Eine Tram, also eine Straßenbahn, mitten in Zürich. Die Stadt setzt stark auf die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und das Zurückdrängen des Autoverkehrs. Foto: Schunder

Ein Besuch am Fluss Limmat zeigt, dass Konsequenz in der Verkehrspolitik und Kreativität in der Wohnungspolitik einer Stadt gut tun. Und mehr Bürgerentscheide könnten auch in Stuttgart hilfreich sein, kommentiert Josef Schunder.

Stuttgart - Was für ein Gegensatz. Eben noch erlebt man im Zentrum von Zürich vergleichsweise entspannte Verkehrsverhältnisse. Kaum wieder in Stuttgart, wird man an der Planie Auge- und Ohrenzeuge von geltungsbedürftigen Autofahrern und röhrenden Motoren. Solche feinen Unterschiede haben Mitglieder einer Stuttgarter Delegation nun bei einer Exkursion erfahren. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Konsequenz die kleine Weltmetropole der Schweiz sich der Förderung von Bussen und Bahnen verschrieben hat.

Volksentscheide geben die Marschrichtung vor

Und auch bei der Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus und bei der Umsetzung von vielfältigen, auch bezahlbaren Wohnformen liegt Zürich deutlich vor Stuttgart. Insofern haben Stuttgarts Stadträte aus dem öko-sozialen Lager in Zürich deutlich mehr positive Aha-Erlebnisse bekommen als ihre bürgerlich-konservativen Kollegen. Kontroversen um den Erhalt oder den Abbau von Parkplätzen gab es auch an der Limmat. Jedoch fand man dort die Kraft zu einem „historischen Parkplatzkompromiss“. Zudem gibt es in Zürich viermal pro Jahr Volksentscheide, die für einige Zeit die Marschrichtung vorgeben. Gewiss: In Deutschland gibt es direkte Demokratie praktisch nicht. Bürgerentscheide sind aber nicht ausgeschlossen.

Die Erfahrungen in Zürich sollten den Entscheidungsträgern in Stuttgart denn auch durchaus Anlass sein, Bürgerentscheide über wichtige Fragen der Stadt zu ermöglichen, wo immer es geht. Dann gäbe es vielleicht nicht alle paar Jahre das Bangen, ob die nächste Wahl eine neue Ratsmehrheit für etwas mehr oder weniger Autostadt bringen könnte.

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