Für sechs Standorte im Kreis gibt es mehr oder weniger konkrete Vorstellungen für Windparks (Symbolbild). Foto: Adobe Stock/Stephan Leyk

Zwischen Weissach im Norden und Bondorf im Süden könnten sich künftig Windräder drehen. Für sechs Standorte gibt es – mehr oder weniger – konkrete Vorstellungen.

Noch dreht sich im Kreis Böblingen kein Windrad. Das könnte sich ändern, der Ausbau der Windenergie wird derzeit intensiv diskutiert. Der Verband Region Stuttgart hat zwischen Bondorf und Weissach 32 Flächen als mögliche Vorranggebiete für Windkraft identifiziert. Dass auf jedem dieser Gebiete Windräder stehen werden, ist unwahrscheinlich. Doch stellenweise gibt es schon konkrete Vorstellungen – und Wünsche – wo Windparks hinsollen. Genehmigt wurde allerdings noch keiner, sie befinden sich alle noch im Planungsstadium.

 

Jettingen Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne im Nordosten der Gemeinde Jettingen. Dort haben die Stadtwerke Stuttgart (SWS) Anfang 2023 den Zuschlag für einen Windpark bekommen. Die Fläche gehört ForstBW, dem staatlichen baden-württembergischen Forst und ist Teil des möglichen Vorranggebiets BB-07. In der Nachbarschaft befindet sich das Jettinger Umspannwerk, was eine direkte Einspeisung des Stroms ermöglichen würde. Geplant sind fünf Windräder mit einer Gesamtleistung von 36 Megawatt. Das entspricht laut SWS einem Bedarf von rund 33 000 Durchschnittshaushalten. Ein kleines Windrad, das schon einige Jahre in Jettingen steht – allerdings im Landkreis Calw – ist nicht in die Pläne einbezogen. Es soll offenbar abgebaut werden. Abgeschlossen sind die Planungen nicht. Die SWS will den Antrag auf Genehmigung im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres beim Landratsamt einreichen, wenn alle Gutachten vorliegen. Dann ist auch eine Bürgerinformationsveranstaltung geplant.

Herrenberg In direkter Nachbarschaft zu den Windrädern bei Jettingen könnten sieben weitere Windkraftanlagen im Spitalwald auf Herrenberger Gemarkung gebaut werden. Die Fläche, ebenfalls ein Teil von BB-07, befindet sich überwiegend im Eigentum der Stadt und ist circa 87 Hektar groß. Der Gemeinderat hatte zunächst einen Windparkprojektierer in einem Verfahren gesucht.

Daraus ist die Energiegenossenschaft Prokon aus Schleswig-Holstein als Siegerin hervorgegangen. Die Entscheidung, ob die Fläche tatsächlich verpachtet wird, steht noch aus. Die will der Gemeinderat bis Ende dieses Jahres treffen. Die Windräder, deren endgültige Anzahl sich je nach Ergebnis der Gutachten noch nach unten ändern kann, hätten laut Stadt voraussichtlich eine Höhe von 285 Metern. Die Anlagen könnten demnach etwa 40 000 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Renningen Auf zwei Flächen, die der Stadt Renningen gehören, will die Kommune voraussichtlich fünf Windräder bauen lassen. Der Gemeinderat hat im Frühjahr den Grundsatzbeschluss gefasst, mit den Stadtwerken Tübingen in Kooperation mit der ABO Wind AG, den Betrieb eines Windparks anzustreben. Eine Entscheidung, die bei der Initiative Bürgerwind Heckengäu Unverständnis auslöste. Die Initiative hatte sich ebenfalls um die Partnerschaft beworben und wollte einen Bürgerwindpark errichten. Den Ausschlag gab am Ende wohl ein deutlich höheres Pachtangebot der Stadtwerke Tübingen. Die Flächen, die für den Windpark infrage kommen, befinden sich nördlich und nordwestlich der Stadt auf den möglichen Vorranggebieten BB-26 (Lerchenberg) und BB-29 (Hardtwald).

Böblingen/Holzgerlingen/Ehningen Die drei Kommunen planen zwischen B464 und Mauerner Tal einen Windpark mit maximal sechs Windrädern. Die Fläche gehört den Kommunen und die drei Gemeinderäte entscheiden voraussichtlich kommendes Jahr darüber, ob sie an einen Windparkprojektierer verpachtet wird oder nicht. Diese Woche endet die Ausschreibung für den Windpark. Die Ordnung, Prüfung und Dokumentation der Angebote findet in der kommenden Woche statt, schreiben die drei Kommunen in einer gemeinsamen Mitteilung. Bevor eine Verpachtungsentscheidung fällt, ist eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung geplant. Außerdem wollen die Kommunen auf der Projekthomepage windenergie-bb14.de, sobald die Infos vorliegen, beispielsweise Visualisierungen des möglichen Windparks veröffentlichen. Die Entscheidung für oder gegen das Projekt solle auf Grundlage von Fakten und unter Berücksichtigung der lokalen Akzeptanz getroffen werden. Das Vorhaben stößt vor allem im Böblinger Wohngebiet Diezenhalde auf Protest. „Ob am Ende die Entscheidung für oder gegen einen Windpark ausfallen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig offen“, betonen Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz, Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos und Ehningens Bürgermeister Lukas Rosengrün in der Mitteilung.

Weil der Stadt In Weil der Stadt gibt es noch keine konkreten Planungen, aber ein deutliches Signal aus der Bevölkerung. Bei einem Bürgerentscheid am 9. Juni stimmten 60 Prozent für Windkraft auf den kommunalen Flächen, die beim Verband Region Stuttgart als mögliche Vorranggebiete BB-02 und BB-27 laufen. Dort wären laut Stadt maximal vier beziehungsweise drei Anlagen möglich – vorbehaltlich von Untersuchungen.

Sindelfingen Auf der ehemaligen Mülldeponie auf der Dachsklinge bei Sindelfingen entsteht die sogenannte Energiedrehscheibe. Dort sollen Biogas zu Methan aufbereitet und CO2 verflüssigt werden. Energie liefern PV-Anlagen und – wenn möglich – Windkraftanlagen. Bis zu drei Windräder könnten sich in direkter Umgebung zur Dachsklinge drehen. Wann genau, ist aber offen. Ein ähnliches Vorhaben scheiterte vor zehn Jahren am Thema der Flugsicherung.