Wettkampftagen ist die deutsche Olympia-Mannschaft am Dienstag wieder in Medaillenlaune gewesen: Allen voran Diskuswerfer Robert Harting, der seiner Karriere mit dem Olympiasieg die Krone aufsetzte.

Nachdem Welt- und Europameister Harting mit dem goldenen Wurf von London das Triple perfekt gemacht hatte, gab es für den Hünen aus Berlin kein Halten mehr. Der 27-Jährige riss sich sein Trikot vom Leib, legte sich die Deutschland-Fahne um die Schultern und machte Freudensprünge über die Hürden auf der Laufbahn. „Das war echt spannend, ich bin selbst überrascht“, sagte Harting nach dem Werfer-Krimi mit Happy End.

Die Bronzemedaille im Teamsprint fühlte sich für Bahnradfahrer Maximilian Levy noch wie eine Niederlage an, doch nun ist der frühere Junioren-Weltmeister mit der Silbermedaille ein wenig versöhnt worden. Levy musste sich im Kampfsprint nur Sir Chris Hoy geschlagen geben. Der britische Superstar gewann sein sechstes Gold und ist damit der erfolgreichste britische Olympionike.

Marcel Nguyen erkämpfte mit Silber die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Sechs Tage nach seinem überraschenden zweiten Platz im Mehrkampf turnte der Sportsoldat aus Unterhaching, der am Olympiastützpunkt Stuttgart trainiert, seine schwierige Übung an seinem Spezialgerät sicher durch und musste mit 15,800 Punkten nur dem Chinesen Feng Zhe den Vortritt lassen. Feng erhielte 15,966 Punkte für seine Übung.

Als letzter deutscher Turner hatte der Leipziger Sven Tippelt 1988 in Seoul mit Bronze eine Medaille am Barren gewonnen. Bronze ging diesmal an den Franzosen Hamilton Sabot mit 15,566 Zählern. Weltmeister Danell Leyva aus den USA hatte die Qualifikation für das Finale verpasst.

Zum Auftakt des letzten Finaltages der Turner vor wiederum 15.000 Zuschauern in der voll besetzten North Greenwich Arena war der Tsukahara-Abgang, den derzeit keine anderer Turner der Welt beherrscht, der Höhepunkt von Nguyens spektakulärer Übung. Unmittelbar vor ihm war Top-Favorit Feng Zhe an die Holme gegangen und glänzte nach einem noch um 0,2 Punkte höheren Ausgangswert von 7,0.

Keine zwei Stunden, nachdem Nguyen die Silbermedaille gewonnen hatte, tat ihm Fabian Hambüchen aus Wetzlar am Reck gleich.

Der Weltmeister von 2007 wurde für einen fast fehlerfreien Vortrag mit 16,4 Punkten belohnt und musste lediglich dem Niederländer Epke Zonderland (16,533) den Vortritt lassen. „Jetzt kann es mit dem Turnen bis Rio 2016 richtig abgehen“, jubelte Nguyens Trainer Valeri Belenki.

Die deutschen Dressurreiter gewannen im Teamwettbewerb die Silbermedaille. Dorothee Schneider mit Diva Royal, Kristina Sprehe mit Desperados und Helen Langehanenberg mit Damon Hill belegten den zweiten Platz hinter Großbritannien.

Die längste Gold-Serie der Olympischen Spiele ist damit gerissen - das deutsche Dressur-Team jubelte trotzdem. Die drei Olympia-Neulinge feierten am Dienstag in London ihren zweiten Platz hinter Großbritannien. „Das ist Silber gewonnen und nicht Gold verloren“, kommentierte der Dressurausschuss-Vorsitzende Klaus Roeser: „Das ist das jüngste Team, das wir je hatten. Das ist eine richtig starke Leistung.“ Zuvor hatten deutsche Teams nach dem Silber von München 1972 bei jedem Olympia-Start Gold gewonnen.

