Vor einer Woche haben in Schönaich Autos und ein Haus gebrannt. Ein Tatverdächtiger sitzt in Haft. Vor Ort sind die Spuren der Feuernacht noch deutlich zu sehen. Inzwischen ist klar, dass die meisten Bewohner nicht ordentlich gemeldet waren – was nun zusätzlich die Polizei beschäftigt.
In der Robert-Bosch-Straße erinnert noch vieles an den Brand, als in der Nacht auf Mittwoch vor einer Woche drei Autos in Flammen aufgingen. Der Gehweg und die Pflastersteine des Parkplatzes sind immer noch schwarz vom Ruß, die ausgebrannten Pkw stehen nach wie vor an Ort und Stelle. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. An dem Gebäude im Schönaicher Industriegebiet ersetzen einige Spanplatten zerstörte Fenster. Die einst helle Fassade ist jetzt dunkel gefärbt.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr retteten in jener Nacht 27 Personen aus dem Gebäude – zumeist Arbeiter, die sich dort Wohnungen teilten. Melanie Hagen, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts in Schönaich, spricht von „Glück im Unglück“ – denn alle Personen seien unverletzt geblieben. Bei zwei von ihnen habe sich der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung nicht bestätigt.
Es ist keine Überraschung: Der Gebäudeteil, der von dem Brand betroffen war, sei „im Augenblick nicht bewohnbar“, informiert einer der Miteigentümer der Immobilie auf Nachfrage unserer Zeitung, „innen sieht es übel aus.“ Der Großteil der Bewohner sei zunächst in einer gegenüber gelegenen Notunterkunft untergebracht worden, berichtet Melanie Hagen. Ein anderer Teil der Betroffenen ist allerdings weiter vor Ort untergebracht, im nicht beschädigten Bereich des Hauses.
Ein älteres Ehepaar wiederum, das dort wohl seit 30 Jahren lebte, übernachtete direkt nach dem Brand im Hotel Pfefferburg. Derzeit stelle Schönaich eine gemeindeeigene Notunterkunft als Wohnung für die beiden bereit, erklärt Melanie Hagen.
Wohnungen an Arbeiter vermietet
Durch das Feuer und die Ermittlungen der Polizei stellte sich heraus, dass neben dem Ehepaar nur drei der 27 geretteten Personen ordnungsgemäß gemeldet sind. „Da wird jetzt weiter ermittelt“, erklärt eine Polizeisprecherin. Auch Melanie Hagen vom Ordnungsamt spricht von Nachforschungen – und einem sehr schwierigen Fall, der sich in der Robert-Bosch-Straße darstellt.
Einer der Eigentümer gibt am Telefon Auskunft, will seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Mit dem Ehepaar gebe es einen direkten Mietvertrag. Zudem sei das Erdgeschoss an die DB Bahnbau Gruppe vermietet, die die Räume nun nicht mehr nutzen kann und in ein nahe gelegenes Gebäude ausgewichen ist. Zudem hätten die Eigentümer einige Wohnungen an einen Untervermieter vermietet, der wiederum die Räume an Arbeiter vergebe, die aus ganz Europa kämen und nur wenige Wochen hier seien. Von diesen Mietverhältnissen wisse er im Einzelnen nichts.
Gleichwohl soll an dem Mehrparteienhaus in wenigen Monaten möglichst nichts mehr an die Schreckensnacht erinnern. „Das Gebäude wird repariert und der alte Zustand wird wieder hergestellt“, sagt der Miteigentümer der Immobilie. Nach der Einschätzung der Versicherung rechnet er damit, dass die Räume im Oktober oder November wieder bezogen werden können.
Das scheint beim jetzigen Zustand kaum vorstellbar. Zu groß sind die Schäden, die der Brand in der Nacht auf den 7. August angerichtet hat. Drei Autos brannten vollständig aus, ein weiteres wurde beschädigt. Das Feuer griff auch auf das Haus über. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, den Brand in den Griff zu bekommen.
Tatverdächtiger äußert sich nicht
Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Ludwigsburg am Dienstag mitteilten, befindet sich ein 32-jähriger Tatverdächtiger in Haft. Er stehe im dringenden Verdacht, eines der Fahrzeuge in Brand gesetzt zu haben. Es soll sich dabei um einen Mercedes Citan handeln. Der Mann wird verdächtigt, dasselbe schon am 12. Juli an dem Auto versucht zu haben. Zudem steht er im Verdacht, im Januar 2023 einen Opel in Schönaich in Brand gesetzt zu haben.
Nach einem Zeugenhinweis hatte die Kriminalpolizei den 32-Jährigen bereits am Donnerstag – also einen Tag nach dem Brand – festnehmen können. Am Tag darauf wurde dann Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen und vollzogen.
Wie die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt, äußert sich der 32-jährige Tatverdächtige bislang nicht zu einem möglichen Motiv.