Vielerlei Getreide wird präsentiert. Foto: factum/Granville

Eine neue Ausstellung im Heimatmuseum ist dem wichtigsten Lebensmittel gewidmet: Die Geschichte des Brots reicht zurück in vorchristliche Zeiten.

Korntal-Münchingen - Graubrot, Toastbrot, Pumpernickel, Joggingbrot, „Unser Bestes“ oder „Mitternachtsbrot“: Namen für Brot gibt es viele. Kein Wunder, werden doch in Deutschland mehr als 300 Sorten angeboten. Alle bestehen im Grund aus wenigen Zutaten: Mehl, Salz, Wasser und ein Triebmittel wie Sauerteig oder Hefe. Weizenmehl wird am meisten angebaut und zu Brot verarbeitet, gefolgt von Roggen und Dinkel. Einkorn ist eine uralte Getreidesorte, die ebenfalls hie und da wieder angebaut wird. All das erfährt der Besucher in der neuen Ausstellung im Münchinger Heimatmuseum, die an diesem Freitag eröffnet wird – mit Brot von den Landfrauen.

Brot ist ein wichtiges Nahrungsmittel. Bis ins 20. Jahrhundert hinein bestanden 90 Prozent der Nahrung aus Getreideprodukten, zumindest bei der ärmeren Bevölkerung. Diese Quote ist heute auf 21 Prozent gesunken – Brot ist aber immer noch wichtig. Selbst wenn große Mengen auf dem Müll landen. Auch dieser Aspekt wird in der Ausstellung angesprochen.

Brot gibt es seit der Steinzeit

Die Geschichte des Brots reicht zurück in vorchristliche Zeiten. Die ältesten erhaltenen Brotreste stammen aus der Jungsteinzeit (etwa 4000 vor Christi); der älteste Brotbackofen wurde in Anatolien gefunden – er stammt von 5800 vor Christi. Das Getreideprodukt Brot wurde erst nach dem Dreißigjährigen Krieg üblich, vor dem 17. Jahrhundert war die Hauptmahlzeit der bäuerlichen Bevölkerung ein Getreidebrei. Zur gleichen Zeit wie das Brot wurde übrigens das Bier erfunden. Fakten wie diese hat die Museumsleiterin Sabine Rathgeb zusammengetragen und um Ernährungsaspekte ergänzt. So wächst auf einem Quadratmeter Boden so viel Weizen, wie er für ein Kilogramm Brot nötig ist.

Auch die ortsbezogene Kultur kommt nicht zu kurz. Bauern und Müller, die entscheidend zum Brot beitragen, sind schon in der Dauerausstellung vertreten. Gebacken wurde in Münchingen in drei Backhäusern. Diese wurden 1835 von der Regierung in Stuttgart vorgeschrieben – offenes Feuer in den Häusern war eine erhebliche Brandgefahr. Im Backhaus war das Feuer unter Kontrolle, und es konnte besser ausgenutzt werden: Der Ofen brannte an Backtagen meist den ganzen Tag, bis spät in die Nacht. So kam es zum „Mitternachtsbrot“ eines ehemaligen Münchinger Bäckers.

Erstes Backhaus von 1844

Das erste der drei Backhäuser wurde 1844 in der Hinteren Gasse erbaut. Es ist noch erhalten und wird benutzt. Ein weiteres entstand 1864 zwischen Rathaus und Kirche, es wurde 1956 abgerissen. Das dritte schließlich kam 1884 an der Wette dazu, es verschwand 1969, als man den nahen Dorfteich („Wette“) trockenlegte.

Das Backhaus war stets eine wichtige Einrichtung im Dorf – dort traf man sich, auch zum Tratschen. Dort arbeitete man auch zusammen, und es gab Regeln: Jeder Nutzer bekam eine Schicht von drei Stunden, jeder brachte Holzbündel zum Verfeuern mit („Büschele“), sogar den eigenen Besen, um den Feuerraum auszukehren. Die Verwalterin wurde von den Nutzern bezahlt. Und zum Backen gehörte es, vor oder nach dem Brot einen flachen salzigen Kuchen in den Ofen zu schieben („einschießen“), genannt Brittleskuchen: Häufig eine dünne Schicht Brotteig, belegt mit einer Mischung aus Eiern, Sauerrahm, Kräutern und/oder Speck – eine schwäbische Pizza. Anderswo gab es andere Namen dafür, zum Beispiel den Salzblätz. Der wurde warm verspeist, während das Brot buk.

Termine zur Ausstellung

Eröffnung
„Unser täglich Brot – Ein Grundnahrungsmittel und seine Geschichte“ wird diesen Freitag, 20. April 2018, um 19 Uhr im Widdumhof eröffnet. Die Ausstellung im Heimatmuseum Münchingen, Kirchgasse 1, dauert bis 26. August.

Öffnungszeiten
Dienstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr

Begleitveranstaltungen
2. Mai um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus: Vortrag mit dem Landfrauenverein; 21. Juni um 16 Uhr: Lesedrachen in der Stadtbücherei; 13. Juli um 19 Uhr beim Backhaus: Geschichten rund ums Backhaus; 3. August, 18 bis 22 Uhr: Lange Museumsnacht; 11. August um 15 Uhr: Backen wie zu Großmutters Zeiten – Workshop für Kinder.

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