Mit mehreren Monaten Verspätung liegt das Ergebnis inzwischen vor. Es sieht geringen Handlungsbedarf, was Anwohnern sauer aufstößt.
Die Firma Steel ist in Großbottwar ein wichtiger Arbeitgeber – liegt am früheren Bahnhofsgelände an der Bottwar allerdings inmitten der Stadt und ist von Anwohnern nicht zu überhören. Ihrem Ärger über das Wummern der Pressen, mit der Zubehör etwa für die Automobilindustrie hergestellt wird, machten sie in den vergangenen Jahren immer wieder mit Beschwerden Luft. Vor allem seit neue Pressen in Betrieb gingen. Selbst mit Landrat Dietmar Allgaier waren Bürger in der Sache schon in Kontakt. Nach den Beschwerden forderte das fürs Überwachen von Geräuschkulissen zuständige Landratsamt Ludwigsburg die Firma auch auf, ein Gutachten erstellen zu lassen. Mit mehrmonatiger Verspätung liegt das Ergebnis inzwischen vor.
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Es besagt vor allem eines: Die für die Umgebung geltenden Grenzwerte werden fast überall eingehalten, wenn auch teils knapp. Gemessen wurde nach Auskunft des Landratsamtes an acht Punkten rund ums Firmenareal, genauer gesagt an acht Gebäuden. An einem davon wird der zulässige Lärmpegel in der Nacht überschritten, also im Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr. Das betroffene Haus befindet sich in unmittelbarer Nähe der Halle. An den weiteren sieben Standorten werden die Richtwerte eingehalten, tags wie nachts.
Erste Maßnahmen sind umgesetzt
Das Büro, das für Steel das Gutachten erstellt hat, erarbeitete in diesem Zug auch Maßnahmen, mit denen der Richtwert eingehalten werden kann. Ein Teil davon ist laut Landratsamt bereits umgesetzt. „An dem aufgezeigten Schwachpunkt wurde umgehend gearbeitet“, sagt auch Steel-Geschäftsführer Dieter Roßbach. Lüftungsflügel seien zusätzlich abgedichtet und fest verschraubt worden. Die verantwortlichen Maschinen würden lediglich in der Tagschicht oder mit einer eingeschränkten Geschwindigkeit betrieben. Ersetzt und ergänzt worden seien außerdem die Dichtungen an Toren.
Für weitere Maßnahmen ist eine Baugenehmigung nötig, wofür die Firma mit der Behörde in Verbindung steht. „Wir achten darauf, dass der Bauantrag zeitnah eingereicht wird“, teilt Landratsamts-Sprecher Frank Wittmer mit. Derzeit werden notwendige Planunterlagen erstellt und Angebote eingeholt. Ausgetauscht werden sollen auch die Lichtbänder. „Diesbezüglich erwarten wir, bevor wir mit dem Austausch beginnen können, eine Rückmeldung vom Brandschutzsachverständigen des beauftragten Architekten“, teilt Dieter Roßbach mit.
Anwohner sind wenig begeistert
Er zeigt sich zufrieden mit dem Gutachten. „Es hatte zum Ziel, uns zu unterstützen, mögliche Schwachstellen aufzuzeigen und uns Impulse zu geben, um die Gegebenheiten, die bereits die Zielwerte erfüllen, noch weiter zu verbessern.“ Das Gutachten habe daher die Erwartungen „durchaus erfüllt“. Das Ergebnis zeige, dass sich die fortlaufenden Bemühungen um verringerte Lautstärke ausgezahlt haben.
Bei Anwohnern stößt das Ergebnis auf weit weniger Begeisterung. Gerade im Wohngebiet oberhalb der Kreuzstraße, wo die Richtwerte eingehalten werden. Hier stellt sich jetzt die Frage: Was tun? Aufgeben wollen die Betroffenen nicht. „Alle verbesserten Dichtungen bringen nichts, wenn die Tore, Fenster oder Oberlichter offenstehen“, sagt Harald Tengler. Seine Frau Britta berichtet, im Sommer oft nicht auf der Terrasse sitzen zu können. Auch Gäste fühlten sich durch den Lärm gestört und hielten sich lieber im Haus auf. Zuletzt sei die Belastung zumindest an den Wochenenden spürbar zurückgegangen.
Bürgermeister nicht übers Ergebnis informiert
Unterstützung erhoffen sich die Bürger von der Stadt, die bislang ans Landratsamt und auf das angeforderte Gutachten verwiesen hatte. „Mit dem Gemeinderat haben wir über das Thema gesprochen. Der ist natürlich auch interessiert am Ergebnis“, sagt Bürgermeister Ralf Zimmermann. Sobald dieses vorliege, so sein Vorhaben vergangenen Sommer, wolle er nächste Schritte erörtern. Allerdings: Dass das seit November der Fall ist, war ihm bis zur Anfrage unserer Zeitung am Montag nicht bekannt. Er begab sich direkt auf Ursachenforschung. Das Landratsamt teilt mit, dass der Stadt zwar nicht das gesamte Gutachten vorliege, sie aber im November über das Ergebnis informiert worden sei.
Dieter Roßbach versichert, dass sich die Nachbarschaft sicher sein kann, dass die Motivation, die Immissionsgrenzen weiter einzuhalten, groß ist. Eine gute Nachbarschaft sei ihm sehr wichtig. In Planung sei eine schallgedämmte Abluftanlage, um Tore auch tagsüber mehr geschlossen halten zu können. Fortlaufend würden Werkzeuge optimiert und neu für niedrigere Schallemissionen konstruiert – und beim Austausch von Fenstern und Toren höhere Schallschutzwerte zugrunde gelegt. Ob all dies eine Verbesserung für die Anwohner herbeiführen wird, ist abzuwarten. Größere Maßnahmen, bei denen die Chance darauf besser stehen würde, dürften hingegen sehr teuer sein.