Das Werk und die Stadt kommen zusammen: Die Biennale feierte ihren Auftakt in der neuen Produktionshalle von Daimler. Foto: factum/

250 Musiker und Sänger eröffnen mit einem fulminanten Cross-over-Konzert in der nagelneuen Produktionshalle im Mercedes-Benz-Werk die dritte Biennale.

Sindelfingen - Seit 104 Jahren gehört Daimler zu Sindelfingen. Das weltweit größte Mercedes-Benz-Werk der Welt hat die Stadt zu dem gemacht , was sie ist. Untrennbar sind Stadt und Werk miteinander verbunden. Sind die Zahlen des Autobauers gut, sprudelt in Sindelfingen das Geld. Geht es dem Unternehmen schlecht, leidet auch die Stadt.

Nun haben Stadt und Werk einen neune Meilenstein in ihrer Beziehung gesetzt: mit einem Konzert in der Factory 56, der laut Daimler weltweit modernsten Produktionshalle für Autos. Sie soll demnächst eröffnet werden. Noch stehen aber die Baucontainer, sind die letzten Arbeiten im Gange. Dass dennoch Tausende Besucher hinein durften zu einem Kulturact, das ist laut Standortchef Michael Bauer etwas Einmaliges: „So etwas gab es noch nie.“ In einen Teil der 30 Fußballfelder großen Halle wurde dafür eine riesige Bühne eingebaut, Theaterbeleuchtung an die Decke montiert und eine Tontechnikerranlage installiert. Vorhänge und gut 1000 Sitzplätze verwandelten die nüchterne Halle dann am Mittwochabend in einen Konzertsaal. „Bei Daimler-Managern gibt es den Spruch: In der Produktion spielt die Musik. Hier wird er wahr“, sagte der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer.

Eine perfekte Show und frenetischer Beifall des Publikums

Und es war kein gewöhnliches Konzert. 250 Musiker und Sänger standen auf der Bühne, bunt zusammengewürfelt. Cellospieler und Violinisten, eine Harfenspielerin, E-Gitarristen und ein Schlagzeuger, Saxofonspieler, Trompeter und Posaunisten, dazu 150 Sänger – zwei Profis und der Rest Bürger aus Sindelfingen und Umgebung. Zusammengetan hatten sich das Daimler-Sinfonieorchester, die Siggi- Schwarz-Band, die Rockmusik macht, und die MSV Big Band der Sindelfinger Stadtkapelle, die überwiegend Swing spielt.

Dazu kam ein Projektchor, auch dieser bunt gemischt: Sänger des Daimlerchors, verschiedener Sindelfinger Chöre und extra­ für das Projekt gecastete Akteure. In nur sechs Proben studierten die Sänger ihre Lieder ein. Nur zweimal vor der Premiere stand das komplette Ensemble mit allen Musikern gemeinsam auf der Bühne. Das Ergebnis: trotzdem eine perfekte Show und frenetischer Beifall des Publikums. „Das war Gänsehautfeeling“, war an diesem Abend oft zu hören. Etwa als die 250 Akteure mit ihren Instrumenten auf die Bühne zogen. Gänsehautfeeling auch bei den Songs des 21 Jahre alten Alexander Wolff. „Der klingt wie Elvis Presley“, so die einhellige Meinung des Publikums.

Symbiose von Mercedes-Benz-Werk und Stadt wird gefeiert

Die Ideen scheinen den Sindelfingern nicht auszugehen. Bei jeder Biennale gibt es neue ungewöhnliche Formate und Veranstaltungsorte. War beim Stadtjubiläum 2013 ein multimediales Historienspektakel auf dem Marktplatz mit vielen Lokalpolitikern in tragenden Rollen das Highlight, war es zwei Jahre später ein Open-Air-Theater an der Martinskirche. 2017 dann überraschten viele junge bis dato unbekannte Talente das Publikum mit einem Musical.

Und dieses Jahr nun wird die Symbiose von Mercedes-Benz-Werk und Stadt gefeiert – mit dem Cross-Over-Konzert und einem Film der Kinderfilmakademie über die 104-jährige Beziehung von Stadt und Werk. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt stammt von der Bürgerstiftung. „Eigentlich war es ein Traum, ein Konzert in der Factory 56 zu machen“, sagte Joachim Schmidt, der Chef der Bürgerstiftung. „Heute geht dieser Traum in Erfüllung.“

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