Bundesweit ist nach den Krankheitsfällen über das Stuttgarter Frühlingsfest berichtet worden. Hier ein Bild von der Eröffnung. Foto: Lichtgut//Ferdinando Iannone

Wirt Karl Maier ist erleichtert, doch mit nichts anderem habe er gerechnet: Laut Lebensmittelüberwachung geht die Norovirus-Welle nicht auf Lebensmittel im Göckelesmaier-Zelt zurück. Die Ansteckung sei von Mensch zu Mensch erfolgt.

Die Zahl der Krankheitsfälle nach Besuchen auf dem Stuttgarter Frühlingsfest ist mittlerweile auf 520 gestiegen. Seit Donnerstag steht fest: An den Lebensmitteln, die bei Göckelesmaier serviert wurden, lag es nicht, dass sich die hoch ansteckenden Noroviren rasant verbreitet haben. Das Gesundheitsamt hat unzählige Proben im betroffenen Zelt von Sonntag bis Dienstag genommen und dabei keinerlei Verunreinigungen festgestellt.

 

„Wir gehen davon aus, dass die Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt ist“, sagt Stadtsprecher Sven Matis unserer Redaktion. Die städtische Pressestelle erklärt: „Die Probeergebnisse auf Noroviren sind alle negativ, sowohl bei den Tupferproben als auch bei den durch die Lebensüberwachung beprobten Lebensmitteln. Endgültige mikrobiologische Probeergebnisse folgen Ende der Woche. Gesichert ist, dass keine Übertragung der Noroviren durch die vom Gesundheitsamt beprobten Lebensmittel stattgefunden hat.“

Karl Maier, der von unserer Redaktion von diesen Ergebnissen erfahren hat, ist nicht überrascht, dass sein Unternehmen nun freigesprochen ist von der Vermutung, an den Speisen oder Getränken habe es gelegen, dass so viele Menschen Magen- und Darmerkrankungen erlitten haben. „Wir hatten alle Abläufe gewissenhaft kontrolliert“, sagt Maier, „nach den Verdachtsfällen noch mehr als zuvor.“ Dass selbst die „Tagesschau“ über die Norovirus-Erkrankungen berichtet hat und Stuttgart in den Ruf geriet, eine Superspreader-Stadt zu sein, sei zwar nicht gut für den Ruf seines Betriebs gewesen, habe sich aber auch nicht negativ auf die Umsätze ausgewirkt.

„Wir haben viel Solidarität erfahren“, freut sich Karl Maier, „es gab keine Stornierungen.“ Immer wieder heißt es, da habe jemand bewusst Göckelesmaier schaden wollen, indem er den Betrieb bei der Stadt angeschwärzt habe. Denn das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher geworden, was für Neider sorge. „Das habe ich auch gehört“, sagt er, „aber das ist reine Spekulation.“ Seit Tagen seien keine Krankheitsfälle mehr gemeldet worden. Jetzt hofft man auf dem Wasen, dass die Gäste in den nächsten Wochen unbeschwert feiern können.

Bei vielen der Betroffenen, die sich bei der Stadt mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gemeldet haben, ist inzwischen das Norovirus als Ursache nachgewiesen. Macht sich der Ausbruch bereits in den Stuttgarter Krankenhäusern bemerkbar? Das Klinikum Stuttgart hatte am Wochenende „ein leicht erhöhtes Aufkommen von Patienten mit Bauchschmerzen“ in der Notaufnahme: „Von den Patienten wissen wir vereinzelt, dass sie das Frühlingsfest besucht haben“, sagt Klinikum-Sprecherin Anette Seiffert. Alle Patienten seien nur ambulant behandelt worden. „Also weiterhin ganz normaler Betrieb in Sachen Bauchschmerzen bei uns – auch in den letzten Tagen.“ Die meisten Erkrankten bleiben daheim. Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital, gibt für sein Haus ebenfalls Entwarnung: „Norovirus-Nachweise hatten wir in letzter Zeit keine, wohl aber wenige Rotavirus-Nachweise“, sagt Orth. Der Mediziner vermutet, dass die meisten Erkrankten gar nicht ins Krankenhaus gekommen sind. Entweder weil sie sich trotz Symptomen nicht so schlecht fühlen, dass ein Arztbesuch nötig wäre. Oder das Gegenteil ist der Fall: „Die Betroffenen sind dann so krank, dass sie es gar nicht in die Notaufnahme oder Notfallpraxis schaffen.“

Anke Williams, Praxismanagerin der Notfallpraxis der Stuttgarter Ärzteschaft, die am Marienhospital angesiedelt ist, berichtet, dass sie nach den Meldungen über die Fälle vom Frühlingsfest die Ärzte im Fahrdienst alarmiert habe: „Wenn Sie zu Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden kommen, sollen sie sich bitte mit Masken schützen.“

Grundsätzlich sollten Erkrankte zuhause bleiben und sich von anderen Menschen fern halten, empfiehlt das Gesundheitsamt. Auch der Gang zum Arzt sollte unterlassen werden, sofern nicht unbedingt nötig. Wer Kontakt zu Erkrankten hat, sollte strenge Hygienemaßnahmen einhalten, etwa häufig und gründlich die Hände waschen, Flächen desinfizieren und Maske tragen. So ist es auch in den Krankenhäusern mit infizierten Patienten üblich. So gelten beispielsweise im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) ganzjährig Schutzmaßnahmen für Mitarbeitende sowie Patientinnen und Patienten, die auch Besucherinnen und Besucher schützen. „Bei ungeklärten Symptomen werden Betroffene isoliert, bis die Ursache geklärt ist. Auch die Mitarbeitenden tragen bei Kontakt mit diesen Patienten die vorgeschriebene Schutzkleidung“, erklärt Mark Dominik Alscher, Medizinischer Geschäftsführer des RBK.