Rollte aufs Abstellgleis: die Städtebahn Sachsen Foto: Städtebahn Sachsen GmbH

In Sachsen sorgt die Pleite eines privaten Eisenbahnverkehrsunternehmens für Ärger. 10 000 Pendler rund um Dresden sind betroffen und müssen nun mit Ersatzbussen fahren – mit wesentlich längeren Fahrzeiten.

Dresden - Als Wegbereiter für die moderne Mobilität werden in Baden-Württemberg private Bahnbetreiber wie Go Ahead und Abellio auch vom Landesverkehrsministerium gefeiert. In Sachsen aber sorgt derzeit die Insolvenz eines privaten Verkehrsunternehmens, der Städtebahn Sachsen, für Empörung unter täglich 10 000 betroffenen Pendlern und für politische Aufwallungen. Er vermute sogar „kriminelle Machenschaften“ hinter dem Vorfall, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dieser Tage bei einem Wahlkampftermin in der Lausitz.

Studie spricht von „intensivem Wettbewerb“ der Eisenbahngesellschaften

Eine Studie des Eisenbahnbundesamtes hatte kürzlich vom „intensiven Wettbewerb“ der bundesweit 448 Eisenbahngesellschaften berichtet, und dass nur 82 Prozent ein positives Betriebsergebnis erzielten. Die Städtebahn hatte rund 90 Mitarbeiter und 15 geleaste Triebwagen, mit denen sie vier wichtige Strecken rund um Dresden bediente. Beispielsweise die von Dresden in die 40 Kilometer entfernte Geburtsstadt Lessings, Kamenz, oder die nach Königsbrück. Jetzt stehen die Züge auf Abstellgleisen, am Wochenende sind sie gar von Unbekannten mit Graffiti besprüht worden. Auf der Website des Unternehmens prangt noch der Slogan „Wir halten Sachsen in Bewegung“. Darunter steht lapidar, es komme „zu Fahrplanänderungen“. Nachdem der Zugeigentümer den Leasingvertrag gekündigt hatte und die Züge abgestellt wurden, musste der Verkehrsverbund Oberelbe als Notfallmaßnahme Ersatzbusse einsetzen, was auf der Kamenz-Strecke eine halbe Stunde längere Fahrtzeiten brachte.

Der Städtebahn-Geschäftsführer hatte die Zahlungsprobleme der DB Netz AG angekreidet, die die Trassen nicht von Vegetation frei gehalten habe, was zu Millionenschäden geführt habe. Von 2011 bis 2018 sei es zu 60 betriebsgefährlichen Zusammenstößen mit „Bäumen im Gleis“ gekommen. Die Bahn wies diese Vorwürfe zurück. Im SPD-geführten Verkehrsministerium in Dresden zeigt man sich verwundert über die Pleite. Die Mitarbeiter seien von heute auf morgen auf die Straße gesetzt worden. Ein Ministeriumssprecher: „Es läuft jetzt eine Notausschreibung für einen neuen Betreiber. Wir hoffen, dass bis Ende des Monats wieder Züge fahren.“

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