Arda Gedik, mittlerweile 17 Jahre alt, und sein Lehrer Alessandro Totaro sind überzeugt davon, dass das spezielle Konzept der Gemeinschaftsschule den Jugendlichen auf die Erfolgsspur gebracht haben. Foto: privat

An der Realschule hatte Arda Gedik schlechte Noten, doch sein Lehrer an der Gemeinschaftsschule entdeckte sein Talent und ermutigte ihn, sein Wissen mit Studierenden zu teilen.

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Mit nur 14 Jahren hat Arda Gedik zum ersten Mal als Gastreferent vor mehr als 50 Studierenden an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Ludwigsburg gesprochen. Eine Stunde lang erklärte er ihnen, wie man mit Hilfe digitaler Tools und Apps kurze Lernvideos zum Beispiel für den Mathematikunterricht erstellt und wie man diese am besten im Schulalltag einsetzt. „Souverän und mit großer Begeisterung“, sagt sein Lehrer Alessandro Totaro. Die Resonanz sei „bemerkenswert“ gewesen. „Die Studierenden waren beeindruckt von Ardas Fachkenntnis und seiner Fähigkeit, digitale Anwendungen anschaulich zu erklären.“

 

„Es war für mich wie ein Neuanfang. Plötzlich habe ich Spaß am Lernen gehabt.“

Arda Gedik, Schüler der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule

Arda Gedik ist Schüler an der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Stuttgart-Möhringen, an der Totaro unterrichtet. Der Lehrer gibt zudem didaktische Seminare an der PH – und ermutigte den Jungen, dort sein Computerwissen zu präsentieren. Beide sind überzeugt davon, dass die Gemeinschaftsschule einen entscheidenden Anteil am Erfolg des Jugendlichen hat. Arda hat türkische Wurzeln, die Schule fiel ihm nicht immer leicht. An der Realschule habe er „ziemlich schlechte“ Noten gehabt, erzählt der heute 17-Jährige. Dank eines Umzugs kam er in der sechsten Klasse an die Anne-Frank Gemeinschaftsschule, wo er aufblühte.

„Es war für mich wie ein Neuanfang“, erzählt Arda Gedik. Plötzlich habe er Spaß am Lernen gehabt. Weil er Anerkennung bekommen habe und sich die Lehrer wirklich für ihn interessiert hätten. Regelmäßig habe er sich mit seinem Lerncoach über seinen schulischen Fortschritt und noch bestehende Probleme ausgetauscht. Und darüber gesprochen, was er besser machen könnte.

Längeres gemeinsames Lernen steht im Vordergrund

Die Basis dafür ist das Coaching, was im Konzept der Gemeinschaftsschule (GMS) in Baden-Württemberg fest verankert ist. Die GMS ist eine recht junge Schulform, und manches ist dort anders. Es sind grundsätzlich Ganztagsschulen, im Vordergrund steht das längere gemeinsame Lernen. Dabei können die Mädchen und Jungen in jedem Fach auf einem anderen Niveau arbeiten – in Deutsch zum Beispiel auf dem Werkrealschul-Niveau, und in Mathe trotzdem auf dem gymnasialen Niveau. So sollen die Stärken der jungen Leute gefördert werden.

Zudem bekommen die Schülerinnen und Schüler in den unteren Klassen keine Noten; statt Zeugnissen erhalten sie Lernentwicklungsberichte. In Klassenstufe 8 und 9 profitiert jede und jeder von einer ausführlichen Schullaufbahnberatung, an deren Ende über den angestrebten Schulabschluss entschieden wird. Gemeinschaftsschulen bieten den Werkreal- und den Realschulabschluss an, manche auch das Abitur. Von den acht Gemeinschaftsschulen in Stuttgart hat allerdings nur die Schickhardt-Gemeinschaftsschule im Süden eine gymnasiale Oberstufe.

Arda Gedik findet es gut, dass man in der Gemeinschaftsschule auf unterschiedlichen Niveaus lernen kann. So könnten sich die Jugendlichen untereinander helfen. Er selbst sei zum Beispiel ein sogenannter Experte in Mathe und Französisch und unterstützt in diesen Fächern seine Mitschüler.

Totaro ist seit zwölf Jahren an der Anne-Frank-Schule und hat in dieser Zeit zwei Klassen jeweils sechs Jahre lang begleitet. Dabei habe er immer wieder erlebt, wie sich die schwächeren an den stärkeren Schülern orientierten. „Das hat mir gezeigt, dass ein längeres gemeinsames Lernen hilfreich ist“, sagt der Lehrer. Im Vergleich zu einem Realschullehrer habe er mehr Zeit für die Beziehungsarbeit mit den Kindern, um Vertrauen aufzubauen, sich für ihre Probleme zu interessieren und Lernstrategien zu vermitteln. „Dafür gibt es extra Deputatsstunden. Ich muss das nicht alles in meiner Freizeit machen“, sagt er.

Enge Schüler-Lehrer-Bindung

Die enge Schüler-Lehrer-Bindung ist Totaros Meinung nach das Herzstück der Gemeinschaftsschule. Denn nur, weil sie ein Vertrauensverhältnis hätten, hätten sie sich darüber austauschen können, wie man am besten kurze Lernvideos für den Mathematikunterricht erstellt. „Wobei mir aufgefallen ist, dass Arda das besser kann als ich“, sagt Totaro anerkennend. Und sein Schüler sei sofort bereit gewesen, sein Wissen mit ihm und auch den PH-Studierenden zu teilen. Inzwischen hat Arda Gedik bereits sechs Veranstaltungen an der Hochschule geleitet.

Mittlerweile hat Arda Gedik mehrere Veranstaltungen an der PH Ludwigsburg geleitet. Foto: privat

An seine erste Veranstaltung als Gastreferent an der PH erinnert er sich noch genau: „Ich war etwas nervös, aber ich wollte auch zeigen, was ich kann.“ Beruflich will er dennoch einen anderen Weg einschlagen. Wenn nichts mehr schiefgeht, wird er im Sommer einen sehr guten Realschulabschluss machen. Danach will er entweder das Abitur draufsatteln oder eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen. Mit seiner bisherigen Schulbildung hat er schon einmal eine gute Basis gelegt.

Schulanmeldung

Termin
Familien mit Viertklässlern müssen dieser Tage entscheiden, auf welche weiterführende Schule das Kind künftig gehen soll. Die Schulanmeldung ist nur an einer einzigen Schule möglich, und zwar von Montag bis Donnerstag, 9. bis 12. März, jeweils von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr.

Tag der offenen Tür
Die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule lädt am Freitag, 27. Februar, von 15 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Aktuelle Informationen zu allen weiterführenden Schulen in Stuttgart sind im Internet zu finden unter www.stuttgart.de/leben/bildung/schulen/schulangebot#weiterfuehrende-schulen.