„Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt“, sagt Eric Burdon. Foto: promo

Eric Burdon wurde früher mal für einen Sympathisanten der RAF gehalten. Und in Stuttgart-Stammheim inhaftiert. Heute ist der Rockmusiker dankbar dafür, dass er es geschafft hat, trotz zahlreicher Drogenexzesse 72 Jahre alt zu werden, singt Hymnen auf sauberes Wasser und geht auf Tournee.

Eric Burdon wurde früher mal für einen Sympathisanten der RAF gehalten. Heute ist der Rockmusiker dankbar dafür, dass er es geschafft hat, trotz zahlreicher Drogenexzesse 72 Jahre alt zu werden, singt Hymnen auf sauberes Wasser und geht auf Tournee.
Stuttgart - Mr. Burdon, wollen wir das Interview auf Deutsch führen?
Lieber nicht. Mein Deutsch ist miserabel. „Guten Tag! Ein Bier bitte! Auf Wiedersehen!“ Das wäre fast alles – und noch ein paar Schimpfwörter mit „A“, die ich lieber nicht zitiere.
Aber Sie haben doch viel Zeit in Deutschland verbracht?
Das stimmt, aber alle haben ja Englisch mit mir gesprochen – oder haben es zumindest versucht.
Auch die Richter damals in Stammheim?
Das ist ein ganz dunkles Kapitel, an das ich gar nicht gerne zurückdenke.
Dennoch: Was ist denn damals eigentlich geschehen?
Es war die Zeit der Terroristen der Roten-Armee-Fraktion RAF. Damals, Ende der 1970er Jahre, wurde ich plötzlich während einer Tour verhaftet und in Stuttgart-Stammheim eingesperrt. Zuerst hieß es, ich sei ein Sympathisant der RAF. Und ich verstand die Welt nicht. RAF bedeutet in England Royal Air Force, also unsere Luftwaffe. Bis mir klar war, dass ich als Terrorist verdächtigt werde, dauerte es einige Zeit. Der Richter wollte sich mit meinem prominenten Namen wohl profilieren und ließ mich hinter Gitter bringen. Das war ein echter Nazityp.
Aber irgendeinen Grund muss es doch gegeben haben für Ihre Verhaftung?
Wahrscheinlich bin ich wohl unwissentlich während der Dreharbeiten zu meinem Film „Comeback“ in München in der Künstlerszene mit Sympathisanten für die RAF in Verbindung gekommen. Heute weiß ich, dass der deutsche Staat damals extreme Gesetze hatte, um den Terror oder alles, was nur den Anschein danach hatte, radikal auszumerzen. Weil ich mich im linken Umfeld ­jener Filmemacher aufhielt, wurde ich so wohl automatisch zum Staatsfeind, so ein Quatsch. Der Gerichtsprozess war lächerlich, und ich wurde letztlich wegen Einnahme von Kokain angeklagt. Am Ende hatten sie gar nichts gegen mich in der Hand. Doch die Kosten für Anwälte haben mich fast bankrott gemacht. Eine böse Zeit mit bösen Menschen, ist ja heute zum Glück nicht mehr so in Deutschland.
Zurück zur Gegenwart: Der Titel „27 Forever“ vom neuen Album ist dem legendären „Club 27“ gewidmet. Dem gehören Musiker wie Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Janis Joplin an, die alle mit 27 Jahren gestorben sind. Sie sind inzwischen trotz Drogenkonsums und heftiger Alkoholexzesse 72 Jahre alt. Was hat Sie vor einem frühen Ende mit 27 Jahren bewahrt?
Man muss immer im richtigen Moment den Absprung von einer Droge schaffen. Ich bin sicher, gemäßigtes Rauchen von Gras schadet nicht. Der kontrollierte Konsum von Drogen aber bleibt das A und O. Außerdem hatte ich stets gute Ärzte wie Keith Richards von den Rolling Stones (lacht). Zugegeben, der Sucht zu entfliehen ist nicht einfach. Besonders dann, wenn du jung bist und von den Fans vergöttert wirst, glaubst du, unsterblich zu sein. In diesem Stadium denkt niemand an den Tod. Siehe Amy Winehouse, das jüdische Mädchen aus London mit der gigantischen Stimme und dem traurigen Ende – übrigens auch mit 27 Jahren. Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, dann muss ich sagen: Ich hatte viel Glück, Gevatter Hein ein Schnippchen zu schlagen. Und dafür bin ich sehr dankbar.
Ein anderer Song aus dem neuen Album ist dem aktuellen Thema Wasser gewidmet. Eric, der Ökomann?
Das hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern mit Vernunft. Das Thema ist extrem wichtig, gerade für kommende Generationen, wenn diese weiterhin gesund leben sollen. Als ich in den 1970ern von England nach Amerika zog und in Südkalifornien lebte, war Wasser kein Thema. Es wurde eben verschwendet. Aber wie sagt schon Bob Dylan: Die Zeiten ändern sich. Immer mehr Menschen wissen um die Bedeutung von sauberem Wasser weltweit. Ich singe mein neues Lied, um noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses existenzielle Thema zu lenken. Auch diese ganzen Privatisierungsgeschichten, die gerade laufen, müssen die Menschen genau im Auge behalten. Es geht um die Zukunft unseres Planeten.
„The House of the Rising Sun“ war der einzige Nummer-1-Hit in Ihrem Leben, und dennoch haben Sie am Ende keinen einzigen Cent Tantiemen dafür bekommen. Wie konnte das passieren?
Noch so eine traurige Geschichte aus der Vergangenheit. Zunächst einmal: Eine Nummer eins bedeutet in jenen frühen Tagen des Beat eigentlich nicht viel. Meistens kaufte die Plattenfirma selbst so viele Exemplare eines Titels, damit er hoch in den Charts landete. Das war bei den Beatles nicht anders als bei den Animals. Wenn du das einmal begriffen hast, kommst du schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Und jetzt zum großen Raubzug: Ich wurde – wie später noch öfters im Leben – bei „House of the Rising Sun“ glatt über den Tisch gezogen. Meine Bandkollegen und ich wurden um die Tantiemen schlichtweg betrogen. Bis auf Alan Price, unseren Organisten. Der wusste als Finanzbeamter Bescheid, trickste uns aus und stand plötzlich als einziger Komponist auf dem Plattenlabel. Dafür kassiert er seit fast 50 Jahren die komplette Kohle, der Bastard. Aber Alan, ich vergebe dir, es ist doch letztlich nur Geld, und ich hoffe, dass es dich glücklich macht.

Eric Burdon gastiert am Samstag, 30. November, um 20 Uhr im LKA Longhorn in Stuttgart. Das Konzert ist ausverkauft.

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