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Gemeinderat gibt OB Schuster Prüfauftrag - Kombination mit Planetarium steht in den Sternen.

Stuttgart - Mehrere Jahre nach dem Auftakt seiner Bemühungen und nach einer großen Durststrecke ist OB Wolfgang Schuster einem großen Ziel nahe gekommen: dem Bau eines Mitmach-Museums zum Thema Mobilität. Am Mittwoch beauftragte ihn der Gemeinderat, die Umsetzung mit der Porsche AG zu prüfen.

Für OB Wolfgang Schuster ist der Fall klar: Mit Hilfe der PorscheAG will er in Bad Cannstatt doch noch ein Erlebniszentrum zum Thema Mobilität errichten. Und wenn es nach ihm geht, wird mit dem Neubau an der Mercedesstraße neben dem alten SSB-Straßenbahndepot auch das Planetarium neu errichtet, das bisher im Mittleren Schlossgarten angesiedelt ist.

So hatten es Schuster und der Gemeinderat sich schon vor rund zwei Jahren vorgenommen - ehe die Pläne im Strudel der Finanz- und Wirtschaftskrise untergingen. Sponsoren zu verpflichten, die für die Innenausstattung des sogenannten Science-Centers aufkommen, war damals nicht möglich.

Inzwischen geht es der Wirtschaft im Allgemeinen und speziell der Porsche AG wieder besser. Zu ihr hat Schuster einen Kontakt geknüpft, der es sehr wahrscheinlich macht, dass der Automobilhersteller die Errichtung des Erlebniszentrums schultern wird. Es ist ein dicker Brocken: Die Kosten wurden vor Jahren auf 25 Millionen Euro für den Bau und zwölf Millionen für die Ausstattung geschätzt. Nur fünf Millionen sind bisher in der Finanzplanung der Stadt vorgesehen - aber nicht für das Science-Center, sondern für das Planetarium. Allein dieses dürfte zwölf Millionen Euro kosten.

Ob der frühere Plan noch mehrheitsfähig ist, das Planetarium zum Science-Center zu verlagern, steht freilich in den Sternen. Schuster hat es weiterhin vor, weil das Planetarium erstens ohnehin saniert werden muss und zweitens auf Jahre hinaus inmitten einer Großbaustelle stehen würde, falls der geplante Tiefbahnhof gebaut wird. Zudem könnten beide Einrichtungen zusammen erfolgreicher und kostengünstiger sein, meint Schuster, weil sie dieselbe Hauptzielgruppe ansprechen: die Schüler. Auf Antrag der Grünen, der SPD und der CDU wird das Planetarium-Vorhaben aber noch einmal genauer durchgerechnet. Langfristig wäre der Standort Schlossgarten für das Planetarium richtiger, meinte Roswitha Blind (SPD). Wie schwer die Probleme mit der S-21-Baustelle wiegen, müsse man noch abwägen.

Schuster zeigte sich offen für die Prüfung, machte aber auch deutlich, dass Porsche über ein Engagement auf der Grundlage des alten Konzepts nachdenkt: mit Planetarium. Eine Entscheidung möchte er im November treffen lassen, rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen. Er erwägt, dass die Stadt das Gelände von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSG) erwirbt und in Erbpacht für das Erlebniszentrum bereitstellt.

Speziell für das Mobilitätszentrum zeichnet sich erneut großer Rückhalt im Gemeinderat ab - wenngleich Michael Kienzle (Grüne) betonte, man stimme der Prüfung zu, halte sich die Entscheidung im Interesse der Stadt und der Grundstücksbesitzerin, der Stuttgarter Straßenbahnen AG, noch offen. Die Grünen, die SPD und Jürgen Zeeb von den Freien Wählern stellten auch klar, dass das Science-Center von Porsche nicht als Vehikel für eine Markenwerbung benützt werden dürfe. Diese Gefahr schloss Schuster allerdings völlig aus. Er und die Porsche-Repräsentanten hätten über eine gemeinnützige Bildungseinrichtung mit pädagogischen Zielen geredet. Porsche würde die finanzielle Verantwortung für Bau, Einrichtung und Betrieb tragen, das Zentrum dann aber wohl auf eine gemeinnützige Stiftung übertragen oder das Geld für eine gemeinnützige Einrichtung zuschießen. Schuster: "Wir wollen kein zweites Porsche-Museum. Es geht auch nicht um eine Niederlassungs-Showveranstaltung - sonst würde ich das Grundstück nicht geben wollen."

Nicht nur die Porsche AG wurde gelobt für ihr Bekenntnis zum Standort Stuttgart. Auch dem OB wurde Respekt gezollt, weil er das Science-Center unerwartet schnell wieder auf die Tagesordnung brachte - "schon jetzt ein Achtungserfolg", wie Jürgen Sauer (CDU) sagte.

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