Den traditionellen Krautstart kennt man auf den Fildern seit langem: Jetzt haben Gemüsebauern zum ersten Mal den Beginn der Salaternte feierlich eröffnet.
Im Vergleich zum berühmten Spitzkohl führt der Salat auf den Fildern in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein. Dabei ist die Anbaufläche, auf der zwischen Köngen und Leinfelden Kopfsalat und Co kultiviert wird, deutlich größer als die Spitzkohlfläche. Das gilt selbst dann, wenn man die runde Variante des Weißkohls mithinzurechnet.
Elf Gemüseanbaubetriebe auf den Fildern haben sich im April deshalb zum „Team Filder Gemüse“ zusammengeschlossen. Ziel des losen Verbunds ist es, „dem regionalen Gemüse mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen“, wie Team-Sprecher Daniel Schumacher von Schumacher Gemüse in Köngen betont.
Und wie erzielt man diese Aufmerksamkeit am besten? Zum Beispiel, indem man gemeinsam einen Instagram-Kanal betreibt oder kleine, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen organisiert. Letzteres geschehen am Dienstagmorgen zu einer Zeit, zu der normalerweise nur Landwirte und Erntehelfer auf den Feldern anzutreffen sind.
Doch der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Und so haben es sich auch Filderstadts OB Christoph Traub sowie dessen Amtskollege aus Leinfelden-Echterdingen, Otto Ruppaner, nicht nehmen lassen, beim ersten Salaternte-Start auf den Fildern Präsenz zu zeigen. Der feierliche Schnitt der ersten Salatköpfe fand zum Auftakt auf den Feldern von Gemüsegärtnermeister Albrecht Briem vom gleichnamigen Filderstädter Gemüseanbaubetrieb statt. Im konkreten Fall auf einem Feld im Neuhausener Gewann Wieslen, unüberhörbar direkt in Nachbarschaft zum Flughafen.
Ende April wird auf den Fildern zum ersten Mal Salat geerntet
Üblicherweise pflanzen die Gemüsebauern auf den Fildern den ersten Salat Ende Februar, sodass Ende April zum ersten Mal geerntet werden kann. „Da war es in diesem Jahr aber noch zu nass, um das Feld zu befahren“, erzählt Briem. Die erste Ernte hat deshalb in diesem Jahr ein paar Tage Verspätung. Im Frühjahr brauchen die Salatköpfe ungefähr acht Wochen, um das richtige Gewicht und die optimale Größe zu erreichen.
Ansonsten zeigen sich die Gemüsegärtner zufrieden mit dem Erntestart. Ab jetzt werde jede Woche ein neues Feld abgeerntet und bepflanzt. So geht das, bis im Oktober der Salat auf dem letzten Feld steht. „Auf diese Weise garantieren wir, dass wir immer frischen Salat liefern können“, sagt Briem. Aufpassen wie die Feldhasen müssen die Landwirte, dass sie das jeweilige Erntefenster für die Salatköpfe nicht verpassen. „Das ist maximal fünf Tage groß.“ Danach schießt der Salat in die Höhe und ist „überständig“, wie die Gemüsegärtner sagen. 200 000 Salatköpfe, schätzt er, werden in den kommenden Monaten jeden Tag auf den Fildern geerntet.
Das Unternehmen Briem Feldgemüse kultiviert auf den Fildern seit den 70er-Jahren Salat. Aktuell Kopf- und Eisbergsalat, Lollo Rosso, Lollo Bianco, Eichblatt rot und grün, roten Kopfsalat sowie Romana-Salat. Einfacher werde das Geschäft mit den Salatköpfen aber nicht, sagt der Gemüseproduzent. Zum einen schmecken die Salatköpfe von den Fildern nicht nur den Verbrauchern, sondern auch Hasen, Rehen und Raben. Zum anderen rücken auch kleine Schädlinge wie Läuse und Raupen dem Salat zu Leibe. Überdies drohen Pilzkrankheiten, die es zu bekämpfen gilt.
Im Wortsinn zu schaffen macht den Gemüsegärtnern zudem die Klimaerwärmung. „Im Sommer können die Salatköpfe Sonnenbrand bekommen“, erzählt Briem, der allein 120 Hektar Fläche auf den Fildern bestellt. „Dann werden die Spitzen der Blätter braun.“ Gleichzeitig seien die Ansprüche der Endkunden gestiegen, die nur noch zu makellosen Produkten greifen. Der Gemüsegärtner rechnet vor, dass sich aufgrund der zunehmenden Trockenheit der zusätzliche Wasserbedarf für Salat in der Vergangenheit etwa alle zehn Jahre verdoppelt habe.
Das „Gemüse-Opening“ soll sich auf den Fildern etablieren und, wie schon beim Weißkraut üblich, künftig jedes Jahr gefeiert werden. Wie Daniel Schumacher betont, würde sich das „Team Filder Gemüse“ über weitere Mitstreiter-Betriebe freuen. Die Unterstützung von mindestens zwei Rathauschefs haben die Gemüsegärtner bereits. Ob es beim Ernteauftakt 2027 noch ein paar mehr werden, wird sich zeigen.