Warm und trocken – beste Voraussetzungen für die Getreideernte. Überall – wie hier bei Deizisau – sind diese Woche Mähdrescher auf den Feldern unterwegs. Foto: Roberto Bulgrin

Nach den langen Regenperioden nutzen die Landwirte die schönen Tage, um das Getreide ohne Qualitätsverluste zu ernten. Die Weingärtner erwarten einen guten Jahrgang.

Kreis Esslingen - In diesen Tagen einen Landwirt, der Getreide anbaut, ans Telefon zu bekommen, ist nicht leicht. Nach der langen Feuchtperiode sind die Felder endlich so trocken, dass sie mit schweren Maschinen befahren werden können. Was dringend nötig ist, denn viel Getreide ist reif und muss geerntet werden, will man nicht Qualitätseinbußen hinnehmen. Bei Hans Bayha in Echterdingen läuft seit Dienstag der Mähdrescher heiß. Die Wintergerste hat er schon eingebracht, „mit ein bisschen kleinerem Korn als sonst“, wie er berichtet. „Aber wir sind zufrieden.“ Das gilt auch für den Weizen. Bayha spricht von einem durchschnittlichen Ertrag und einer „ganz ordentlichen Qualität“.

 

Es hätte auch anders kommen können. Bayha weiß von einigen Landwirtskollegen, die durch Hagel und Sturm schwere Schäden auf ihren Äckern hinnehmen mussten. „Davon sind wir auf den Fildern Gott sei Dank verschont geblieben.“

Im Neckartal und auf seinen Anhöhen ist die Situation ähnlich. Auch Markus Eberhardt aus Deizisau hat diese Woche mit der Weizenernte begonnen. „Deutlich verzögert“, sagt er. Ob durch das feuchte Wetter der vergangenen Wochen Schäden entstanden sind, könne er noch nicht abschließend beurteilen. „Aber die Grundqualität ist gut.“

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„Die eine oder andere Kartoffel wird sicher faul sein“

Die Kartoffeln seien aufgrund des vielen Regens gut gewachsen. Jedoch gebe es an manchen Stellen das Problem der Fäulnis. „Die eine oder andere Kartoffel wird dieses Jahr sicher faul sein“, sagt Eberhardt. Mit der diesjährigen Erdbeerernte ist der Deizisauer Landwirt nicht zufrieden. „Es war von Anfang an zu kalt. Deshalb verlief die Fruchtentwicklung sehr schleppend.“ Insgesamt sei es für Beeren kein gutes Jahr gewesen. Auch das Wachstum des Spargels sei deutlich verzögert gewesen. Deshalb sei der Ertrag geringer ausgefallen. Was zumindest teilweise durch den höheren Verkaufspreis ausgeglichen werden konnte. „Insgesamt war die Spargelernte okay“, sagt Eberhardt.

„Im Frühjahr haben wir uns gefreut über viel Niederschlag“, berichtet Dominik Modrzejewski, Referent für pflanzliche Erzeugung, nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien beim Bauernverband Baden-Württemberg. Doch die starken und lang anhaltenden Niederschläge der vergangenen Wochen hätten in weiten Landstrichen erhebliche Schäden angerichtet. „Teilweise gab es Totalausfälle wegen Hagel oder Überschwemmungen“, berichtet der Agrarexperte. Die Folgen: zu kleine Körner, sogenannte Schmachtkörner, und Pilzkrankheiten. Beim Weizen gebe es das Problem, dass er auf dem Halm keimt und deswegen nur noch als Futter verwendet werden kann. Bei der Wintergerste hätten viele Landwirte mit umgeknickten Halmen zu kämpfen. Dass die Wetteraussichten nun für die nächsten Tage gut sind, stimmt Modrzejewski optimistisch.

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Regen und Wind förderten den Pilzbefall

In den Weinbergen rund um Esslingen sieht es auch ganz gut aus. Achim Jahn, der Vorsitzende der Weingärtnergenossenschaft, hat am Montag die ersten Trauben gelesen. Allerdings nicht für den Weinausbau, das wäre noch viel zu früh, sondern für die Produktion von Verjus. Der essigähnliche Saft, der gerne für Erfrischungsgetränke genutzt wird, findet immer mehr Freunde. Jahn ist froh, dass er und seine Kollegen von Hagel und schweren Unwettern bislang verschont geblieben sind.

Die Trauben gehen jetzt in die Reifephase, da tut jeder Sonnentag gut. Die Böden seien gut mit Wasser getränkt, erklärt Jahn. Einziges Manko: Stürme mit Regen und Wind förderten den Pilzbefall in den Reben.

Insgesamt gibt sich der Chef der Weingärtnergenossenschaft optimistisch. „Wir können uns auf frische, fruchtige Weine freuen.“ Doch sei das alles noch Prophetie, schränkt er ein. Bis zur Lese im Herbst könne noch viel passieren.

Die Ernteschätzungen des Landesbauernverbands

Erst optimistisch
Im Frühjahr gab es viele Niederschläge und der Juni war sehr warm. Wegen dieser idealen Voraussetzungen war der Landesbauernverband Ende Juni von einer überdurchschnittlichen Getreideernte ausgegangen. Beim Weizen wurden 85 Dezitonnen (DT) pro Hektar prognostiziert, bei der Wintergerste 80 DT und beim Winterraps 45 DT. Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Situation seien das Durchschnittswerte, sagt Dominik Modrzejewski vom Landesbauernverband.

Dann der Rückzieher
 Weil die zum Teil heftigen Niederschläge im Juli vielen Landwirten in weiten Teilen des Landes schwer zu schaffen gemacht haben, wurde die Ernteerwartung deutlich nach unten korrigiert. Knapp 20 Prozent weniger, schätzt Modrzejewski. Konkret bedeutet das: Weizen 75 DT pro Hektar, Wintergerste 75 DT und Winterraps 37 DT. Damit läge man leicht unter dem Durchschnitt, erklärt Modrzejewski.