Kalte Nächte und sonnige Tage bedeuten für Spargelstauden die perfekten Bedingungen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Spargelernte hat bereits Ende März begonnen. Doch wegen der Inflation und des Ukraine-Kriegs wird bislang vergleichsweise wenig verkauft. In der Bildergalerie erfahren Sie, wo es in der Region Stuttgart Spargel gibt.

Vor zwei Jahren, Corona hatte gerade so richtig begonnen, da konnte Heinrich Hiller sich kaum retten vor der immensen Nachfrage nach Spargel. Weil die Menschen plötzlich so viel zu Hause waren und viel mehr selbst kochten, wollte jeder die weißen, grünen oder violetten Stangen von ihm haben. Obwohl Heinrich Hiller rund 20 Hektar Spargelfelder in Bondorf bei Herrenberg (Kreis Böblingen) bewirtschaftet, reichte sein Angebot damals kaum aus: Teils brachte er die Ernte direkt vom Feld in den Hofladen.

 

Nun, zwei Jahre später, berichtet Hiller von einer Nachfrage, die „nicht schlecht“, zu Beginn aber durchaus „stockend“ gewesen sei. Ende März hat bei ihm die Saison begonnen mit weißem Spargel, kurz danach kamen der grüne und lilafarbene hinzu. „Die Leute denken so früh im Jahr noch nicht an Spargel“, weiß Hiller. Doch aufgrund der optimalen Bedingungen im Februar und März – tagsüber viel Sonne, nachts kalt – sei der Spargel schon so früh erntereif gewesen.

Menschen leisten sich weniger Spargel

Ganz Ähnliches berichtet Simon Schumacher, der Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). „Der Klimawandel führt zu einer Frühzeitigkeit.“ Doch die Menschen hätten Ende März „noch keinen echten Spargelhunger“, sagt Simon Schumacher. „Wir haben im Jahr 2018 daher damit aufgehört, die Saison immer weiter nach vorne zu ziehen.“

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Die geringere Nachfrage in diesem Frühjahr erklärt sich Schumacher auch mit der politischen und wirtschaftlichen Situation: „Die Inflation und die ‚unsicheren Zeiten‘ wurden so in die Köpfe reingehämmert, dass die Menschen sich weniger Spargel leisten.“ Das Skurrile daran: De facto sei Spargel noch nicht teurer als in den Vorjahren. „Der Mindestlohn von zwölf Euro schlägt erst nächstes Jahr zu Buche.“ Dieses Jahr sei also noch mal gut geeignet, „um zuzuschlagen, Spargel einzufrieren und ihn länger zu genießen“, wirbt Simon Schumacher. Er hat auch einen Tipp für sparsame Fans des Edelgemüses: „In der Direktvermarktung bekommt man auch Spargel, der etwas krumm ist oder einen offenen Kopf hat – da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei.“ Zum Beispiel ein Spargelsalat lasse sich mit nicht perfekt aussehenden Stangen genauso gut zu bereiten.

Immer weniger Betriebe, aber die Erntemenge steigt

Insgesamt geht die Anzahl der Betriebe zurück, in denen Spargel angebaut wird. Im Jahr 2014 bauten noch 314 Betriebe in Baden-Württemberg Spargel an (Deutschland: 2009 Betriebe), 2021 waren es nur noch 279 (Deutschland: 1604 Betriebe). Das bedeutet aber nicht, dass Spargel weniger nachgefragt wird, die Erntemenge steigt sogar. Während 2014 insgesamt 114 090 Tonnen Spargel in Deutschland geerntet wurden, waren es vergangenes Jahr 119 268 Tonnen, in Baden-Württemberg sank die Menge geringfügig von 10 987 Tonnen im Jahr 2014 auf 10 077 Tonnen 2021.

Das ist zum einen eine Entwicklung, die in der gesamten Landwirtschaft zu beobachten ist: Höfe müssen sich vergrößern, um zu überleben, Bauern mit weniger Tieren und kleineren Flächen geben auf. Das führt dazu, dass immer weniger Landwirte immer größere Flächen bewirtschaften. Zum anderen werden Spargelanlagen – also die Flächen, auf denen Spargel in einem komplexen System angebaut wird – nicht mehr so alt, erklärt Simon Schumacher vom VSSE. Nach acht bis zehn Jahren würden die Anlagen heutzutage gerodet, weil die Spargelstangen dann bereits dünner werden, der Aufwand aber derselbe sei. Auch deshalb lohne sich der Spargelanbau „nebenher“ kaum noch.

Vereinzelt helfen Ukraine-Flüchtlinge mit bei der Ernte

Rund um Stuttgart bauen dennoch einige Landwirtinnen und Landwirte noch Spargel an. Neben Heinrich Hiller in Bondorf sind das zum Beispiel der Gemüsehof Hörz in Filderstadt (Kreis Esslingen) oder die Familie Bauerle in Fellbach-Schmiden (Rems-Murr-Kreis). Außerdem verkauft Klaus Brodbeck in Stuttgart-Möhringen grünen Spargel von den Fildern. Generell sei die Region Stuttgart aber nicht prädestiniert für Spargel, sagt Simon Schumacher. In Nord- und Südbaden seien die klimatischen Bedingungen besser, außerdem die Böden öfter sandig, was für Spargel perfekt ist.

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Wenn in den kommenden Tagen und Wochen die Nachfrage nach Spargel steigt, sind die Landwirte gut vorbereitet. „Dieses Jahr sieht’s auch gut aus mit den Erntehelfern. Wir haben immer noch einige Anfragen“, sagt Simon Schumacher. Ukrainische Geflüchtete spielen dabei jedoch nur eine „ganz kleine Rolle“. Vereinzelt hätten sich Ukrainerinnen und Ukrainer bei Landwirten gemeldet, bei denen sie in der Vergangenheit im Rahmen eines Studienpraktikums oder in Form von „Work and Travel“ mal gejobbt hätten. Deren Familien würden nun auf einigen Höfen unterkommen, teilweise arbeiteten die Menschen dort auch mit. „Aber eigentlich haben wir genügend Stammpersonal aus Rumänien.“

Am 24. Juni endet die Saison

Heinrich Hiller, dem Landwirt aus Bondorf, helfen Saisonarbeiter aus Polen beim Spargelstechen. Manche müssten zwischendurch mal für eine Woche heim, wenn eine Kommunion oder eine andere Familienfeier ansteht, „aber das ist kein Problem, wir sind gut aufgestellt“. Bis zum Johannistag, 24. Juni, bleiben die Saisonarbeiter bei ihm in Bondorf. Dann endet die Spargelsaison. Denn die Stauden benötigen mindestens 100 Tage bis zum ersten Frost. In dieser Zeit bilden sie einen grünen Busch und sollen ausreichend Kraft für die nächste Saison sammeln.

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