Der Erlachsee ist eines der wenigen stehenden Gewässer auf den Fildern. Foto: /Kerstin Dannath

Der Denkendorfer Erlachsee ist seit vielen Jahren besonders geschützt. Um die Pflege der Naturoase mitten auf den Fildern kümmern sich Nabu-Leute. Dabei haben sie so manche Widersacher, wie ausgesetzte Schildkröten oder Angler.

Kerstin Dannath

Der hohe und pfeifende Ruf eines Eisvogels durchdringt die morgendliche Idylle am Denkendorfer Erlachsee – am westlichen Ufer blühen rote und weiße Seerosen, bunt schillernde Libellen zeigen stolz ihre exzellenten Flugkünste: Fast könnte man vergessen, dass A 8 und neue ICE-Trasse in wenigen Hundert Metern Entfernung verlaufen, nur ein stetiges Rauschen ist zu hören. Der Erlachsee ist eines der wenigen stehenden Gewässer auf den Fildern, er liegt an der Landesstraße L 1204 zwischen Denkendorf und Neuhausen, hat eine Fläche von rund 4,4 Hektar und ist von einem intensiven Grüngürtel umgeben.

 

Etliche Kröten am See gezählt

Betreut wird das Areal seit 2021 von den beiden Ortsgruppen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) der beiden Ostfilderner Stadtteile Ruit und Nellingen. Und die haben ganz schön viel zu tun. Neben regelmäßigen Rundgängen wurde 2023 eine umfangreiche Artenkontrolle und Amphibienkartierung durchgeführt. Obendrein kümmerten sich die Nabu-Leute um ein neues Amphibienleitsystem, um der örtlichen Erdkrötenpopulation ihre Wanderung im Frühjahr zu ihren Laichplätzen am Erlachsee zu erleichtern. Letzteres wurde als Ausgleichsmaßnahme von der Deutschen Bahn im Zuge des Neubaus der ICE-Trasse an der A 8 gezahlt.

Zwar war nicht unbekannt, dass der Erlachsee die Kröten-Kinderstube Nummer Eins auf den Fildern ist, dennoch war Jörg Illi vom Nabu Ruit von den Zahlen überrascht: „2731 Tiere haben wir im März 2023 gezählt.“ Im Anbetracht der Umstände sei das eine sehr große Population – eingeflossen sind dabei nämlich nur die Tiere, die in bestimmten Bereichen wie etwa den Wegen in Richtung Wasser unterwegs waren: „Der tatsächliche Bestand ist also um ein Vielfaches größer, denn die Kröten, die nicht auf den Wegen unterwegs waren, haben wir gar nicht mitgezählt.“

Stockenten und Teichhühner fehlen völlig

Feststellen mussten die Ehrenamtlichen dabei aber auch, dass für viele der plump wirkenden und nicht unbedingt hübsch anzusehenden Tiere auf dem angrenzenden Feldweg zugleich Zapfenstreich war: „Da fuhr nur ein Traktor die paar Hundert Meter lang und danach haben wir 42 tote Kröten gezählt“, bedauert Jörg Illi. Geplant ist nun in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, den betreffenden Feldweg im kommenden Frühjahr für ein paar Wochen zu sperren: „Für dieses Jahr hat das leider nicht gereicht, ich hoffe, dass es 2025 klappt.“

Bei ihrer Artenbestandsaufnahme haben die Naturschützer festgestellt, dass es in Sachen Vielfalt am Erlachsee Verbesserungspotenzial gibt: Gezählt wurden lediglich zwei brütende Blesshuhnpaare, ein Pärchen Graugänse hatte sich ebenfalls am Nachwuchs versucht, war dann aber wieder verschwunden. Keine Stockenten, keine Teichhühner. „Das war relativ begrenzt“, sagt Illi. Er vermutet, dass das Dickicht am Ufer diese Tiere eher stört, schließlich vertreten sich etwa Enten und Gänse zwischendurch gerne mal auf einer Wiese ihre Schwimmhäute.

Acht große Schmuckschildkröten sind immer da

Regelmäßige Gäste am Erlachsee – ohne zu brüten – sind Eisvogel, Flussuferläufer, Gänsesäger und eine stattliche Zahl Silberreiher, die im Winter gerne auf den hohen Bäumen am Seeufer übernachten: „Bis zu 13 Tiere habe ich hier schon gezählt“, sagt Illi.

Aber auch invasive Arten hat er beobachtet – allein acht große Schmuckschildkröten sind ständige Bewohner. Dazu kommen unzählige kleinere Schildkröten – sie alle wurden von Menschen dort ausgesetzt. Diese Wasserschildkröten können sich in unseren Breiten zwar nicht fortpflanzen, gehen aber gerne auf Jagd nach Insektenlarven, kleineren Fischen und Fischbrut und sorgen so für ein Ungleichgewicht. „Die Schildkröten fischen einiges ab“, sagt Illi. Nahrung, die dann zum Beispiel dem Eisvogel fehlt.

Angeln ist dort nicht erlaubt

Probleme machen aber auch die Zweibeiner. Etliche Angler haben die Nabu-Leute dort schon ausgemacht: Angeln ist am Erlachsee verboten, manche wussten es nicht besser, andere ergriffen laut Illi mit Angel und Eimer bewaffnet die Flucht quer durchs Gebüsch. Obendrein stören viele vermeintliche Naturliebhaber, etwa Fotografen, die mitten durchs Naturschutzgebiet pflügen, die Tiere. Der Rundgang verläuft aber nur an der westlichen Seeseite direkt am Ufer entlang. „Nur etwa ein Drittel des Ufers ist direkt begehbar“, betont Illi. Bald soll es eine bessere Beschilderung geben, damit dies klar wird.

Als nächste größere Maßnahme steht im Herbst die Freilegung von mehreren kleineren Teichen im südlichen Bereich an – dort laichen diverse Amphibienarten gerne ab, die kleinen Tümpel sind aber mittlerweile ziemlich verschlammt. Im Zuge dieser Maßnahmen, liebäugelt der Nabu damit, einige der dichten Gehölze zu entfernen, um so kleine Wiesenstücke, auf denen sich Ente und Co. wohlfühlen könnten, zu schaffen. Gezahlt wird die Maßnahme von der im Landratsamt angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, lobt Illi.