Die Bronzemedaille der deutschen Fechter vom 5. August

Die deutschen Fechter haben die zehn olympischen Wettbewerbe von London mit einmal Silber und einmal Bronze beendet. Fünf Tage nach Platz zwei für Degen-Ass Britta Heidemann belegten Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und André Weßels, der im Finale kurzfristig für den verletzten Bachmann einspringen musste, mit dem 45:27 am Sonntag über die USA den dritten Platz unter neun Mannschaften. Es ist die erste deutsche Medaille im Herrenflorett-Teamwettbewerb seit Gold 1992 in Barcelona.

Das Florett-Quartett Joppich, Benjamin Kleibrink, der im Kampf um Bronze am Fuß verletzte Sebastian Bachmann und André Weßels war am Sonntag in London so nah dran am Goldgefecht gegen Italien, ehe der „plötzliche Tod“ den verzweifelten Joppich ereilte: Gegen Yuki Ota musste er eine Sekunde vor Zeitablauf den Ausgleich hinnehmen und setzte in der Verlängerung zweimal vermeintlich den Siegtreffer. Die Kampfrichter entschieden anders, Kleibrinks Peking-Finalgegner Ota war mit freundlicher Hilfe der Glücklichere, vermutete das deutsche Lager.

Schreck giftete: „Das ist die Retourkutsche für Damendegen.“ Zweimal schon war er vor Freude über die Bande gesprungen: „Es ist schlimm, wenn du glaubst, dass du im Finale stehst.“ Die Kampfrichter waren laut Schreck zu mutlos, bei Joppich und Ota auch einmal ohne Videobeweis zu entscheiden. Und ausgerechnet am visuellen Hilfsmittel saß ein Südkoreaner. Schreck mutmaßte Böses: „Dreimal entscheidet er gegen uns. Das stinkt.“

Im Bronze-Kampf hatte Bachmann bei schon klarer deutscher Führung Pech, als er sich im siebten Gefecht bei einer Aktion am Fuß verletzte und auf dem Weg zur Medaille durch Weßels ersetzt werden musste.

Lilli Schwarzkopfs Silbermedaille vom 4. August

Lauf-Drama mit Happy End für Lilli Schwarzkopf: Erst wurde die deutsche Siebenkämpferin disqualifiziert, dann mit der Silbermedaille dekoriert. Die 28-jährige Athletin von der LG Rhein-Wied hatte nach einem Wirrwarr um das angebliche Verlassen der Bahn im abschließenden 800-Meter-Lauf am Ende das Glück auf ihrer Seite. „Hauptsache es glänzt - egal, welche Farbe“, sagte die gebürtige Kasachin glücklich.

Erst wurde Schwarzkopf disqualifiziert, weil sie angeblich auf die Außenlinie getreten war. Doch nach Ansicht einer Videoaufzeichnung nahm die Jury den Ausschluss wieder zurück. „Die Briten haben eine neue Art von Humor“, sagte Schwarzkopf und betonte: „Ich bin drin in der Wertung.“ Fernsehbilder belegten eindeutig, dass die Russin Kristina Sawizkaja auf die Bahnbegrenzung gelaufen war. Daran änderte auch ein Protest der Ukraine nichts mehr.

Neue Mehrkampf-Queen ist die Britin Jessica Ennis, die mit der Weltjahresbestleistung von 6955 Punkten die Goldmedaille holte. Die genaue Punktzahl von Schwarzkopf wurde erst knapp eine Stunde nach Wettkampfende bekanntgegeben: Mit 6649 Zählern übertraf die Deutsche ihre persönliche Bestleistung um 113 Punkte. Dritte wurde Tatjana Tschernowa (Russland).

Die deutschen Medaillen vom 3. August

Freitag, 3. August: Nur wenige Zentimeter haben David Storl zum Gold gefehlt, dennoch jubelte der Chemnitzer über die erste deutsche Kugelstoß-Medaille seit 24 Jahren. Zum Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe bei den Spielen von London musste sich Storl im mit 80.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion mit 21,86 Metern nur dem Polen Tomasz Majewski geschlagen gegen, der auf 21,89 Meter kam und seinen Olympiasieg von Peking 2008 wiederholte. „Ich bin nicht traurig, denn ich habe Silber gewonnen. Das ist ein Riesenerfolg“, sagte Storl.

