Hagelschäden: Das Unwetter vor zwei Wochen hat den Früchten mächtig zugesetzt. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Der Hagel in Fellbach vor zwei Wochen hat tiefe Löcher in viele Früchte gehauen. Das heftige Unwetter machte diesen Traum innerhalb weniger Minuten zunichte.

Fellbach - Es sah nach einem traumhaften Obstjahr aus. Bei Aprikosen, Nektarinen und Pfirsichen hat sich das allerdings radikal geändert – zumindest in den Anlagen unterhalb des Fellbacher Kappelbergs, beispielsweise bei Manfed Heß vom Sonnenbühlhof. Das heftige Unwetter am Mittwoch vor zwei Wochen machte diesen Traum innerhalb weniger Minuten zunichte. Jetzt zeichnen sich die Schäden ab: „Wir haben an vier unterschiedlichen Stellen unsere Aprikosenbäume stehen“, sagt Senior Manfred Heß vom Sonnenbühlhof und zeigt in verschiedene Richtungen. „Und an allen vier Standorten hat der Hagel zugeschlagen“, sagt der Obstbauer.

Nektarinen und Pfirsiche waren schon erntereif und deshalb besonders empfindlich, als sie von den großen Hagelkörnern getroffen wurden. Nicht nur die Haut ist verletzt, tiefe Löcher haben die eisigen Körner bis tief ins Fruchtfleisch geschlagen. „Einige Früchte fingen deshalb wenige Tage später noch am Baum an zu faulen, andere fallen jetzt ab“, erklärt Sohn Jochen Heß, warum so viele Nektarinen auf dem Boden liegen. „Die holen jetzt die Mäuse“, sagt er und bemüht sich um ein Lächeln.

Zum Glück hängen dieses Jahr sehr viele Früchte an den Bäumen

Bei manchen Früchten hat die Haut Macken, „Die können wir trotzdem verkaufen“, hofft er auf verständige Kunden. Die Früchte selbst seien gesund und der Geschmack ausgezeichnet erklärt er bei Kundengesprächen die Schönheitsfehler. „Auf die Qualität haben sie keinen Einfluss.“ Aber nicht alle Verbraucher hätten Verständnis dafür.

Zum Glück hängen dieses Jahr sehr viele Früchte an den Bäumen. Vor dem Hagelunwetter hat Jochen Heß sogar „ausgedünnt“, Äste und Bäume litten unter der schweren Last. Eine zeitraubende Handarbeit. Damit ist er jetzt wieder beschäftigt, allerdings muss er jetzt die angeschlagenen Früchte aus dem Baum holen, „weil sie am Ast faulen“.

Auch bei Äpfeln und Birnen hat der Hagel Schaden angerichtet. Diese Obstsorten sind allerdings noch nicht reif, bei den noch harten Früchten hat der Hagel deshalb „nur“ kleine Macken oder Streifspuren hinterlassen. Das könne sich noch verwachsen, hofft Heß, aber eine 1a-Qualität gibt auch das nicht mehr. Für Apfelsaft reicht es auf jeden Fall. Die Bestände vom letzten Jahr sind schon seit Wochen ausverkauft, Nachschub also gefragt.

Vielleicht müssten Verbraucher einfach auch lernen, dass Obst nicht aus dem Automaten kommt

„Bei unseren Trauben haben die Hagelnetze perfekten Schutz gewährt“, freut sich Jochen Heß. Aber man könne ja nicht alle Bäume und Sträucher – Johannis- und Stachelbeeren kamen glimpflich davon – mit Netzen schützen. Bei Heß geht man dieses Risiko ein. Dieses Mal hat es just ihre Plantagen bei dem heftigen Hagel getroffen, „ein paar Meter weiter ist gar nichts passiert“, so Vater und Sohn.

Vielleicht müssten Verbraucher einfach auch lernen, dass Obst nicht aus dem Automaten kommt, und kleine Macken zwar das Äußere der Frucht verändern, aber ihr Geschmack und Aroma darunter nicht leidet. „So köstlich und süß wie dieses Jahr waren die Nektarinen schon lange nicht mehr“, freut sich eine Kundin, „und so früh waren sie noch nie reif“. Damit trösten sich auch Vater Manfred und Sohn Jochen Heß.

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