Erika Salzmann-Kern wäre am 2. Oktober 100 Jahre alt geworden. Die Esslingerin war nicht nur eine erfolgreiche Leistungssportlerin, sondern auch eine Sportmäzenin. Ihre Hingabe an den Sport lebt in ihrer gleichnamigen Stiftung weiter.
Der Name Erika Salzmann-Kern war in Esslingen lange Zeit eng verknüpft mit dem sportlichen Leben in Esslingen, und zwar auf mehreren Ebenen: Sie war zum einen Inhaberin des bekannten und langjährigen Sportgeschäfts Kern in der Ritterstraße. Sie selbst war als Sportlerin in mehreren Disziplinen aktiv. Und schließlich fördert posthum die Erika-Salzmann-Kern-Stiftung den Breitensport in Esslingen und im Landkreis. Am 2. Oktober wäre Erika Salzmann-Kern 100 Jahre alt geworden.
Ein genauer Blick auf den Menschen Erika Salzmann-Kern zeigt eine facettenreiche und schillernde Persönlichkeit. Sie wurde im Jahr 1923 als Erika Salzmann geboren. Ihre Mutter Emma Salzmann und deren Bruder Otto Kern leiteten damals bereits das Sportgeschäft Kern in der Ritterstraße 3, das frühere Gasthaus zum Löwen. Hervorgegangen ist das Sporthaus aus einer Schuhmacherwerkstatt, die 1866 in der Küferstraße gegründet wurde. Das traditionelle Schuhmacherhandwerk erfuhr erste Wendungen, als 1902 ein Sporthaus an das Schuhhaus angeschlossen wurde. 1905 erhielt der damalige Besitzer Jakob Kern als Schuhfabrikant die Verdienstmedaille des Friedrichsordens durch den württembergischen König.
Aufgewachsen in einem sportbegeisterten Milieu
Otto Kern war nicht nur als Geschäftsmann, sondern auch in der Esslinger Sportlandschaft aktiv. Der begeisterte Bergsteiger und Skifahrer gründete den Schneeschuhverein Esslingen und errichtete die Wolfbühl-Skihütte auf dem Boßler auf der schwäbischen Alb, die lange Zeit der Zielort Esslinger Skifahrer war. Ein anderer der Vorfahren von Salzmann-Kern, Valentin Salzmann, gründete den Schwäbischen Albverein. Erika Salzmann-Kerns Vater, ein Ingenieur und Erfinder, entwickelte auch Skibindungen, die über viele Jahre Standard in der Ausrüstung waren.
In diesem sportbegeisterten Milieu wuchs die junge Erika Salzmann auf. Sie selbst war dem Sportvirus ebenfalls verfallen. Sie fuhr Ski, spielte Tennis, war aktive Schwimmerin, konnte fechten, ging zum Bergsteigen, Drachenfliegen und zum Segeln. Sie liebte auch den Wettkampf. Bereits als Kind stand sie auf Skiern und hatte die ersten Preise eingefahren. Später war sie mehrfache württembergische Meisterin im Ski alpin und gehörte Ende der 40- und Anfang der 50er-Jahre zur Elite der württembergischen Skiläufer.
Bestzeit beim Internationalen Riesentorlauf am Zürser See
Auch international räumte sie ab: So fuhr sie 1953 Bestzeit beim Internationalen Riesentorlauf am Zürser See in Österreich. Auch als lizenzierte Skilehrerin stand sie auf der Piste. Im Tennis war sie ähnlich erfolgreich, in ihrem Verein, dem Tennisclub Esslingen, mischte sie ebenfalls bei den württembergischen Meisterschaften mit. Sie war auch eine geübte Bergsteigerin: Zahlreiche Alpengipfel hat sie bezwungen. So stand sie beispielsweise auf der rund 4500 Meter hohen Dufour-Spitze im Monte Rosa-Massiv. Sie gründete eine Tennis-, eine Drachenflug-, Ski- und Grasskischule, die sie neben ihrem Sportgeschäft betrieb.
In den 60er-Jahren, nach dem Tod ihrer Mutter, war sie alleinige Inhaberin des Sporthauses Kern. Auf Wunsch ihres kinderlosen Onkels Otto Kern hatte sie dessen Namen Kern ihrem Nachnamen angefügt.
Unter Salzmann-Kerns Leitung spielte das Sporthaus auch eine bedeutende Rolle in der Esslinger Gesellschaft: Man traf sich dort. Gut besuchte Modenschauen zeigten die aktuellen Trends auf der Skipiste, Sportler wie Rosi Mittermaier oder Luis Trenker kamen nach Esslingen und gestalteten Abende mit Vorträgen und Autogrammstunden. Im Jahr 1979 verpachtete Salzmann-Kern das Geschäft an Mayer Sport und Mayer Schuhe und widmete sich ihrem zweiten Hobby neben dem Sport, dem Reisen. Heute befindet sich in den Räumen des ehemaligen Sporthauses ein Fotogeschäft.
Seracher Schlössle in Familienbesitz
Salzmann-Kern war auch nach ihrer Zeit als Geschäftsfrau sehr präsent in Esslingen: Am Gebäude der Ritterstraße 3 ließ sie eine Bronzetafel mit den Konterfeis ihrer Vorfahren und ihr selbst anfertigen. Aufsehen erregte auch ihr Wohnort: Im Eingangsbereich des Seracher Schlössles, das sich seit Jahrzehnten im Besitz der Familie befand, ließ sie einen Granitblock aufbauen, auf dem ihr Onkel, ihre Eltern und auch sie selbst als Bronzeplastiken sitzen.
Das Thema Sport in Esslingen blieb auch nach dem aktiven Geschäftsleben ihre Herzensangelegenheit. Esslinger Vereine profitierten über Jahre von ihren Spenden für große und kleine Projekte. Bei Mitgliederversammlungen und Vereinsfesten war sie ein gern gesehener Gast. Sie selbst genoss den Kontakt zu sporttreibenden Menschen auch nach ihrer aktiven Zeit.
Geschichte der Stiftung
Stiftung
Lange vor ihrem Tod hatte Erika Salzmann-Kern, die kinderlos war, die Gründung der Erika-Salzmann-Kern-Stiftung (ESK-Stiftung) über ihren Steuerberater und Testamentsverwalter Horst Lang verfügt. Dieser war auch erster Vorstand der Stiftung. Daneben gab es zwei weitere Vorstände, Ulrich Fehrlen und Heinz Schröpel. Nach dem Tod von Lang trat Andreas Mundle als Vorstand ein. Der Sitz der Stiftung befindet sich seit 2020 am Stammhaus der Familie Salzmann-Kern in der Ritterstraße 3 im oberen Stockwerk. Dort lagern auch Akten, Fotos, Briefe und persönliche Erinnerungsstücke aus dem Leben von Erika Salzmann-Kern. „Sie hat ihr Leben dem Sport gewidmet. Uns in der Stiftung geht es ausschließlich um ihr Vermächtnis und ihre Liebe zum Sport“, sagt Mundle, der heute gemeinsam mit Ulrich Fehrlen und Heinz Schröpel die Geschäfte der Stiftung führt.
Ziele
Neben der Förderung des Breitensports in den Esslinger Vereinen und im Landkreis beschäftigt sich die Stiftung auch mit den Liegenschaften der Familie Salzmann-Kern, darunter das Schlössle in Serach. Es gebe Ideen für kulturelle Nutzungen des Gebäudes, sagt Andreas Mundle.
Weitere Infos zur Stiftung
findet man unter www.ESK-stiftung.de.