Erich Brodbeck ist tot Immer neue Ideen für die geliebte Stadt

Von Uwe Bogen 

Er hat die Stadt mitgeprägt und bereichert: Erich Brodbeck, seit 1974 Präsident der  Prominentenkicker, ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Stuttgart - Er hat die Stadt mitgeprägt und bereichert: Erich Brodbeck, seit 1974 Präsident der  Prominentenkicker, ist im Alter von 91 Jahren gestorben.  Der Erfinder des Stuttgarter Weindorfs war ein begeisterter Stuttgarter  mit großer Lebensfreude und immer neuen  Ideen.

 

Ein Gruß vom Himmel? Kurz nach seinem Tod ist in unserer Redaktion ein dreiseitiges Fax angekommen – handschriftlich unterschrieben von „Erich Brodbeck“. Als er spürte, dass es zu Ende ging, hatte „Häuptling kesse Lippe“, wie man ihn nannte, auf der Schreibmaschine Stationen seines ereignisreichen Lebens zusammengetragen als „Text für die Medien“. Der Impresario Michael Russ, der Vize-Präsident der Stuttgarter Prominentenkicker (Proki), besuchte den „Erich“, wie ihn alle beim Vornamen nannten, vor wenigen Tagen in dessen Wohnung im Asemwald und versprach ihm, die Notizen an die Redaktionen zu faxen – nur noch das Todesdatum musste eingefügt werden. Es sollte der 6. Mai 2013 werden.

Bereits am Montagabend ist ein großer Stuttgarter, der viel bewegt und am liebsten alles positiv gesehen hat, an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Ohne ihn würde es vermutlich kein Weindorf, kein Höfleswetz-Turnier, keine CMT, kein Supercross in der Schleyerhalle und keinen Tennis-Grand-Prix in Stuttgart geben. An dem früheren Sportjournalisten, SWR-Mitarbeiter und ADAC-Sprecher Brodbeck schätzte Michael Russ besonders dessen „Kreativität, sein Vorausdenken, die Entwicklung spannender Ideen und Visionen, seine Begeisterungsfähigkeit.“ Im vergangenen Herbst war „der Erich“ noch als Redner unterwegs und hatte seine Erinnerungen in Buchform vorgestellt.

Brodbeck hatte "ein Herz für alle Bürger"

Wie immer wollte er das Positive sehen und klagte nicht über seinen schlechten Gesundheitszustand. Obwohl er dreimal die Woche zur Dialyse musste, ging er zweimal die Woche mit eiserner Disziplin ins Büro der Prominentenkicker bei der Dekra und hämmerte seine „Grünen Blätter“ in die Schreibmaschine – die Informationen rund ums Stadtgeschehen. Die soll es auch künftig geben, sagt Russ. Brodbeck hatte „ein Herz für alle Bürger“Anfang des Jahres ließ Brodbecks Kraft immer mehr nach. Der Proki-Chef wollte die Ernennung der Neckar-Nixe auf dem gerade laufenden Frühlingsfest unbedingt noch selbst vornehmen und litt sehr darunter, dass er dazu nicht mehr in der Lage war.

In seinem kurz vor dem Tod verfassten „Text für die Medien“ hat Erich Brodbeck die vielen Veranstaltungen aufgeführt, die er für Stuttgart erfunden hat. Er habe nicht nur Prominente verehrt, zu denen er gute Kontakte hatte, sondern auch ein „Herz für alle Bürger“ gehabt, schreibt er und erinnert an eine spektakuläre Wette von 1993. Er werde über 1000 Frauen am letzten Tag der Internationalen Gartenausstellung auf den Killesberg locken, versprach er. Exakt 1187 folgten dem damaligen Junggesellen im Gänsemarsch.

Zuletzt lebte der Vater von zwei Kindern und Großvater von zwei Enkelkindern mit seiner jungen Frau Biserka, genannt Bibi, im Asemwald. In seinem Erinnerungsbuch beschreibt er, wie er mit seiner Frau zum Empfang der Stadt aus Anlass seines 90. Geburtstags von einer siebeneinhalb Meter langen weißen Lincoln-Limousine abgeholt wurde. Der Chauffeur fuhr die beiden an Brodbecks Geburtsort in Untertürkheim und zu wichtigsten Stätten seines Berufslebens, etwa zur Mercedes-Benz-Arena. „Ich habe nie im Leben daran geglaubt, 90 Jahre zu werden“, ist in dem Buch zu lesen.

Im Zweiten Weltkrieg sei er dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen und habe in der Lebensmitte einen Herzinfarkt nur durch Glück überlebt, den er beim Samstagsdienst beim SDR im Funkhaus erlitt. „Von einem Gefühl der Dankbarkeit“ sprach er zuletzt gegenüber unserer Zeitung. „Ich wundere mich selbst, was ich in meinem Leben alles machen durfte“, sagte er. Brodbeck hat den großen Wandertag mit den Stuttgarter Nachrichten rund um die Solitude organisiert, der Stadt zur Rückkehr des Faschingsumzugs verholfen, den „Tanz für Stuttgart über 60“ erfunden, um weitere Beispiele zu nennen. Auf den Archivbildern sieht man, wie der „Erich“ gestrahlt hat. Da war so viel Lebensfreude. Jetzt ist ein erfülltes Leben zu Ende gegangen. Die Trauerfeier zur Urnenbestattung findet am 17. Mai um 10 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

 

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