Auf dem Waiblinger Finkenberg hat es den ersten Spatenstich für das lang ersehnte Farmhaus der Jugendfarm gegeben. Das Gebäude soll nicht nur für Kinder und Jugendliche zu einer tierischen Anlaufstelle werden.
Wilma und Loui haben ziemlich gelassen vor den Kameras posiert – so, als gehörten Fotoshootings zu ihrem ganz normalen Schafsalltag auf der Jugendfarm in Waiblingen. Die Feier anlässlich des ersten Spatenstichs für das seit Langem ersehnte Farmhaus auf dem Waiblinger Finkenberg war offenbar für die anwesenden Zweibeiner aufregender als für das Walliser Schwarznasenschaf und den Coburger Fuchs.
Peter Beck, der im Vorstand des Jugendfarmvereins für die Bereiche strategische Planung, Öffentlichkeitsarbeit und Gebäude zuständig ist, sprach von „einem großen Tag“. Kein Wunder, schließlich sind seit der Gründung des Vereins rund 16 Jahre vergangen. Was beweist, dass dessen Mitglieder die sprichwörtliche Schafsgeduld und viel Beharrlichkeit aufbringen mussten, bis das Projekt Farmhaus konkrete Formen annahm. Wobei Peter Beck betonte, dass es sich bei der Jugendfarm um ein Gemeinschaftsprojekt vieler engagierter Ehrenamtlicher sowie der Stadt Waiblingen handle.
Das Gelände war früher eine Erddeponie
Es seien 16 Jahre mit Höhen, aber auch vielen Tiefpunkten gewesen, berichtete Peter Beck. Ein 2013 erarbeitetes Konzept hatte festgelegt, der Verein und die Stadt sollten sich alle Betriebs- und Investitionskosten teilen. Für den vergleichsweise kleinen Verein war das nicht machbar, das Vorhaben kam nicht voran. Irgendwann stand sogar schon ein Termin fest, an dem der Verein sich endgültig auflösen wollte. Doch kurz vor diesem Tag begegnete Peter Beck dem damaligen Oberbürgermeister Andreas Hesky, der ihn ermunterte, dran zu bleiben. Danach kam Bewegung in die zwischendurch verfahrene Angelegenheit.
Im Jahr 2019 einigten sich die Stadt Waiblingen und der Jugendfarmverein auf einen Kooperationsvertrag, der das Projekt auf eine solide finanzielle Basis stellte und festlegte, dass die Stadt künftig 95 Prozent aller Betriebskosten der Jugendfarm übernimmt. Der Verein wiederum beteiligt sich an den Investitionskosten. Der Gemeinderat Waiblingen befürwortete das neue Modell einstimmig. Anfang des Jahres 2021 wurden erste Ställe für tierische Bewohner gebaut, zum Jahreswechsel 2021/22 zogen Kaninchen, Schafe und Hühner auf den Finkenberg. Das rund acht Hektar große Gelände direkt an der B 14 wurde in den 1990er-Jahren für einige Zeit als Erddeponie genutzt.
„Die Jugendfarm ist ein schönes Projekt, das ich von meinem Vorgänger Andreas Hesky übernehmen konnte“, sagte der Oberbürgermeister Sebastian Wolf beim offiziellen Spatenstich. Dass die Jugendfarm die Möglichkeit zu Begegnungen mit der Natur schaffe, sei wichtig. „Viele Kinder und Jugendliche haben heute keinen Kontakt mehr zu Tieren, etwas, das früher ganz normal war“, sagte Sebastian Wolf. Das Projekt sei dem Gemeinderat viel Geld wert.
Rund 800 000 Euro solle das Farmhaus kosten, erklärte der Kassierer des Jugendfarmvereins, Frieder Frischling. In dem zweistöckigen Gebäude mit einer Grundfläche von 120 Quadratmetern sollen eine Küche und Büroräume, ein Mehrzweckraum für Veranstaltungen wie Kaffeenachmittage und Geburtstage, Gruppenräume und sanitäre Anlagen untergebracht werden.
Fertigteile erleichtern den Hausbau
Weil es an letzteren bisher mangelt – es gibt nur eine nicht barrierefreie Toilette in einem Container – sind noch keine größeren Veranstaltungen auf dem Gelände möglich. Doch wenn das Farmhaus, das auch eine Terrasse bekommen soll, erst einmal steht, soll es dort zum Beispiel auch tiergestützte Angebote für an Demenz erkrankte Menschen geben. Und die Jugendfarm soll auch ein Ort der Begegnung für alle Bewohner des Stadtteils Korber Höhe werden.
Als nächstes wird die Bodenplatte für das Farmhaus errichtet, das direkt an die bereits bestehenden Ställe für die Kaninchen und Hühner sowie ein Holzhaus, das als Futterkammer dient, anschließt. Das Farmhaus werde in Holzständerbauweise errichtet, sagte Frieder Frischling: „Die Fertigteile werden angeliefert und hier montiert, sobald die Bodenplatte fertig ist.“ Der Aufbau des Gebäudes sei dank der Bauweise rasch zu bewerkstelligen, dann folge der Innenausbau.
Wenn alles gut läuft, wird das Farmhaus im kommenden Jahr bezogen. Das wird sicher groß gefeiert – und Loui und Wilma stehen sicher für weitere Fotos bereit.
Mehr über die Jugendfarm Waiblingen : https://jugendfarm-waiblingen.de
Der lange Weg bis zur Jugendfarm
Anfänge
Die Idee für eine Jugendfarm in Waiblingen kam von der Fraktion Alternative Liste (Ali). Diese hatte im Jahr 2006 angeregt, die Stadt möge die Einrichtung einer Jugendfarm prüfen. Wenig später sprach sich eine Mehrheit des Gemeinderats für eine Machbarkeitsstudie aus, aufgrund der die Stadt die Gründung eines Trägervereins in die Wege leitete.
Programm
Im Sommer 2014 fiel auf dem Finkenberg der Startschuss für den provisorischen Betrieb der Jugendfarm. Damals wurde ein Bauwagen aufgestellt und ein Zaun errichtet. Und es wurden erste Ferienprogramme angeboten.
Betrieb
Die Jugendfarm ist für Sechs- bis Zwölfjährige dienstags bis freitags von 14.30 bis 17.30 Uhr offen. Marion Zolldann ist die Tierpflege-Beauftragte und kümmert sich gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und den urbanen Gärtnern darum, dass die Tiere täglich gefüttert und die Ställe gesäubert werden.