Für die Besucher soll sich im Wonnemar trotz Insolvenz nichts ändern. Foto: Stoppel

Nach dem Fellbacher F3 gerät nun der zweite private Badbetreiber im Rems-Murr-Kreis in finanzielle Schieflage. Für die Kunden soll sich zumindest vorerst aber nichts ändern.

Backnang - Nach dem Fellbacher Erlebnisbad F3 hat es jetzt auch das Backnanger Wonnemar erwischt. Der Betreiber des Frei- und des Hallenbads in der Murrstadt, die Stuttgarter Interspa, hat Insolvenz angemeldet. Als Grund für die finanzielle Schieflage werden die Folgen der Coronakrise genannt.

Dreieinhalbmonatige Zwangspause

Die Nachricht ist offenbar selbst für die Stadt Backnang überraschend gewesen. Natürlich habe man gewusst, dass die Bäderbetreiber unter den Einschränkungen der Pandemie litten, sagt der Erste Bürgermeister Siegfried Janocha. Von März bis Juni hätten die Bäder wegen des Shutdowns eine dreieinhalbmonatige Phase gänzlich ohne Einnahmen überstehen müssen. Auch jetzt lägen die Umsätze bei höchstens 50 bis 60 Prozent. Die Stadt habe sich deshalb auch daran beteiligt, die roten Zahlen auszugleichen. „Die Probleme waren uns schon klar, aber eine Insolvenz war nicht zu erkennen.“ Es werde kolportiert, dass die Probleme der Interspa-Gruppe, die deutschlandweit sechs Familien- und Erlebnisbäder sowie ein Vier-Sterne-Hotel betreibt, auch nicht in Backnang, sondern in einem anderen kostenintensiven Projekt zu suchen seien.

Allerdings, sagt Janocha, könne man im Backnanger Fall von einer Art „Insolvenz light“ sprechen. Tatsächlich ist der Prozess laut der Interspa in einem sogenannten Eigenverwaltungsverfahren gestartet worden. Dass bedeute, dass die unternehmerische Verantwortung während des Sanierungsverfahrens weiterhin in den Händen des Unternehmens selbst verbleibe und nicht an einen Insolvenzverwalter abgegeben werde. Allerdings wird der Geschäftsführung ein gerichtlich bestellter Sachverwalter zur Seite gestellt, der – ähnlich wie ein Aufsichtsrat – das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht. Die Funktion werde der Stuttgarter Sanierungsexperte Jochen Sedlitz von der Kanzlei Menold Bezler übernehmen, teilt die Interspa-Gruppe mit.

Das Bad bleibt wie gewohnt geöffnet

Auf den Betrieb des Erlebnisbades werde das Insolvenzverfahren keine negativen Auswirkungen haben, heißt es in der Mitteilung weiter. Das Bad bleibe während des Sanierungsprozesses wie gewohnt geöffnet. Für die Besucher ergäben sich keinerlei Einschränkungen. Auch die rund 70 Mitarbeiter des Bades bleiben – zumindest vorerst – im normalen Umfang beschäftigt, ihre Löhne und Gehälter sind für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Siegfried Janocha hofft, dass eine Lösung gefunden wird, bei der man weiter mit der Betreibergesellschaft, zu der man eine „gute Partnerschaft“ pflege, zusammenarbeiten könne. Sollte die Sanierung hingegen scheitern, werde man wohl gezwungenermaßen den „Fellbacher Weg“ gehen müssen und den Betrieb der Bäder in Eigenregie organisieren.

Interimsmanagement im Fellbacher F3 in Gefahr?

Unterm Kappelberg hat das Beteiligungsunternehmen Städtische Holding Fellbach im Sommer die Organisation des Erlebnisbads F3 übernommen, weil die österreichische Betreibergesellschaft G1 aus finanziellen Gründen hingeworfen hatte. Pikantes Detail: weil der Stadt kurzfristig die nötige Expertise fehlte, hatte man das Angebot der Interspa angenommen, zumindest das Interimsmanagement zu übernehmen. Dieses Arrangement in Person von Markus Dechand, das zunächst bis zum Jahresende getroffen wurde, sei von der Backnanger Insolvenz aber nicht tangiert, versichert die Stadtsprecherin Sabine Laartz auf Nachfrage. Dieser Tage habe man vielmehr einen weiteren Schritt in Sachen kommunaler Transformation gemeistert. Die Gastronomie im Bad, die bisher von der Albstadter G1-Tochter Badkapp angerichtet wurde, sei in die Fellbach-Holding integriert worden. Wie im Bad selbst seien von dort alle Mitarbeiter übernommen worden.

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