Mit 29 Jahren ist Fabian Gramling einer der jüngsten Landtagsabgeordneten. Foto: factum/Bach

Der Besigheimer Fabian Gramling ist mit 29 Jahren einer der jüngsten Abgeordneten im Landtag. Ein Gespräch über neue Lebensabschnitte, seine Rolle in der CDU-Fraktion und den Umgang mit der AfD.

Bietigheim-Bissingen – - Trotz des Wahldesasters für die CDU reichte es für ihn zum Einzug in den Landtag: Der 29 Jahre alte Besigheimer Fabian Gramling vertritt den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen im neuen Plenum – und auch den Kreis Ludwigsburg.
Herr Gramling, die Wahl ist jetzt beinahe hundert Tage her. Ihr erstes Fazit?
Die Zeit nach der Wahl war sehr intensiv, es wurde innerhalb der CDU-Fraktion kontrovers diskutiert: Wo stehen wir? Wie geht’s weiter? Das ist eine große Herausforderung gewesen. Es hat sich aber gelohnt.
Und für Sie persönlich?
Die spannende Zeit des Wahlkampfes aber auch das Wahlergebnis mussten erst einmal aufgearbeitet werden. Das Ergebnis haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Verändert haben sich für mich auch die öffentlichen Auftritte: Plötzlich bin ich nicht mehr der Kandidat oder der junge Mann, der sich politisch engagiert – sondern ein Abgeordneter. Das ist Ehre, Verantwortung und eine neue Aufgabe für mich.
Im Vergleich zu Ihrem Beruf in der Wirtschaftsprüfung: Wie anstrengend ist Politik?
Der Vergleich mit meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit fällt schwer. Früher habe ich den ganzen Tag am Laptop gearbeitet, jetzt habe ich viele Termine vor Ort, führe Gespräche und habe interessante Begegnungen mit den Menschen im Kreis – auch an den Wochenenden. Hinzu kommt die parlamentarische Arbeit in Stuttgart.
Wie haben sie als Neuling die Koalitionsverhandlungen erlebt? Die CDU-Fraktion hat mit der verkorksten Probeabstimmung für die Ministerpräsidentenwahl ja durchaus Aufregung ausgelöst.
Ich habe gelernt, dass die Fraktion sehr diskussionsfreudig ist. Nach den vielen Gesprächen und Kontakten mit den Bürgern war aber klar, dass von uns eine Regierungsbeteiligung erwartet wird. Das war nach der Wahl eine Chance, die wir gerne wahrgenommen haben. Wir mussten im Kabinett Präsenz zeigen, und das tun wir mit den Besetzungen. Nach der angesprochenen Fraktionssitzung gab es einen internen Austausch. Unterschiedliche Meinungen sind in einer demokratischen Partei durchaus erwünscht und Alltag. Es ist übrigens nicht so, dass die jungen Abgeordneten dabei nur zuhören und schweigen: Wir melden uns durchaus zu Wort.
Spannend war auch der Umgang mit der AfD. Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler verweigerte der AfD-Politikerin Christina Baum zum Beispiel den Handschlag. Wie erleben sie diese Partei?
Noch gab es keine großen Berührungspunkte, für mich ist es aber selbstverständlich, dass man allen Abgeordneten mit einem gewissen Respekt gegenübertritt. Konkret: Die Hand werde ich den Kollegen geben. Nach der letzten Plenarsitzung bin ich aber doch etwas schockiert über das Auftreten einzelner Mitglieder der Partei im Landtag. Das ist so nicht hinnehmbar. Die grundsätzliche Frage ist für mich: Bringt es etwas, ständig den Fokus auf die AfD zu richten? Ich versuche lieber, die Partei in meiner täglichen Arbeit auf das zu reduzieren, was sie tatsächlich ist.
Der Wahlkreis Ludwigsburg ist aus CDU-Sicht unbesetzt. Müssen Sie sich als Neuling gleich um zwei Wahlkreise kümmern?
Es hätte mich gefreut, wenn Klaus Herrmann als verdienter Politiker aus dem Kreis wieder in den Landtag eingezogen wäre. So teile ich mir die Betreuungsarbeit für den Wahlkreis Ludwigsburg mit meinem Kollegen Konrad Epple und dem Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger. Das ist zwar Mehrarbeit, aber auch Verpflichtung im Blick auf die Bürger vor Ort.
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