Judo-Schwergewichtler Andreas Tölzer gewann am Nachmittag die Bronzemedaille. Der 32-Jährige aus Mönchengladbach besiegte den Weißrussen Igar Makaraw im Kampf um Platz drei vorzeitig und holte damit bei seiner dritten Olympia-Teilnahme seine erste Medaille.

Zum Abschluss der Judo-Wettkämpfe war es das vierte Edelmetall für die deutschen Kämpfer. Tölzer hatte zuvor im Halbfinale gegen den russischen WM-Dritten und Europameister Alexander Michajlin durch Bestrafung in der Verlängerung verloren.

Souverän hatte sich Tölzer durch die Vorrunde gekämpft. Erst räumte er den Georgier Adam Okruaschwili nach gut vier Minuten aus dem Weg. Dann machte der 145 Kilo-Mann auch gegen den Rumänen Vladut Simionescu vorzeitig kurzen Prozess. Im Pool-Finale musste der WM-Zweite von 2010 und 2011 gegen den Ungarn Barna Bor dann erstmals über die volle Kampfzeit gehen, verließ jedoch auch da als Sieger die Matte.

Der Männer-Doppelvierer bescherte am Mittag dem Deutschen Ruderverband (DRV) das zweite Olympia-Gold. Im Finale auf dem Dorney Lake von Eton wuchs die Crew um Schlagmann Tim Grohmann (Dresden) am Freitag über sich hinaus. Selbst der große Favorit aus Kroatien konnte dem hohen Tempo der WM-Zweiten nicht folgen. Auf dem dritten Platz kam Weltmeister Australien ins Ziel. „Als die Kroaten angegriffen haben, sind wir weggezogen. Das war der Knackpunkt“, sagte Grohmann.

Anders als vor einem Jahr, als ein rudertechnischer Fehler kurz vor dem Ziel den sicher geglaubten Sieg gekostet hatte, bewahrte die Mannschaft aus dem Doppelvierer diesmal die Nerven. Vom ersten Ruderschlag an übernahm sie die Regie und ließ selbst dem hochgehandelten Weltcupsieger aus Kroatien nicht den Hauch einer Chance. Am Ende betrug der Vorsprung auf den Favoriten eine Bootslänge. 

Die deutschen Medaillen vom 2. August

Donnerstag, 2. August: Die deutschen Radsportlerinnen Miriam Welte und Kristina Vogel haben bei den Olympischen Spielen in London Gold im Teamsprint gewonnen. Das Duo aus Kaiserslautern und Erfurt war im Finale am Donnerstag zwar China unterlegen, profitierte aber von einer nachträglichen Disqualifikation der Asiatinnen.

Dimitrij Ovtcharov ist den Spuren von Jörg Roßkopf gefolgt und hat als zweiter Deutscher eine olympische Einzel-Medaille im Tischtennis gewonnen. Der 23-Jährige besiegte Chuang Chih-Yuan aus Taiwan im Spiel um Platz drei 4:2 und feierte mit der Bronzemedaille den größten Erfolg seiner Karriere. Nach dem Aus von Timo Boll im Achtelfinale bescherte Ovtcharov dem Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) eine unerwartete Medaille.

Wenige Minuten später besiegte Judoka Dimitri Peters im kleinen Finale der Kategorie bis 100 Kilogramm den Usbeken Ramziddin Sayidov und eroberte die dritte Medaille für die deutschen Mattenkämpfer in London. Im Duell mit Sajidow lag er zwar bereits zurück, dann jedoch gelang ihm das vorzeitige Kampfende, das dem Deutschen Judo-Verband bereits die dritte Medaille brachte. Zuvor hatte der 28-Jährige sein Halbfinale gegen den russischen Weltmeister Tagir Chaibulajew knapp nach Kampfrichterentscheid verloren. 

