Christian Schäfer will zur Energiewende beitragen und hinter seinem Steinbruch zwei Windräder bauen. Foto: /Stefanie Schlecht

Christian Schäfer von der Naturstein Schäfer GmbH will bei Darmsheim zwei Windräder bauen – vergangenes Jahr war die Euphorie darüber groß. Jetzt geht es allerdings langsamer voran als gedacht.

Christian Schäfer hat einen Plan: Er will zwei Windräder zwischen den Sindelfinger Teilorten Darmsheim und Maichingen bauen. Doch das ist gar nicht so einfach. Nicht etwa, weil es Proteste dagegen gibt. Stattdessen kämpft er mit bürokratischen Hürden – und der schwäbischen Erbteilung.

 

Der 53-Jährige ist Geschäftsführer der Naturstein Schäfer GmbH und betreibt den Steinbruch bei Darmsheim. Mitte 2023 hatte er sein Vorhaben der Öffentlichkeit präsentiert und dafür offenbar viel Zuspruch erhalten. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde äußerte sich positiv, die Stadt Sindelfingen sicherte ihre Unterstützung zu. Erste Gutachten, die er bereits eingeholt hatte, stützten seine Pläne. Zwischenzeitlich sind diese allerdings ins Stocken geraten.

Was geplant ist

Schäfer plant zwei 260 Meter hohe Windräder. Mit diesen ließe sich, sagt er, der Strombedarf der Darmsheimer Einwohner decken, seine Firma könne ebenfalls einen Teil davon abnehmen. Die Windräder sollen nordöstlich des Steinbruchs und südlich der Bundesstraße 464 in einem möglichen Vorranggebiet für Windkraft stehen. Konkrete Standorte gibt es noch nicht. Denn Schäfer steht vor einer Herausforderung: In Süddeutschland wurden Grundstücke traditionell unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, dadurch wurden die einzelnen Parzellen immer kleiner. Das trifft auch auf das Gebiet zu, in dem Schäfer seine Windräder bauen möchte. Ein kleines Grundstück dort könne 20 bis 25 Eigentümer haben, rechnet er vor. Insgesamt spricht er von gut 100 Menschen, die er für einen Kauf kontaktieren muss – nicht nur eine hohe Zahl, sondern er braucht auch erst mal alle Kontaktdaten. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die Stadt Sindelfingen habe ihm aus Datenschutzgründen die Adressen zunächst nicht gegeben, berichtet Schäfer. Erst Anfang des Jahres sei die Kehrtwende erfolgt, nun habe er die Daten.

Neubewertung der Rechtslage

Die Stadt Sindelfingen erklärt den Grund dafür so: In ihrem Handeln sei sie der Einschätzung des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI) gefolgt. Die zunächst gelautet habe, dass die Daten nicht herausgegeben werden dürften. Stattdessen kontaktierte die Stadt selbst die Eigentümer – mit eher mäßigem Erfolg, wie Schäfer sagt.

Wieso aber bekam er die Daten dann doch? Weil Schäfer wohl nicht der Einzige mit einem solchen Anliegen war. Anfang 2024 sei die Stadt gemeinsam mit dem Landratsamt erneut auf den Datenschutzbeauftragen zugegangen, teilt Stadtsprecherin Katrin Sadroschinski mit. Aufgrund einer „Vielzahl ähnlich- bis gleich gelagerter Anfragen beim LfDI“ sei der Sachverhalt „erneut umfangreich geprüft und vertieft behandelt“ und das sogenannte ,berechtigte Interesses’ neu bewertet worden. Das Ergebnis: Möchte jemand Windräder bauen, dürfe er künftig die Adressen von Grundstückseigentümern bekommen.

Trotz Hürden will Schäfer weitermachen

Das Hin- und Her mit der Stadt aber auch die Kontaktaufnahme mit den Eigentümern haben Schäfer viel Zeit und Mühe gekostet. „Die Investoren werden ungeduldig“, sagt er, auf deren Unterstützung sei er aber angewiesen. Bei diesen Investoren handle es sich um eine kleine Gruppe von Personen, die er alle kennen würde. Trotz der Herausforderungen gibt sich Schäfer zuversichtlich. Von 98 Prozent der Eigentümer habe er bereits positive Rückmeldungen bekommen. „Es sind einzelne, die ihr Grundstück nicht zur Verfügung stellen möchten.“ Dabei gehe es nicht so sehr um die Ablehnung von Windkraft, sondern um den angebotenen Kaufpreis, denkt er. Er habe sich aber verpflichtet, alle gleich zu bezahlen.

„Für mich ist das Projekt eine Herzensangelegenheit“, betont Schäfer. Dass er weitermachen will, stehe außer Frage. Liege die Zustimmung aller Eigentümer vor, müsse er nur noch Details klären. „Wir wissen, was wir tun müssen.“