Ernte auf den Fildern Sonnenbrand schadet auch dem Obst

Von Otto-H. Häusser 

Die Bäume auf den Streuobstwiesen tragen dieses Jahr viel Obst. Foto: Otto-H. Häusser
Die Bäume auf den Streuobstwiesen tragen dieses Jahr viel Obst. Foto: Otto-H. Häusser

Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es 2018 viel zu ernten. Äpfel, Birnen und Zwetschgen reifen deutlich früher. In Filderstadt wurde deshalb der jährliche städtische Obstverkauf vorverlegt, in Leinfelden-Echterdingen allerdings nicht. Erntesegen oder -ausfall hängt derweil nicht immer vom Wetter ab.

Filder - Dieses Jahr hängen die Obstbäume voll. Manche werfen deshalb jetzt schon ihre Früchte ab. Manchmal bricht auch ein Ast, weil er die zunehmende Last nicht mehr tragen kann. „Die Folge der großen Erntemenge wird sein, dass der Preis niedrig ausfallen wird“, sagt Walter Hartmann, der als Pomologe auf den Fildern bekannt ist.

Im vergangenen Jahr ist dies anders gewesen. Bekanntlich hatte damals der Frost im April dazu geführt, dass es kaum Birnen und Äpfel gab. Nur bei den späten Sorten war der Ertrag ordentlich.

Den jetzt zu erwartenden Erntesegen könnte vor allem ein kräftiger Hagelschauer gefährden. Dann würden die Äpfel und Birnen so beschädigt, dass sie zu faulen begännen. Es könnte auch sein, dass die Früchte einen Sonnenbrand bekommen, erklärt der Fachmann. Dies geschehe, wenn es zu warm werde. Dann erhöhe sich die Temperatur in der Frucht auf bis zu 50 Grad, und das Fruchtfleisch werde braun.

Auch Erdbeeren hatten Sonnenbrand

Der Sonnenbrand hatte auch bereits den Erdbeer-Anbauern zu schaffen gemacht. „Die Beeren sind dadurch matschig geworden“, sagt ein Landwirt, der nicht namentlich genannt werden will. Teilweise sei es auch zu nass gewesen, so dass die Früchte zu faulen begannen. Der Bauer schätzt, dass ihm in diesem Jahr die Hälfte der Erdbeeren kaputt gegangen ist. Bei den Johannis- und Stachelbeeren stimme dagegen der Ernteertrag. Bei den Himbeeren mache sich allerdings der Frost vom vergangenen Jahr bemerkbar. Die Jungpflanzen seien so geschädigt worden, dass sie dieses Jahr nicht ausgetrieben hätten.

Allgemein ist zu beobachten, dass die Früchte dieses Jahr viel früher reifen als in den vergangenen Jahren. „So früh wie dieses Jahr waren wir noch nie dran“, sagt Hartmann. Er habe bereits vor zwei Wochen Zwetschgen geerntet. Die ersten Äpfel gebe es auch bald. Mit deren Haupternte rechnet der Pomologe bereits Ende August.

Die Stadtverwaltung Filderstadt hat wegen der früheren Erntezeit ihren Obstverkauf vorverlegt. Bis zum 13. Juli und vom 8. bis 17. August besteht die Möglichkeit, den Ertrag eines Baumes zu kaufen. Der eines Obstbaums koste fünf, der eines Walnussbaums zehn Euro. Interessenten können sich bei der Abteilung Liegenschaften an der Aicher Straße 26 in Bernhausen melden. Außerdem gibt es in Filderstadt von Mitte August an eine Obstbörse. Dabei verzichten Stückles-Eigentümer aus verschiedenen Gründen auf die Ernte der Äpfel und Birnen und überlassen den Ertrag unentgeltlich Menschen, die keine eigenen Bäume haben.

L.-E. hält an Versteigerungs-Termin fest

In Leinfelden-Echterdingen wird die Obstversteigerung trotz der zu erwartenden früheren Erntezeit nicht verschoben. Sie findet am Mittwoch, 12. September, statt. Martin Frick vom Grünflächenamt rechnet zwar auch mit einer vorgezogenen Ernte. Die Versteigerung komme aber trotzdem noch rechtzeitig. „Wenn das Mostobst normalerweise Mitte Oktober reif ist, schadet ein um drei Wochen früherer Termin trotzdem nicht“, sagt er.

Der Wechsel von gutem und schlechtem Erntejahr ist übrigens nicht immer vom Wetter abhängig. Auch bei normalem Witterungsverlauf alterniert der Ertrag bei den Apfel- und Birnbäumen. „Auf ein gutes Erntejahr folgt meist ein schlechtes“, sagt der Pomologe Walter Hartmann und fügt hinzu: „Das hängt mit den Hormonen in den Samen der Früchte zusammen.“ Diese Hormone würden verhindern, dass neue Blütenknospen gebildet werden.

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