Knapp ein Drittel der Kreishaushalte haben Zugang zum schnellen Internet. Foto: dpa/Woitas

32,4 Prozent aller Haushalte kreisweit werden Ende 2024 über einen ultraschnellen Internetanschluss verfügen. Doch der weitere Ausbau kommt nur langsam voran. In diesen Kommunen soll es im kommenden Jahr weitergehen.

Bis 2025 soll die Hälfte der Haushalte in der Region Stuttgart Zugang zum ultraschnellen Internet auf Glasfaserbasis erhalten, bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte versorgt sein. So lautet das erklärte Ziel der Gigabit-Region Stuttgart (GRS). An dem Ausbauprogramm beteiligen sich derzeit 178 Kommunen in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr sowie die Stadt Stuttgart.

 

Im Kreis Esslingen verläuft der Glasfaserausbau eher schleppend, dennoch zeigt sich der Zweckverband Breitbandversorgung, ein Zusammenschluss der 44 Kommunen, zufrieden. Obwohl verzögerte Baustarts und Planungsunsicherheiten in manchen Kommunen das Bild eintrübten, seien Fortschritte zu vermelden: Die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen sei gestiegen und wird bis Ende dieses Jahres bei 32,4 Prozent aller Haushalte im Kreis liegen, heißt es in einer Mitteilung des Zweckverbandes.

Dessen neu gewählter Vorsitzender, Landrat Marcel Musolf, bezeichnet den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur als „eine der zentralen Aufgaben im Landkreis Esslingen“ und versichert: „Ich bin fest entschlossen, diesen wichtigen Prozess gemeinsam mit allen Beteiligten voranzutreiben. Eine flächendeckende Breitbandversorgung ist nicht nur ein Standortfaktor, sondern auch eine Grundlage für die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden.“

Die Rahmenbedingungen allerdings sind schwierig. Die größte Hürde sind nach Angaben des Zweckverbandes „mangelnde Baukapazitäten in angemessener Qualität“. Dadurch und aufgrund hoher Tiefbaukosten würden Projekte vermehrt nacheinander statt zeitgleich angegangen. Was bedeutet: Die Vorhaben ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin.

Telekom ist wichtigster Akteur im Kreis Esslingen

Wichtigster Akteur im eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau ist die Deutsche Telekom. In rund der Hälfte der Kommunen im Kreis Esslingen realisiert oder plant sie derzeit Projekte. Schon jetzt könne man für über 65 000 Haushalte und Unternehmen Glasfaseranschlüsse bereitstellen, sagt der Telekom-Technikchef Abdu Mudesir. In 15 Kreiskommunen könnten bereits über die Hälfte aller Haushalte und Betriebe einen Glasfaseranschluss der Telekom nutzen.

Im kommenden Jahr wird die Telekom den Angaben zufolge in zwölf Ausbaugebieten tätig werden: in Esslingen, Kirchheim, Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen, Plochingen, Wendlingen, Wernau, Denkendorf, Bissingen, Köngen, Neckartenzlingen und Frickenhausen. In Filderstadt und Nürtingen setzen die jeweiligen Stadtwerke im Rahmen der Kooperation mit der Telekom den begonnenen Glasfaserausbau fort.

Damit die im Rahmenvertrag festgehaltenen Ausbauziele für 2025 erreicht werden können, wollen beide Partner aufs Tempo drücken. Die Gigabit- Region Stuttgart und die Telekom haben vereinbart, ihre Zusammenarbeit künftig noch enger zu verzahnen. „Um die für den Ausbau notwendigen Abstimmungsprozesse effizienter und schneller gestalten zu können, werden die Bauexperten der Gigabit-Region Stuttgart im Austausch mit den Kommunen künftig vorab die Genehmigungsprozesse ebnen und dann die Ausbaumaßnahmen eng begleiten“, kündigt der Geschäftsführer der GRS, Hans-Jürgen Bahde, an.

Weitere Firmen sind im Glasfaserausbau aktiv

Es sind noch weitere Unternehmen sind im Landkreis aktiv, teilt der Zweckverband mit. So konnte die Deutsche Glasfaser in diesem Jahr den Ausbau in Dettingen, Ohmden, Hochdorf und Owen voranbringen. Für Großbettlingen, Lenningen, Erkenbrechtsweiler und Oberboihingen sei der Ausbau in Planung. Die EnBW-Tochter Netcom BW setze den Ausbau in den Kirchheimer Ortsteilen Nabern und Lindorf sowie in Unterensingen fort. Inzwischen seien Haushalte „in nennenswertem Umfang erschlossen“, heißt es in der Mitteilung. Anfang nächsten Jahres sollen dann die Kooperationsverträge der Netcom BW mit den Kommunen Aichtal, Neckartenzlingen und Schlaitdorf unterzeichnet werden. Dort war der Glasfaserausbau ins Stocken geraten, weil die zuvor damit beauftragte Firma ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen war.

In Altbach und Deizisau plant die Firma GVG-Glasfaser den Ausbau. Nachdem es dort durch den mehrfachen Wegfall von Bauunternehmen zu Verzögerungen gekommen sei, werde ein konkreter Zeitplan Anfang 2025 erwartet, teilt der Zweckverband mit.

Im geförderten Glasfaserausbau kann der Landkreis Esslingen mittlerweile auf 16 gestartete Förderprojekte zurückblicken. In der zweiten Ausschreibung mit 22 Projekten erhielten im Oktober dieses Jahres zehn Projekte den Zuschlag. Auch hier machen sich die knappen Baukapazitäten bemerkbar, heißt es zur Erklärung: Für einige Förderprojekte wurden keine Angebote abgegeben.

Telekom baut Mobilfunknetz im Kreis aus

5-G-Standard
  Im Landkreis Esslingen ist die Bevölkerungsabdeckung mit dem modernen 5-G-Standard auf über 95 Prozent gestiegen. Dafür nutzt die Telekom derzeit 188 Mobilfunkstandorte. Mit der Inbetriebnahme eines neuen Masts im Bissinger Ortsteil Ochsenwang ist die Mobilfunkversorgung spürbar gestiegen.

Bedarf
Für die kommenden Jahre sieht die Telekom Bedarf, an über 63 Standorten im Kreis Esslingen neue Antennen zu installieren. Die Zahl ist so hoch, weil immer wieder Mietverträge entfallen, aber auch zusätzliche Anlagen zur Verstärkung benötigt werden. Bei der Suche nach Ersatz ist die Telekom auf die Unterstützung durch Kommunen und Bürgerschaft angewiesen.