Wann kommt die Fernwärme zu mir? Diese Frage stellen sich viele Ludwigsburger. Die Stadt drückt auf die Tube. In eineinhalb Jahren soll die Detailplanung stehen.
Noch schnell eine Öl- oder Gasheizung kaufen, um damit bis 2040 fossil zu heizen? Davon rät die Ludwigsburger Baubürgermeisterin Andrea Schwarz dringend ab. Sie warnte im Gemeinderat am Dienstag die Bürger vor einer Torschlusspanik und riet dazu, mit anderen Mitteln wie etwa verstärkten Dämmungen Heizkosten zu sparen. Die Stadt wolle bis 2035 klimaneutral heizen. Der Weg dorthin führt über ein Fernwärmenetz und Wärmepumpen. Der Gemeinderat beschloss dann auch die Kommunale Wärmeplanung (KWP). Mit ihr gibt die Barockstadt in Sachen Energiewende Gas – und strebt eine Transformationsplanung mit Details binnen zwölf bis 15 Monaten an.
Warum ist die Kommunale Wärmeplanung für die Bürger wichtig?
Das Heizen und das Warmwasser sind in Ludwigsburg für 40 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, teilte die Stadt mit. Die Wärme müsse aus Quellen wie Sonne, Luft, Erde, Wasser und Abwasser gewonnen werden. Wärmepumpen ermöglichten das, aber auch Biomasse und grüne Gase. Die KWP soll den Einsatz der Wärmequellen klären. „Wir wollen, dass alle für die Zukunft planen können“, sagte der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht, der die Bürger ausführlich beteiligen möchte. In einer ersten dreiwöchigen Anhörung seit September hatte sich lediglich 14 Personen mit Fragen an die Verwaltung gewandt. Der Tenor ist aber eindeutig: Die Bürger wollen wissen, ob und wann die Fernwärme zu ihnen kommt.
Wie geht die Stadt Ludwigsburg vor?
Die Stadt hat seit zwei Jahren etwa 14 500 Wohngebäude untersuchen lassen und ein Szenario bis 2035 entwickelt. So sollen die Gebäude 40 Prozent weniger Wärme brauchen, nachdem sie – auch mithilfe von städtischen Förderprogrammen – saniert und modernisiert worden sind. Eine Kernfrage ist: Soll ein Gebäude an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden oder ist eine dezentrale Wärmepumpe sinnvoll? Das wird erst in der Detailplanung in etwa einem Jahr feststehen. In einer Grobplanung sind bisher die Ludwigsburger Stadtmitte, weite Teile der Weststadt und von Pflugfelden, Grünbühl, Neckarweihingen sowie Poppenweiler für eine zentrale Wärmeversorgung als geeignet beurteilt worden. Für Oßweil, das Schlösslesfeld, die Südstadt und Hoheneck werden hingegen überwiegend dezentrale Wärmeversorgungen empfohlen. Das Ziel ist insgesamt, den Anteil der Fernwärme von derzeit etwa 15 Prozent auf rund 78 Prozent zu steigern.
Wie stark wird die Stadt baulich beansprucht?
Die Stadt und die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) wollen Flächen für die Energie-Infrastruktur sichern. Leitungen müssen in der Stadt verlegt und Zwischenspeicher gebaut werden. Das alles erfordere ein intensives Baustellen-Management, erklärte Andrea Schwarz. Sie sprach von einer Herkulesaufgabe, man müsse sich aber gemeinsam auf den Weg machen. „Wenn die Wärmewende jetzt nicht angepackt wird, riskieren wir als Gesellschaft mittelfristig deutliche Mehrkosten.“ Man biete den Menschen langfristig eine kostengünstige Alternative im Vergleich zu fossilen Brennstoffen.
Wie steht es um die Finanzierung?
Allein in Ludwigsburg fallen Investitionskosten von 600 Millionen Euro für den Ausbau des Fernwärmenetzes an, erklärte der SWLB-Geschäftsführer Johannes Rager. „Wir müssen das gesamte Wärmenetz vervierfachen.“ Die Leistung steigt von 100 auf 400 Gigawattstunden. Die Finanzierung sei eine Herausforderung. Der Oberbürgermeister Matthias Knecht stimmt ihm zu: Die EU, Bund und Land müssten die Kommunen fördern. „Wir müssen ehrlich sein: Der Weg wird länger und steiniger werden, als wir es wünschen.“ Aber nicht nur die Finanzierung, auch der Fachkräftemangel dürfte den Ausbau bremsen.
Wie ist der Tenor im Gemeinderat?
Alle Fraktionen stehen hinter dem Konzept, das in den nächsten fünf Jahren mit fünf Maßnahmen unter anderem zur Flächensicherung von Energieanlagen und Effizienzsteigerung von Gebäuden weiterentwickelt wird. Es gab aber auch kritische Zwischentöne. „Ein Ausbau der Biomassenverbrennung oder ein unrealistisch hoher Anteil von grünem Gas ist mit uns nicht machbar“, sagte der Grünen-Stadtrat Florian Sorg. Es fehle an Kostensicherheit, weil der Bund mit dilettantischen Gesetzen viele Bürger dazu bringe, sich doch noch schnell eine Öl- oder Gasheizung zu kaufen, um nicht in den finanziellen Ruin getrieben zu werden, monierte Maik Stefan Braumann von der CDU, der allerdings auch von einer „hervorragenden Arbeitsgrundlage“ der Stadt sprach.
Wir werden die Bürger mitgenommen?
Info-Abend
Die Stadt informiert die Bevölkerung im Internet und an einem Info-Abend am Dienstag, 16. Januar, um 17.30 Uhr in der Ludwigsburger Musikhalle über die Energiewende. An Thementischen können sich die Besucher mit den Experten austauschen und auch Informationen rund um das eigene Gebäude einholen.
Service
Sollte die Heizung ihren Geist aufzugeben drohen, beraten die Stadtwerke Ludwigsburg die Betroffenen – auch für den Fall, dass Handwerker oder Schornsteinfeger Hinweise zum Heizungstausch gegeben haben. Für Anfragen – auch für dringende – dient eine Verfügbarkeitsabfrage auf der Homepage der Stadtwerke unter www.swlb.de/verfuegbarkeit.