Eric Gauthier präsentiert in Schönberg den „Spätzle-Song“. Foto: Jacqueline Fritsch

Der Tänzer und Sänger Eric Gauthier war zu Gast in Stuttgart-Schönberg. Er hat über den Tanz, sein Leben und über Käsespätzle gesprochen. Außerdem wurde getanzt.

Degerloch/Schönberg - Nach dem Soundcheck bringt er noch schnell die Kinder ins Bett und ist pünktlich zum Auftritt wieder zurück – Eric Gauthier schafft den Spagat zwischen liebendem Familienvater und lässigem Bühnenmensch; und das stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Mit der Presse macht er erst einmal ein Foto, bevor überhaupt die erste Frage kommt. „A little interview“, sagt der gebürtige Kanadier und grinst in die Kamera. Und bitte nicht „Herr Gauthier“ sagen – er ist Eric.

Tänzer, Choreograf, Musiker, Ehemann, dreifacher Vater: Eric Gauthier ist ein Multitalent und scheint zwischen seinen vielen Aufgaben ganz locker die Balance zu halten. Sein Geheimnis: „Ich mache nur, worauf ich Bock habe.“ So gelingt es ihm bei allem, was er tut, Energie und Leidenschaft zu transportieren. „Nur wenn du Begeisterung auf die Bühne bringst, machen die Leute mit“, sagt er. Und wo Eric Gauthier ist, machen die Menschen scharenweise mit. „Wenn 1000 Leute im Saal sind, ist es immer fast wie bei einem Rockkonzert“, sagt der 41-Jährige.

Aus zwei Jahren Deutschland wurden 22

Unter Tänzern ist Eric Gauthier ja auch so etwas wie ein Rockstar. 1996 kommt er aus dem kanadischen Montreal zum Stuttgarter Ballett, wo er etwa zehn Jahre bleibt. Stuttgart – und Degerloch, wo er seit drei Jahren lebt – werden zu seiner zweiten Heimat, obwohl der Plan am Anfang ein anderer war: „Ich habe meiner Familie gesagt, ich gehe für zwei Jahre weg und alle haben geweint“, erzählt Eric, „jetzt sind es schon 22 Jahre.“ Nach seiner Zeit beim Ballett gründet er am Theaterhaus das Tanzensemble Gauthier Dance und ruft das Tanzfestival Colours ins Leben. Beides ist international bekannt und beliebt. Gauthier Dance bringt Tanztheater auf die Bühne, das unterhält und gute Laune verbreitet – ganz nach dem Vorbild seines Erfinders. „Ich bin schon extrem positiv“, sagt Eric, „warum auch nicht? Ich bin gesund und jung und darf machen, was ich liebe.“

„Ich liebe meine Käsespätzle“

Diese Einstellung kommt bei den Menschen an: Zu seinem Auftritt in Schönberg sind gut 100 Zuschauer gekommen. Sogar Yogamatten und Bänke aus der Kirche werden geholt – trotzdem bekommen einige nur noch einen Stehplatz. „Er hat einfach Ausstrahlung“, sagt eine Zuschauerin. Eine andere Frau meint: „Er ist eine Person, die Stuttgart mitprägt.“ Auch bei Männern scheint Eric Gauthier gut anzukommen: „So wie der aussieht, könnte er den nächsten Bachelor spielen“, sagt ein Zuschauer.

Auf dem sogenannten Schönbergbänkle spricht Eric an diesem Abend über seinen Weg nach Deutschland, Gauthier Dance und die Entstehung des „Spätzle-Songs“. „Es sollte ein Lied über meine zweite Heimat werden“, sagt er und performt den Song natürlich gleich an Ort und Stelle. „Ich liebe meine Käsespätzle“, heißt es darin. Er verrät: „Als junger Tänzer kann man essen, was man will, aber heute gibt es Käsespätzle nur noch einmal im Monat.“

Nächstes Ziel: Merkel muss tanzen

Wenn Eric in dem kleinen Raum in seinem Karohemd, der lässigen Jeans und denn knallroten Socken spielt, als wäre er in einer riesigen Halle, spürt man hautnah diese Leidenschaft, die ihm viele zusprechen. Er weiß, wie man eine Bühne einnimmt. Und wenn schon ein Tänzer zu Gast ist, darf eine Tanzeinlage nicht fehlen – natürlich müssen alle Zuschauer mitmachen.

Eric Gauthier ist mehr als zufrieden mit dem, was er bisher erreicht hat. „Gauthier Dance läuft richtig gut, wenn das so weiter geht, wäre es schön“, sagt er. Sein nächstes Ziel hat er aber schon im Blick: Nachdem er nun die Schönberger zum Tanzen gebracht hat, möchte er das auch mit der Bundeskanzlerin schaffen.

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