Das Kaufhaus Tietz an der Königstraße 27 (heute ist hier Primark) im Jahr 1932 im weihnachtlichen Glanz. Foto: Sammlung Wibke Wieczorek

„Stuttgart muss mehr leuchten“, hat der künftige OB Frank Nopper (CDU) im Wahlkampf gesagt. Schon früher hat die Stadt glanzvoll geleuchtet. Unser Stuttgart-Album blickt zurück auf weihnachtliche Lichtblicke der Vergangenheit.

Stuttgart - „Das Licht kam in die Finsternis“ – so heißt es im Weihnachtsevangelium des Johannes. Im Advent erhellt eine wahre Lichterflut die dunkle Jahreszeit. Zum dritten Mal bringen gerade Stuttgart Marketing und die in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft ihre „Glanzlichter“ zum weihnachtlichen Leuchten. So nennt sich, was mit Lichtskulpturen auf dem Schlossplatz und mit der Baumillumination auf der Königstraße die Passanten erfreuen und gerade in schwieriger Corona-Zeit in eine Feststimmung versetzen soll.

„Stuttgart muss mehr leuchten“, hat der künftige Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) im Wahlkampf gesagt. Stuttgart hat auch schon früher geleuchtet, wie Fotos zeigen, die wir von Leserinnen und Leser bekommen haben. Zu sehen ist unter anderem das 1905 eröffnete und im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Warenhaus Tietz. Diese Weihnachtskarte ist 1932 verschickt worden. Auf der Fassade ist „Weihnachtsausstellung“ zu lesen.

Vom jüdischen Kaufhaus Tietz bis zu Primark

Von 1937 an, nach der Enteignung der jüdischen Kaufmannsfamilie Tietz, und in den Jahren nach dem Wiederaufbau, hieß das Kaufhaus Union. 1966 wurde aus Union Hertie und von 1994 an, nach der Hertie-Übernahme, firmierte das Warenhaus bis 2015 unter dem Namen Karstadt. Heute ist die irische Billigmodekette Primark Hauptmieter des Hauses in der Königstraße 27.

Die Nacht hat keine Chance, ihre Schwärze auszubreiten. Ein weiteres Foto mit Weihnachtslichern sticht vor Blendkraft in den Augen. So viele Lichterketten sind über die vorweihnachtliche Marienstraße der 1970er Jahre gezogen, als stecke ein eigenes Kraftwerk dahinter.

„Wie heimelig das aussah“

Wir befinden uns im Jahr 1978. Große Teile der Stadt, die heute allein den Fußgängern gehören, durften damals von Autos befahren werden. Wilfried Weber hat diese großartige Aufnahme vor fast vier Jahrzehnten gemacht - als noch Autos auf der Marienstraße gefahren sind.

Lichtblicke vergangener Zeiten: Auf einem weiteren Foto unserer kleinen Weihnachtslichterserie ist hinter den beleuchteten Fassaden von Geschäftshäusern der Turm des Alten Rathauses zu sehen. Aus damaliger Sicht war es das Neue Rathaus, das 1905 erbaut worden ist. Das wirklich alte Rathaus war nämlich jenes aus dem Mittelalter.

Diese Weihnachtsgrußkarte hier ist vor 1942 entstanden. Im Zweiten Weltkrieg erlitt nur der 68 Meter hohe Turm so gut wie keine Einschläge. Längst ist er mit der neuen Fassade verschalt worden. Gisela Salzer-Bothe hat sich über diese Aufnahme im Facebook-Forum unseres Geschichtsprojekts Stuttgart-Album gefreut und schreibt: „Wie heimelig das aussah. Mit Wehmut denke ich daran, so hat es mir meine Mutter als ,Schulsträsslerin’ immer erzählt. Man hat sich die Nase plattgedrückt an den weihnachtlichen Auslagen. Und - damals sahen die Wünsche noch etwas anders aus.“

Woher stammt die Tradition der Weihnachtsbeleuchtung?

Oh Tannenbaum, wie hell sind deine Lichter! Die Autos, die vor dem Hauptbahnhof stehen, verraten das hohe Alter der Aufnahme, die der Fotograf Zenz Engel im Advent des Jahres 1966 gemacht hat. Von der Statur und seiner Beleuchtung könnte der Weihnachtsbaum auch von heute stammen. Auf der Straße sieht man Schienen – damals fuhr die Straßenbahn oben. Heute befindet sich, aber auch schon seit über 40 Jahren, die Klett-Passage darunter.

Woher stammt die Tradition der Weihnachtsbeleuchtung? Wer es wissen will, muss weit in die Vergangenheit zurückschauen: Im 17. Jahrhundert haben die Menschen den Tannenbaum geschmückt und Kerzen auf den Baum gesteckt. Die Idee stammt aus der christlichen Tradition, eine brennende Kerze in das Fenster zu stellen, um Besuch zu signalisieren, willkommen zu sein.

Erinnerungen leuchten!

Manche übertreiben es ein bisschen - aber bitte, jeder soll die Lichter so einsetzen wie es seiner Seele gut tut. Grell, hell und amerikanisch, dies scheint zuweilen die Devise zu sein. Im Weihnachtsevangelium des Johannes heißt es: „Das Licht kam in die Finsternis.“ Das Licht weckt die Lebensgeister der Menschen und hellt das Gemüt auf. Das Düstere, das in dieser Jahreszeit den Tag oftmals bestimmt, soll vertrieben werden. Das Licht steht für das Leben.

Erinnerungen leuchten. Wer Erinnerungen verschenken will, kann ein Abo unseres Newsletters „StZ Damals“ bestellen - man bekommt es sogar kostenlos unter:stzlinx.de/stzdamals.

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletzt „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“.

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