Eric Gauthier sieht seine Tanzkompanie im Theaterhaus nicht in Gefahr. Foto: dpa

Entschlossen zeigt sich Eric Gauthier, mit seiner Tanzkompanie im finanziell angeschlagenen Theaterhaus auf hohem Niveau weiterzumachen. Die Lage sei „nicht so dramatisch“, wie von manchen vermutet, sagte er unserer Zeitung.

Stuttgart - Als „surreal“ empfindet Eric Gauthier, der künstlerische Leiter von Gauthier Dance, die öffentliche Diskussion, die nach einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung über Zahlungsschwierigkeiten des Theaterhausesentstanden ist. Kurz vor der Premiere seiner neuen Produktion „Deuces“ an diesem Samstag, an dem acht weltweit renommierte Choreografen acht Uraufführungen für und mit Gauthier Dance präsentieren, sagte er: „Es gibt keinen Grund, uns zu kondolieren. Wir haben allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen.“

Zu der Sorge vieler Tanzfans, mit der kulturellen Einrichtung auf dem Pragsattel sei auch seine international gefeierte Kompanie in Gefahr, erklärte Eric Gauthier: „Gerade in den vergangenen Probentagen ist mal wieder klar geworden, welche tolle Arbeit hier geleistet wird und was für ein außerordentliches Ensemble wir aufgebaut haben.“ Dem 42-jährigen Ballettchef ist es wichtig, eines klarzumachen: „Wir alle sind fest entschlossen, auf diesem Level weiterzumachen.“

Tanz in dieser Qualität hat seinen Preis“

Wenn zur Premiere am heutigen Samstagabend OB Fritz Kuhn (Grüne), etliche Entscheidungsträger, Sponsoren sowie Stadtpromis im Theaterhaus erwartet werden, will er den Beweis dafür liefern, wie wichtig die Arbeit seines Ensembles für Stuttgart und weit darüber hinaus ist. „Tanz ist eine hohe Kunst“, erklärte Eric Gauthier. Tanz in der Qualität, wie Gauthier Dance sie bietet, habe „zweifellos seinen Preis“. Ohne Sponsoren und öffentliche Förderung sei dies nicht möglich.

Einsparungen sind im Ensemble nur schwer möglich. Tänzerinnen und Tänzer verdienen nicht viel. „Das reicht kaum, um eine Familie zu gründen“, sagte Maurus Gauthier, der nicht mit dem Chef verwandte First Artist der Kompanie. Eric Gauthier wird nun erneut für Sponsoren werben. „Ein Bedürfnis“ ist es ihm, sich nun öffentlich bei denen zu bedanken, die seit Jahren Gauthier Dance unterstützten und dafür gesorgt hätten, „dass wir die werden konnten, die wir heute sind – eine der international bekanntesten Tanzkompanien Deutschlands“. Gerade der ElringKlinger AG, die als Sponsor abgesprungen ist, sei er zu großem Dank verpflichtet. „Dieses Unternehmen hat uns in den vergangenen Spielzeiten als ganz wundervoller, kulturbegeisterter Partner verlässlich begleitet“, sagte er, „dafür möchte ich speziell dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Wolf ganz herzlich danken.“

Nicht zum ersten Mal hat das Theaterhaus finanzielle Probleme

Wie berichtet, fehlen dem Theaterhausverein 600 000 Euro. Unerwartete Einbußen bei den Sponsoren in Höhe von etwa 300 000 Euro seien dazu gekommen. Zu der Kritik, angesichts der finanziellen Probleme hätte man für die neue Produktion „Deuces“ nicht mit dem Ensemble um die Welt reisen müssen, verweist Gauthier darauf, dass die Reisen im Januar begonnen hätten, aber erst im Februar Sponsorengelder weggefallen seien. Die Vorbereitungen für die Zusammenarbeit mit acht weltberühmten Choreografen gingen bereits auf den vergangenen Sommer zurück.

Finanzielle Probleme sind für das Theaterhaus nicht neu. Schon am alten Standort an der Ulmer Straße hatte der Verein einen Brandbrief verschicken müssen, weil damals 400 000 D-Mark fehlten. Danach ging es über Jahre mit großem Erfolg weiter.

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