Der Dekan Bernd Weißenborn, die Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen, Elvira Postic, und Günter Wagner von der Initiativgruppe Blarer (von links) wünschen sich eine Modernisierung des Gemeindehauses am Blarerplatz. Foto: Roberto Bulgrin

Die evangelische Kirchengemeinde Esslingen hat große Pläne für ihr Gemeindehaus am Blarerplatz. Doch die dafür benötigten Spendengelder fließen nicht so wie erwartet – und auch aus anderen Gründen wird das Projekt ausgebremst.

Viel Herzblut und Hirnschmalz hat es eine Gruppe engagierter Esslinger gekostet, sich einen Plan für die Zukunft des evangelischen Gemeindehauses am Blarerplatz zu überlegen. Das Ergebnis klang vielversprechend: Aus dem in die Jahre gekommenen Gebäude sollte unter dem Titel „Neues Blarer“ ein modernes Haus der Begegnung für die Kirche und die ganze Stadt werden. Erste Schritte sind bereits getan, doch jetzt soll erst einmal die Pausetaste gedrückt werden. Denn zum einen sind längst nicht so viele Spendengelder eingegangen wie benötigt, zum anderen bremst die Landeskirche.

 

Vor einigen Jahren war ein Verkauf des traditionsreichen Gemeindehauses an die Stadt im Gespräch: Man hätte sich einen Umzug der Stadtbücherei aus der Heugasse an den Blarerplatz vorstellen können. Doch nicht allen gefiel die Idee, das mit vielen Erinnerungen verbundene Gemeindehaus aufzugeben. Als der Verkauf des Blarers an die Stadt vom Tisch war, fand sich eine Initiativgruppe zusammen, die sich ein Konzept überlegte, wie sich das defizitäre Gebäude künftig tragen könnte.

Neues Konzept ist mit Sanierung und Umbauten verbunden

Klar war dabei, dass die verschiedenen Räume und der Festsaal in dem Gemeindehaus verstärkt auch an Externe vermietet werden müssten, um genügend Einnahmen zu generieren. Zudem wurden kurzfristige Sanierungen sowie langfristig ein größerer Umbau als unumgänglich auf dem Weg zu einem modernen Neuen Blarer angesehen. Neben Eigenmitteln sowie Zuschüssen der evangelischen Landeskirche wurden auch größere Summen an Spendengeldern eingeplant. So sollten für die erste Phase der Modernisierung, für die einst rund 800 000 Euro kalkuliert wurden, zunächst 550 000 Euro an Spenden gesammelt werden. Auch für die auf rund sieben Millionen Euro geschätzten größeren Umbauarbeiten der Phase zwei wollte die Kirchengemeinde wieder Spendengelder einsammeln. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Der evangelische Dekan Bernd Weißenborn konstatiert: „Uns fehlen die finanziellen Mittel für das ambitionierte Konzept.“ Man habe gedacht, dass man innerhalb einiger Jahre Spendengelder in Höhe von 550 000 Euro zusammen bekommen würde. „Man muss immer mutig sein und Hoffnung haben, aber es war mühsamer als gedacht“, so Weißenborn. So habe man bislang lediglich 307 000 Euro an Spenden für das Neue Blarer erhalten, berichtet Elvira Postic, Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. „Das ist erfreulich, aber von den benötigten 550 000 Euro weit entfernt“, sagt sie. Zumal der Erhalt des Gemeindehauses ein jährliches Defizit von rund 100 000 Euro verursache.

Erschwerend hinzu komme die Immobilienpolitik der evangelischen Landeskirche, erklärt Weißenborn. Angesichts schwindender Mitgliederzahlen und damit auch zurückgehender Einnahmen kämen nun die kirchlichen Gebäude auf den Prüfstand. Im Sommer würden sämtliche kirchlich genutzte Immobilien in Esslingen und Umgebung erfasst und katalogisiert – 116 im gesamten Kirchenbezirk Esslingen, davon 56 der Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Anschließend würden die Gebäude nach verschiedenen Kriterien bewertet – unter anderem auch im Hinblick auf ihre Energieeffizienz. Schließlich wolle die Landeskirche bis 2040 klimaneutral sein. Das komme einem vorläufigen Baustopp gleich und bedeute Ungewissheit für die Zukunft. Denn: „Wir wissen nicht, wie das Blarer dasteht“, so Weißenborn. Und ohne Zuschüsse der Landeskirche sei eine Modernisierung des Gemeindehauses nicht zu stemmen.

Kampagne für Neues Blarer wird beendet

Deshalb erklärt Elvira Postic: „Wegen der Schwierigkeiten beenden wir die Kampagne und das Projekt Sponsoring.“ Vergeblich sei das Engagement aber nicht gewesen: „Wir haben das Blarer aus dem Dornröschenschlaf heraus geholt“, so Postic. Es werde inzwischen von einem viel breiteren Publikum genutzt als vorher: Neben der Kirche, Vereinen und Kulturveranstaltern mieteten sich immer wieder auch Firmen ein. „Wir haben mit dem Neuen Blarer eine Marke entwickelt“, sagt auch Bernd Weißenborn, der das Gemeindehaus als Kleinod und den Festsaal als einen der schönsten Räume der Stadt bezeichnet. „Die Kampagne hat gewirkt.“ Die Auslastung des Gebäudes sei gut bis sehr gut. Und man habe immerhin bereits mit der Erneuerung begonnen, etwa mit der Ertüchtigung der Küche sowie der Renovierung der Treppenaufgänge und des Eingangsbereichs.

Vorerst soll nun alles bleiben, wie es derzeit ist. „Wir wollen das Blarer nicht aufgeben, es soll weiter ein Haus der Begegnungen und Veranstaltungen sein“, sagt Weißenborn. Doch wie es langfristig weitergehe, wisse man nicht. Er rechne erst im kommenden Frühjahr oder Sommer mit Ergebnissen der Immobilienprüfung durch die Landeskirche. Aber für gute Ideen von außen sei man weiterhin offen. „Wir sind auf der Suche nach Lösungen dafür, wie wir unsere Aufgaben erfüllen können“, so Weißenborn.

Zukunftsmusik für traditionsreiches Gebäude

Initiative
 Vor etwa sieben Jahren hat sich eine Initiativgruppe gebildet, die zum Ziel hatte, das Gemeindehaus am Blarerplatz zu modernisieren, für ein breiteres Publikum zu öffnen und enger an die Franziskanerkirche zu binden. In der Bevölkerung sei das Gebäude mit seinem Veranstaltungssaal sehr gefragt, daher habe man die Idee gehabt, ein offenes Haus für alle daraus zu machen, sagt Günter Wagner, Sprecher der Initiativgruppe Blarer. Ursprünglich habe man gedacht, das Projekt bis zum Stadtjubiläum 2027 abschließen zu können, doch das sei eine Illusion gewesen. Nun überlege die Initiativgruppe, wie sie die Entwicklung des Blarer weiter begleiten könne.

Historie
 Das Gemeindehaus am Blarerplatz steht an der Stelle des 1840 abgebrochenen Langhauses der Franziskanerkirche. Es wurde nach den Plänen von Architekt und Stadtbaumeister Rudolf Lempp gebaut und im Jahr 1930 eingeweiht. Der Bau mit Festsaal, Foyer und etlichen Nebenräumen gilt als Ausdruck des damals modernen Heimatstils.