Die Alpenvolleys haben sich viel vorgenommen. Foto: imago

Im Volleyball beginnen die Play-offs. Mit den Hypo Tirol Alpenvolleys Haching, die für ein Novum im deutschen Spitzensport sorgen. Es ist ein grenzüberschreitendes Team aus Unterhaching und Innsbruck inklusive eines Quoten-Deutschen. Wie funktioniert das?

Stuttgart - Ski und Rodel gut, heißt es in Innsbruck. Selbst jetzt noch in diesen ersten Frühlingstagen. Doch langsam aber sicher verabschiedet sich der Schnee auch aus Tirol, das sportlich aber mehr zu bieten hat als nur Wintersport: Fußball, Handball, Eishockey – alles erstklassig. „Aber die spielen allesamt gegen den Abstieg“, heißt es auf einer Geschäftsstelle in Innsbruck: „Nur wir nicht.“

Wir das sind die Hypo Tyrol Alpenvolleys Haching, die Volleyballer.

Die haben ihren Sitz und ihre Trainingshalle in Innsbruck, und die spielen gegen alles, nur nicht gegen den Abstieg. Und die wollen mal Meister werden.

Deutscher Meister.

Klingt komisch. Ist aber so. Es ist ein einmaliges Konstrukt im deutschen Sport.

In die am Wochenende beginnenden Play-offs der deutschen Bundesliga gehen sie als Tabellenzweiter. Im gerade einmal zweiten Jahr des Bestehens. Klingt wie ein Märchen. Die Erfolgsgeschichte ist eng mit einem Namen verbunden: Hannes Kronthaler. Der 53-jährige Österreicher ist Chef eines Familienbetriebs in der Baubranche. Jetzt bastelt er als Manager – und Sponsor mit seiner Firma – an einem anderen Projekt: dem Volleyball-Finale. So jedenfalls sieht es der Dreijahresplan vor, den der Verein im Grunde schon übertroffen hat. Letztes Jahr wurde die Mannschaft Dritter (statt Fünfter), jetzt ist sie Zweiter (statt Dritter), nächstes Jahr dann soll der große Wurf gelingen. Ihm fehlt nur noch ein bisschen Geld im Vergleich zu dne Vorzeigeclubs VfB Friedrichshafen und die Volleys Berlin.

Es fehlt eine halbe Million Euro

Das Budget liegt bei den Top-Teams zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro, bei den Alpenvolleys bei 1,5 Millionen. Damit sich das angleicht braucht Kronthaler noch eine halbe Million Euro an Sponsorengeldern – aus Bayern. Das Pilotprojekt fußt auf einer Art Joint Venture, der länderübergreifenden Zusammenarbeit. 2017 war der ehemalige Volleyballer Kronthaler so weit zu sagen: In Österreich ist Schluss. Die Mannschaft war zu dominant, zehnmal Meister, zuletzt vier Jahre nacheinander. „Ich konnte den Zuschauern und Sponsoren nichts Neues mehr bieten.“

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Außer einer Vision: Den Zusammenschluss mit den Unterhachingern, die sich 2014 aus der ersten Liga zurückgezogen hatten. Kronthaler ging auf den Münchner Vorstadtverein zu, musste ein wenig Überzeugungsarbeit in der Liga leisten – und bekam mit 7:3 Stimmen „grünes Licht“. DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung: „Die Zwischenbilanz fällt positiv aus, selbst bei anfangs skeptischen Vereinen wie Düren“, so das Feedback in der Liga, die die Österreicher als Bereicherung empfindet. Unterhaching beantragte die Lizenz per Wildcard, und Innsbruck stellte nicht zuletzt dank dem Hauptsponsor Hypo Tirol Bank das wirtschaftliche Fundament. Es funktioniert. „Sportlich sind wir zufrieden“, sagt Kronthaler.

Das kommt nicht völlig überraschend, schließlich ist die Mannschaft gespickt mit ausländischen Profis. Lediglich zwei Österreicher (einer davon Kronthalers Sohn) sowie ein Quoten-Deutscher (der Libero) zählen zum Kader, was immer mal wieder für Kritik sorgt. Die kontert Kronthaler gelassen: „Ich hätte auch gerne mehr einheimische Spieler, aber die gibt es nicht – wenn ich auf Topniveau spielen möchte.“ Hinter den in Europa führenden Polen, Russen und Italienern müsse es Deutschland deshalb schaffen, zur viertbesten Liga zu werden, „da sind wir auf einem guten Weg“. Die Philosophie sei es, Spieler zu entwickeln, egal woher sie stammen. „Wenn sie aus Österreich oder Deutschland kommen umso besser.“

Heimspiele in Haching und Innsbruck

Wegen der Identifikation. Die Heimspiele wurden in der Hauptrunde pari pari aufgeteilt, 1400 Zuschauer kamen im Schnitt in Unterhaching, 1200 in die große Olympiahalle in Innsbruck, die stolze 8000 Plätze fasst. Nun hofft Kronthaler, dass in den Play-offs da schon eine zwei vorne steht. Dennoch müssen auch dann mit ein paar Tricks die Ränge abgehängt werden, um eine zuschauerfreundliche Atmosphäre zu schaffen. Ein drittes Jahr läuft das Projekt noch, „dann werden wir evaluieren, wie es weiter geht“. Er selbst, der mal gesagt hat „ohne Hannes Kronthaler keine Alpenvolleys“, lässt seine Zukunft offen.

Er hat aber schon eine neue Vision – und kann sich vorstellen, die anderen Bayern vom TSV Herrsching als dritte Kraft mit ins Boot zu nehmen. Zunächst einmal aber geht es just gegen diese Mannschaft in den Play-offs los. „Das Halbfinale sollte es schon sein“, sagt der erfolgsorientierte Macher. Der natürlich von der Meisterschaft träumt. Da gibt es nur einen kleinen Haken: Ein entscheidendes Spiel müsste in Unterhaching ausgetragen werden. Jungs Argument: „Wir wollen den Titel ja auf deutschem Boden vergeben.“ Dann würde selbst der Österreicher Hannes Kronthaler ein Auge zudrücken.

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