Die deutschen Medaillen vom 1. August

Mittwoch, 1. August: Der Stuttgarter Marcel Nguyen hat bei den Olympischen Spielen im Mehrkampf der Turner sensationell die Silbermedaille gewonnen. Der 24 Jahre alte Barren-Europameister sammelte am Mittwoch 91.031 Punkte. Beim Olympiasieg des japanischen Favoriten Kohei Uchimura (92.690) reihte sich Fabian Hambüchen (Wetzlar) nach etlichen Fehlern nur auf Rang 15 ein. Bronze ging an Danell Leyva aus den USA (90.698). Marcel Nguyen errang die erste deutsche Mehrkampf-Medaille seit 1936.

Dementsprechend emotional war der Sportsoldat nach seinem Sensations-Silber. „Es ist ein überwältigendes Gefühl. Ich muss erst einmal wieder mit der Welt klar kommen“, sagte Nguyen, der den Coup kommen sah: „Nach dem Reck habe ich gedacht, das sieht nicht schlecht aus, aber man muss sich auf seine Übungen konzentrieren.“

Tony Martin und Judith Arndt gewannen am Mittwoch Silber im Zeitfahren und damit die ersten Medaillen für die deutschen Radsportler in London. Weltmeister Martin trotzte den Schmerzen in seiner gebrochenen linken Hand und musste nach 44 Kilometern nur dem überragenden Tour de France-Sieger Bradley Wiggins aus Großbritannien den Vortritt lassen. Wiggins lag im Ziel 42 Sekunden vor dem Deutschen, der von Beginn an auf Platz zwei rangierte. Bronze ging an den Briten Christopher Froome. Bert Grabsch wurde Achter.

Zuvor war Arndt bei ihrer letzten Olympia-Teilnahme ebenfalls auf Platz zwei gefahren. Die 36-jährige Leipzigerin lieferte über 29 Kilometer ein beherztes Rennen und musste sich nur der US-Amerikanerin Kristin Armstrong geschlagen geben. Arndt lag im Ziel etwas mehr als 15 Sekunden hinter der Olympiasiegerin zurück, die wie 2008 in Peking Gold holte. Bronze ging an die Russin Olga Sabelinskaja, die in London auch auf der Straße Dritte geworden war. Die zweite deutsche Fahrerin Trixi Worrack konnte nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Sie beendete das Rennen auf dem neunten Platz.

Judoka Kerstin Thiele holte überraschend die Silbermedaille im Mittelgewicht bis 70 Kilo. Die 25 Jahre alte Leipzigerin unterlag im Finale des olympischen Turniers in London der Weltmeisterin und Topfavoritin Lucie Decosse aus Frankreich durch einen halben Punkt (Waza-ari). Thiele gewann einen Tag nach dem Reutlinger Ole Bischof die zweite Silbermedaille für den Deutschen Judo-Bund (DJB) in der britischen Hauptstadt. Die Bronzemedaillen gewannen Edith Bosch aus den Niederlanden und Yuri Alvear aus Kolumbien.

Slalomkanute Hannes Aigner gewann bei den Olympischen Spielen in London Bronze im Kajak-Wettbewerb. Der EM-Dritte aus Augsburg fuhr am Mittwoch im Finale in einem fehlerfreien Lauf 94,92 Sekunden. Auf dem Wildwasser-Kanal im Lee Valley White Water Centre waren nur der Italiener Daniele Molmenti in 93,43 Sekunden sowie der Tscheche Vavrinec Hradilek, der 94,78 Sekunden benötigte, schneller. Zu Silber fehlten dem 23 Jahre alten Aigner 14 Hundertstelsekunden.

