Viele Menschen in Deutschland sind übergewichtig Foto: dpa/Arno Burgi

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung essen die Deutschen zwar mehr Gemüse – sie legen aber weiter zu, vor allem die Älteren. Ob Mischkost, vegetarisch oder vegan: In der Nährstoffversorgung bei Kindern und Jugendlichen wurden nur wenige Unterschiede festgestellt.

Bonn - Wenn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihren Bericht für die Republik vorlegt, lautet die Schlagzeile stets gleich: Die Deutschen werden immer dicker. Auch dieses Mal gibt es keine Trendwende. Zwar wird hierzulande inzwischen mehr Gemüse und weniger Schweinefleisch gegessen und zudem mehr Mineralwasser und weniger Alkohol getrunken, was die in Bonn ansässige Fachgesellschaft positiv bewertet. Trotzdem legen die Menschen in Deutschland weiter an Gewicht zu, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten 14. Ernährungsbericht. Männer sind dabei in allen Altersgruppen häufiger betroffen als Frauen.

Fluch der Steinzeit

Das hat Folgen. Unter anderem ist Übergewicht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen sowie Diabetes verbunden. Bewegt man sich zu wenig, kann sich zudem der Blutdruck erhöhen. Auch Gefäßverkalkungen sind unter zu dicken Menschen häufiger – womit Herzinfarkte und Schlaganfälle wahrscheinlicher werden. Im Alter zwischen 18 und 65 Jahren sind laut DGE fast 60 Prozent der Männer und 37,3 Prozent der Frauen übergewichtig. Dieser Trend steige mit zunehmendem Alter: „Wenn wir durch unsere Nahrungszunahme Energie im Überfluss haben, macht der Körper Fettzellen daraus. Das ist der Fluch unserer steinzeitlichen Gene“, sagte Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler und Chefredakteur des Berichts. Dass bei den Senioren über 65 fast 70 Prozent der Männer und gut 56 Prozent der Frauen übergewichtig seien, insgesamt etwa 20 Prozent gar fettleibig, stelle auch den Pflegebereich vor Herausforderungen.

Auch viele Schwangere zu dick

Um das Maß an Übergewicht zu ermitteln, nutzten die Wissenschaftler den nicht unumstrittenen Body-Mass-Index (BMI). Er berechnet sich so: Man teilt das Körpergewicht (in Kilo) durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Wer dabei auf einen Wert zwischen 18,5 und 24,9 kommt, gilt als normalgewichtig. Darunter beginnt Untergewicht, darüber Übergewicht. Ab einem Wert von 30 fängt die Fettleibigkeit (Adipositas) an. „Auch Schwangere sind zunehmend übergewichtig oder adipös und weisen immer häufiger Schwangerschaftsdiabetes auf“, heißt es in dem Bericht – mit weitreichenden Konsequenzen. Denn eine zu hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht auch das Risiko des Kindes etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Doch die DGE untersucht in ihren alle vier Jahre erscheinenden Berichten nicht nur das Gewicht der Deutschen. Da der Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung geht, vor allem bei Jüngeren, nahm sie sich diesen Ernährungsweisen gesondert an. Im Vergleich Mischkost, vegetarisch und vegan wurden in der sogenannten VeChi-Youth-Studie nur geringe Unterschiede in der Nährstoffversorgung bei Kindern (ab 6 Jahren) und Jugendlichen festgestellt: „Auch bei einer vegetarischen oder rein pflanzlichen Ernährung war bei den meisten etwa die Versorgung mit Vitamin B12 ausreichend“, sagten die Wissenschaftler Ute Alexy und Markus Keller, die die Studie geleitet haben. Vorläufig könne man sagen, dass auch eine pflanzenbasierte Ernährung eine adäquate Entwicklung ermögliche. „Was dies langfristig bedeutet, ist aber nicht bekannt, da es keine Daten gibt“, so Keller. Mit der Studie sei ein Grundstein gelegt.

Obstkonsum ist gesunken

Insgesamt rät die DGE zu einer pflanzenbetonten Ernährung. Der Fleischkonsum stagniert seit Jahren tatsächlich: Im Schnitt essen die Menschen in Deutschland etwa 60 Kilo pro Kopf und Jahr – weniger Schwein als früher, dafür aber mehr Rind, Kalb und Geflügel. Doch ist er laut DGE immer noch zu hoch. Und: „Die Rückgänge beim Verbrauch von Obst, Getreideerzeugnissen und frischen Kartoffeln stehen dazu im Widerspruch“, bewertet Kurt Gedrich, Mitautor des Berichts, die Ergebnisse. So essen die Deutschen im Schnitt nur noch 20 Kilo Äpfel im Jahr – zehn Kilo weniger als 2008.

Da Vitamin D wichtig für den Organismus ist, untersuchten die Wissenschaftler der DGE dessen Auswirkungen auf verschiedene Krankheiten, unter anderem auf Atemwegserkrankungen wie Asthma. Dass Vitamin D derzeit von manchen Wissenschaftlern auch in Zusammenhang mit Covid-19 eine Rolle zugemessen wird, war dabei Zufall – die Untersuchungen erfolgten vor dem Ausbruch der Pandemie. Interessant sei, dass eine ausreichende Versorgung zwar offenbar nicht das Risiko senke, an Covid-19 zu erkranken, „den Verlauf aber eventuell positiv beeinflussen“ könne, sagte der DGE-Präsident Jakob Linseisen. Die DGE-Untersuchung habe derweil ergeben: „Das Risiko für akute Atemwegserkrankungen steigt mit einer schlechten Vitamin-D-Versorgung“, so Linseisen. Bei einer Erkrankung selbst gebe es aber keine Effekte zu beobachten.

Vitamin D nicht vorsorglich einnehmen

Vitamin D:
Zur Behandlung von Covid-19 gibt es noch keine spezielle Arznei. Auch Nahrungsergänzungsmittel können die Erkrankung mit dem Coronavirus nicht verhindern. Dennoch ist Vitamin D „derzeit in aller Munde“, sagt Jakob Linseisen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann. Gesicherte Ergebnisse gibt es allerdings nicht. Man sollte also nicht vorsorglich Vitamin D zu sich nehmen.

Sonnenlicht:
Vitamin D wird im Normalfall genügend im Körper gebildet – durch Einwirkung von Sonnenlicht im Frühjahr und im Sommer. Die DGE hat sich in einer Untersuchung mit der Rolle von Vitamin D für die Prävention verschiedener Krankheiten beschäftigt. Bestätigt sehen die Wissenschaftler unter anderem, dass eine gute Versorgung das Risiko senken kann, an Asthma zu erkranken. Schlussfolgerungen für die Prävention von Covid-19 lassen sich aus den Daten aber nicht ableiten – die Studien erfolgten vor Auftreten der Pandemie.

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