Für Trainer Bruno Labbadia wird die Luft immer dünner. Foto: Bongarts

Die Luft für Trainer Bruno Labbadia wird beim Hamburger SV immer dünner. Nach dem 0:1 beim SC Freiburg vermied Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer erneut ein klares Bekenntnis, gegen Bayern München sitzt der Coach wohl trotzdem auf der Bank.

Hamburg - Als Bruno Labbadia mit seinen Verlierern am Mittwochmittag um 12.17 Uhr mit Verspätung ans Volksparkstadion zurückkehrte, durfte der Trainer des Hamburger SV erst einmal durchpusten. Schonfrist! Die Klub-Bosse halten zunächst an Labbadia fest. Trotz des schwachen Saisonstarts und drei Niederlagen hintereinander wird der zuletzt heftig kritisierte Coach wohl beim Heimspiel gegen Rekordmeister Bayern München am Samstag (15.30 Uhr/Sky) auf der Bank sitzen.

Zwar gingen die Verantwortlichen um Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer am Tag nach der neuerlichen 0:1-Pleite beim Aufsteiger SC Freiburg auf verbale Tauchstation, doch der Verein lud zur turnusmäßigen Pressekonferenz am Donnerstag ein - mit Labbadia. Anschließend machte der HSV die Schotten dicht: Die vielen Fans bekamen ihre Stars nicht zu Gesicht, nach über einer Stunde Wartezeit wurde die obligatorische Regenerationseinheit am Mittag kurzerhand in den Kraftraum verlegt. Noch am Vorabend hatte Beiersdorfer die Zukunft von Labbadia offen gelassen und sogar schon das Ende der Zusammenarbeit angedeutet. „Wir werden das jetzt sacken lassen und dann mit ihm besprechen“, sagte der Sportchef und stellte bei Sky klar: „Ganz oben steht der HSV und sonst niemand.“ Und der steckt in einer tiefen Krise - mal wieder, könnte man fast sagen.

Die sorgenfreiere Zeit ist für den HSV vorbei

Nach der Rettung dank Labbadia in der Saison 2014/15 und einer sorgenfreieren vergangenen Spielzeit ist der Bundesliga-Dino vom Aussterben bedroht, wenn es so weitergeht. Mutlos, harmlos, erfolglos - die Spieler während und der Trainer nach der Partie im Breisgau gaben ein Bild des Grauens ab. „Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß“, sagte Labbadia, der nach dem Schlusspfiff erst für ein paar Momente noch auf der Trainerbank verharrte und dann ein wenig verloren auf dem Feld umherlief. „Ich stehe in der Hauptverantwortung. Deswegen kreide ich es mir als ersten an, wenn wir solche Spiele nicht für uns entscheiden.“ Dabei hatte der Plan, den Labbadia seinen Spielern mit an die Hand gegeben hatte, eigentlich erfolgreich sein können. Defensiv sicher stehen und dann blitzschnell umschalten - das klang gewinnbringend. Am Ende stand aber nur ein Pfostenschuss von Bobby Wood (37.) zu Buche, zu allem Überfluss zudem der Gegentreffer von Nils Petersen (70.).

„Überlebenswichtiges Spiel“ für den HSV

„Wir waren schlecht, in der zweiten Halbzeit sogar ganz schlecht“, monierte Beiersdorfer bei Sky. Weil die Leistung in einem „überlebenswichtigen Spiel“ (Labbadia) schlichtweg „unzureichend“ (Beiersdorfer) war, schwindet allmählich die Geduld der Bosse. Gegen den FC Bayern dürfte Labbadia noch auf der Bank sitzen und wohl auch noch die Woche drauf bei Hertha BSC, sofern es kein Bayern-Debakel gibt. Dann aber ist Länderspielpause und genügend Zeit für einen Cut. „Wir müssen das alles thematisieren, aber intern“, kündigte Beiersdorfer angesichts von nur einem Punkt aus vier Spielen an. Die letzten lobenden Worte vom Chef an oder über den Angestellten liegen zumindest in der Öffentlichkeit schon eine Weile zurück. Dass Labbadia die vom Vorstand umgehend geforderten Änderungen nicht herbeiführen konnte und der Trend eher nach unten als nach oben zeigt, spricht ebenfalls für einen Wechsel an der Seitenlinie. Zumindest die Spieler bekannten sich ausdrücklich zu ihrem aktuellen Coach - dummerweise aber auch wegen zurückliegender Taten. „Bruno ist in einer schwierigen Situation gekommen und hat uns damals gerettet. Das muss man respektieren“, meinte beispielsweise Kapitän Johan Djourou, für den ein Trainertausch zum jetzigen Zeitpunkt „total falsch“ sei: „Wir brauchen Beständigkeit.“ Doch um welchen Preis?

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