Stuttgart gestern und heute Foto: Lg/Kovalenko

Das neue digitale Stadtlexikon wird gut angenommen: Die Zahl der Nutzer in den ersten zweieinhalb Monaten kann sich wirklich sehen lassen.

Stuttgart - Seit drei Monaten lädt das digitale Stadtlexikon in Stuttgart zum Stöbern und entdecken ein und bietet gleichzeitig hochwertige Qualität mit einem niederschwelligen Zugang.

Faszinierend ist der Vergleich des aktuellen Stadtplans mit Stadtplänen vergangener Jahrhunderte. Wegen der besseren Auflösung empfiehlt sich da allerdings ein Tablet. Das Stadtvermessungsamt sorgt für die nötige Technik, mit der man Straßen und Plätze deckungsgleich und durchscheinend übereinanderlegen kann. Eine Schülerin vom Königin-Katharina-Stift-Gymnasium benötigte Informationen zur Geschichte des Schulgebäudes. Nach einigen Klicks auf der Kartenfunktion des Stadtlexikons wurde sie fündig und fand heraus, dass sich auf dem Gelände 1832/33 der Botanische Garten befand und das Schulgebäude erst 70 Jahre später eingeweiht wurde. „Diese Art von Visualisierung von Geschichte finden die Schüler grundsätzlich spannend, weil sie die Historie digital erfahren können“, sagt Günter Riederer vom Stadtarchiv. Damit auch andere die Vorteile der Stadtbesichtigung der Zukunft nutzen können, bekommen die Besucher bei Führungen durch das Stadtarchiv gleich den passenden Flyer mit.

4332 Besuche im Mai

Unter www.stadtlexikon-stuttgart.de haben sowohl wissenschaftliche Nutzer als auch Privatpersonen derzeit Zugriff auf 150 Artikel, die in die Rubriken Personen, Orte und Ereignisse unterteilt sind und von 100 Experten verfasst wurden. Das digitale Stadtlexikon ist Teil der digitalen Strategie des Referates Allgemeine Verwaltung, Digital erforscht werden kann Stuttgart über den PC aber auch über das Tablet und das Smartphone. Das Besondere am digitalen Stadtlexikon ist, dass die Artikel im Stadtraum verortet sind – man wandert also virtuell auf einem Stadtplan des 19. Jahrhunderts, während man real durch das Stuttgart von heute Welt spaziert. So befand sich beispielsweise an der Stelle, wo heute das Alte Schauspielhaus steht, eine Kaserne. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmessungsamt wurden 40 historische Karten hinterlegt – die älteste stammt aus dem Jahr 1728 und zeigt das Rittergut Mühlhausen. Alle Artikel sind mit Fotos, Gemälden und Grafiken illustriert. „Die Resonanz ist bislang nur positiv. Und wir bekommen auch Rückmeldungen, welche Artikel noch fehlen“, sagt Günter Riederer.

Drei Monate ist das deutschlandweit bislang einmalige Projekt jetzt online: 4332 Besuche gab es im Mai, im Juni waren es schon fast 5000 und bis Mitte Juli wurde es von 2870 genutzt. Doch nicht nur die Bürgerinnen und Bürger greifen auf die Informationen zurück, um sich Stadtgeschichte neu zu erschließen – auch das Stadtpalais, also das Museum für Stuttgart, will das Lexikon in der Bildungsarbeit einsetzen. Beim Tiefbauamt ist es mit seiner historischen Kartenfunktion ein nützliches Element für die Planung.

Der digitale Führer wird in den nächsten Jahren immer weiter wachsen. Spätestens im Herbst werden eine Reihe neuer Artikel eingestellt. Später sollen auch noch historische Töne und Filmausschnitte dazukommen. „Das Stadtlexikon bietet, was aktuell in Zeiten von Fake News ganz besonders wichtig ist: Verlässliche Informationen im Netz, die wir wissenschaftlich erarbeitet haben“, sagt Günter Riederer.

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