Am frühen Nachmittag wurde der Ruder-Achter seiner Favoritenrolle gerecht und holte das dritte Gold für Deutschland bei den Olympischen Spielen in London. Der Weltmeister siegte am Mittwoch auf dem Dorney Lake von Eton nach einem packenden Rennen vor den Booten aus Kanada und Großbritannien. Die starken deutschen Männer um Schlagmann Kristof Wilke aus Radolfzell sicherten sich den Triumph mit einem energischen Endspurt auf den letzten 500 Metern.

Zuvor hatte am ersten Finaltag im Rudern der Doppelvierer der Frauen die Silbermedaille gewonnen. Der Weltmeister musste sich nur dem favorisierten Boot aus der Ukraine geschlagen geben. Bronze ging an die USA. Das deutsche Team um Schlagfrau Britta Oppelt aus Berlin hängte die Amerikanerinnen mit einem energischen Schlussspurt noch deutlich ab. Die Ukrainerinnen, die in dieser Saison zumeist sogar deutlich gewonnen hatten, lagen von Beginn an vorn und waren zu stark. 

Die deutschen Medaillen vom 31. Juli

Dienstag, 31. Juli: Silbermedaille im Judo für Ole Bischof aus Reutlingen: Der 32-Jährige unterlag am Dienstag im Finale der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm dem Südkoreaner Kim Jae-Bum, den er vor vier Jahren bei seinem Olympiasieg in Peking bezwungen hatte. Bei der Neuauflage dominierte der neue Olympiasieger den Kampf klar, er gewann durch Yuko.

Canadier-Europameister Sideris Tasiadis aus Augsburg gewann bei den olympischen Kanuslalom-Wettbewerben die Silbermedaille. Der 22-Jährige musste sich beim Finallauf im Lee Valley White Water Center um 1,03 Sekunden nur Tony Estanguet geschlagen geben. Für den Franzosen war es das dritte Gold nach 2000 und 2004.

Wenige Stunden nach dem Mannschaftserfolg hat der deutsche Vielseitigkeitsreiter Michael Jung auf seinem Pferd Sam Gold in der Einzelentscheidung gewonnen. Zuvor hatten die deutschen Vielseitigkeitsreiter wie vor vier Jahren den olympischen Mannschaftswettbewerb gewonnen und damit bei den Sommerspielen in London die erste Goldmedaille für das deutsche Team geholt. In der Besetzung Ingrid Klimke (Münster/Butts Abraxxas), Sandra Auffarth (Ganderkesee/Opgun Louvo), Michael Jung (Horb am Neckar/Sam), Dirk Schrade (Sprockhövel/King Artus) und Peter Thomsen (Lindewitt/Barny) setzte sich das deutsche Team am Dienstag nach einer großartigen Leistung im Springen schon vor der letzten Reiterin, Ingrid Klimke, durch. Welt- und Europameister Michael Jung, der am Dienstag seinen 30. Geburtstag feierte, ritt auf Sam einen fehlerfreien Durchgang, der der durchweg starken deutschen Mannschaft die Goldmedaille sicherte. 

Britta Heidemanns Silbermedaille vom 30. Juli

Montag, 30. Juli: Degenfechterin Britta Heidemann legte am Montagabend für die deutsche Olympia-Mannschaft die Medaillenspur. Vier Jahre nach ihrem Triumph in Peking verlor die 29-Jährige in London erst im Finale gegen Jana Schemjakina aus der Ukraine mit 8:9 nach Verlängerung, holte aber am dritten Wettkampftag mit Silber die ersehnte erste Medaille für das deutsche Team.

Im Halbfinale hatte es zuvor einen Nervenkrieg gegeben: Am Ende der Verlängerung des Gefechts der Peking-Olympiasiegerin gegen die Südkoreanerin Shin A Lam konnte sich die Jury in London zunächst nicht über die Wertung des Siegtreffers der Deutschen einigen. Die Südkoreaner protestierten wütend, weil nach ihrer Ansicht die Kampfzeit bereits abgelaufen war. Es folgten längere Diskussionen, am Ende wurde der Treffer aber gezählt.

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