Antioxidantien beeinflussen die Hautalterung positiv, sagt Hautärztin Regina Renner. Bei Rheuma und Allergien sollten bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden. Probiotika wecken Hoffnungen.
Esslingen - Cremes und Lotionen, Tinkturen und Fluide, Peelings und Kuren: Es gibt zahllose Kosmetikprodukte, die eine schöne Haut versprechen. Kein Wunder: Gesunde und reine Haut ist für viele der Inbegriff für Schönheit. Doch auch hier gilt die Volksweisheit „Schönheit kommt von innen“ – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Denn die Ernährung kann durchaus Einfluss auf die Haut haben.
Regina Renner ist überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Hautbild gibt. Das sei unter Fachleuten im Prinzip Konsens, wenngleich es nur wenige valide Daten zu dem Thema gebe, erklärt die promovierte Hautärztin. Denn groß angelegte Studien seien schwierig: Man bräuchte eine große Anzahl Menschen, die alle genau dieselbe Standardernährung bekommen – ein sehr unrealistisches Szenario. Wegen dieser Hürde kommen die meisten Daten dazu aus dem Labor und sind nicht zwingend eins zu eins auf den Menschen übertragbar.
Großer Einfluss von Antioxidantien auf Hautalterung
Doch es gibt Bereiche, in denen man fest von einem Einfluss der Ernährung auf die Haut ausgeht. Etwa bei der Hautalterung: „Es ist zum Beispiel unbestritten, dass Antioxidantien eine große Wirkung auf die Hautalterung haben“, sagt Regina Renner. Antioxidantien sind Stoffe wie etwa die Vitamine A und E oder auch die Spurenelemente Zink und Selen, die freie Radikale abfangen und damit indirekt die Hautalterung verlangsamen können. Denn freie Radikale zerstören Fasern und greifen Zellen an. Auch der rote Farbstoff in Tomaten, das Lycopin, ist laut Renner als Radikalfänger und Zellerneuerer bekannt. Vitamin C hingegen sei essenziell für die Wundheilung und Narbenbildung, wie in vielen Laborstudien belegt worden sei. Allerdings könne eine Überdosierung wiederum nachteilig sein, deshalb sei bei Nahrungsergänzungsmitteln Vorsicht geboten.
Bei entzündlichen Krankheiten wie Rheuma, Schuppenflechte oder Neurodermitis halte man ebenfalls Verbesserungen durch die Ernährung für wahrscheinlich. „Bei Rheuma wird empfohlen, dass die Patienten Nahrungsmittel meiden, die Entzündungen fördern“, sagt Renner. So seien Fleisch und gesättigte Fettsäuren – also etwa Frittiertes – für diese Menschen eher ungünstig. Bettlägerige wiederum, die oft unter wund gelegener Haut leiden, profitierten von sehr eiweißreicher Ernährung.
Ein Glas Milch pro Tag ist die Grenze
Kontraproduktiv kann laut Renner auch der Konsum von zu viel Kuhmilch sein. Während bei Neurodermitikern oft eine Kuhmilch-Allergie vorliege, die zu Ekzemen führen könne, sei Kuhmilch auch bei Akne vielfach problematisch. Kuhmilch sei eigentlich dafür gemacht, dass die Kälber groß werden, deshalb enthalte sie Wachstumshormone und andere Wachstumsfaktoren. „Aber beim Menschen docken diese falsch an und regen die entsprechenden Zellen an, mehr Talg zu produzieren“, erklärt Renner. Diesen Effekt habe man tatsächlich nachgewiesen und er könne dazu führen, dass eine Akne schwerer verlaufe, wenn jemand viel Kuhmilch zu sich nehme. „Man sagt, dass ein Glas Milch pro Tag die Grenze für einen normalen Konsum ist“, sagt Renner.
Generell empfiehlt die Hautärztin eine vitamin- und abwechslungsreiche Mischkost mit mediterranem Flair – also viel Gemüse und Obst, viele Tomaten und eher Fisch als Fleisch. Auch Nüsse mit ihrem hohen Vitamin-E-Gehalt seien sehr gesund und gut für die Haut, ebenso Hafer oder das Gewürz Kurkuma, die antientzündlich wirken sollen. Reduzieren solle man hingegen zucker- und fettreiche Lebensmittel sowie Alkohol. Neue Ernährungstrends wie etwa vegane Ernährung oder die sogenannte Paleo-Kost (steinzeitliche Ernährung ohne Milch- und Getreideprodukte) sind laut Renner nur dann sinnvoll, wenn sie abwechslungsreich sind. „Vermeiden sollte man einseitige Ernährung, egal, ob sie zu rohkostlastig oder zu fleischlastig ist“, sagt sie.
Akne durch zu viel Fleisch?
Zu viel Fleisch etwa könne auch Akne auslösen, und ein Mangel an Nährstoffen etwa zu Haarausfall führen. Auch zu rasches Abnehmen sei nicht gut für die Haut, weil sie sich dann nicht schnell genug zurückbilden könne und Falten entstünden. Große Hoffnungen setzt Renner in die Erforschung der Wirkung von Probiotika auf die Haut. Probiotika sind Mikroorganismen wie Laktobazillen oder Bifidobakterien, die als besonders gesundheitsfördernd für den Darm gelten. „Über gesunde Darmkeime kann man eventuell die Hautgesundheit beeinflussen“, sagt die Hautärztin. Aber auch manchen Kosmetika würden schon Probiotika zugesetzt. Allerdings gebe es noch einigen Forschungsbedarf zu diesem Thema – zu dem derzeit aber tatsächlich auch viele Studien liefen.
