Der Tee ist keine schwäbische Erfindung, der Beutel dafür schon. Foto: dpa

Ein neues Buch über Erfinder und Erfindungen aus dem Südwesten ist nicht nur höchst unterhaltsam geschrieben – es lädt auch dazu ein, das Land der Tüftler und Denker zu bereisen.

Stuttgart - Geht es um Erfinder und Denker aus dem deutschen Südwesten, dann fallen sofort die Namen Daimler, Benz und Bosch. Und natürlich darf der König der Erfinder nicht fehlen, Artur Fischer aus dem Schwarzwald, der mit einem wundersamen Plastikdübel der Welt Halt verlieh. Offenbar aber gab es hierzulande noch ein paar gescheite Köpfe mehr, weshalb die Menschheit uns nicht nur das Automobil und den Fischer-Dübel, sondern auch das Fahrrad, die Rechenmaschine, den Tierfilm, den Kopierer, den Teebeutel und die Dauerwelle zu verdanken hat.

55 Erfindungen und Erfinder sind’s, die die StN/StZ-Redakteure Andrea Jenewein und Frank Rothfuß sowie der Autor Justin Larutan in „Land der Tüftler und Denker“ liebevoll und mit viel Witz beschreiben – da darf natürlich ein Klassiker wie der Aktenordner des Herrn Louis Leitz nicht fehlen. Oder ein Klebstoff, der im Falle eines Falles wirklich alles klebt, sogar ein Luftschiff, und der auf den hübschen Namen Uhu hört. Sein Erfinder hieß auch Fischer, Vorname August.

Das Spaghettieis stammt aus Mannheim

Aber auch Kurioses und Schräges hat in dem Buch einen Platz gefunden. Hand aufs Herz: Wer hätte gewusst, dass die Erfindung des Spaghettieises auf das Konto eines Deutsch-Italieners namens Dario Fontanella zurückgeht, Betreiber einer Eisdiele in Mannheim? Hätte der Mann nicht im Jahr 1969 in der Südschweiz eine würmchenförmige Süßspeise gegessen und hätte er hierzulande nicht zahllose Spätzlespressen zum Experimentieren gehabt – die Vanilleeis­nudeln hätten wohl nie das Licht der Welt erblickt. Wie das Leben eben so spielt.

Manche der Geschichten hat man schon mal gehört, aber noch nie so gelesen. So schreibt die Autorin Andrea Jenewein nicht nur über die legendäre Fernfahrt der Berta Benz – sie hatte das Vergnügen, vor dem Mercedes-Benz-Museum mit einem Nachbau des dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen einige Runden zu drehen und den Führerschein dafür zu erwerben.

Abstecher im Eldorado fürs fahrende Volk

Natürlich kann man „Land der Tüftler und Denker“ von vorn bis hinten lesen. Oder sich interessant erscheinende Kapitel herauspicken. Man kann das Buch aber auch als eine Art Reisebegleiter oder Atlas benutzen. Zu diesem Zweck schlägt man die hinteren Seiten auf, stößt auf Landkarten und entdeckt etwa bei Bad Waldsee einen Kreis mit der Nummer 53. Besagtes Kapitel ist Erwin Hymer gewidmet, einem Maschinenbauer, der einen maßgeblich Betrag zur Erfindung des Eigenheims auf Rädern, neudeutsch Wohnmobil genannt, geleistet hat. Warum also beim nächsten Mal auf dem Weg zum Bodensee nicht einen Umweg fahren und dem Hymer-Museum einen Besuch abstatten, einem Eldorado fürs fahrende Volk?

Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht: „Land der Tüftler und Denker“ ist kein überzogenes Loblieb auf Badener und Württemberger. Es ist eine freundliche Hommage an Menschen mit Verstand und Fantasie – und die soll’s ja anderswo auch geben.

Jenewein, Rothfuß, Larutan: Land der Tüftler und Denker – Die besten Erfindungen aus Baden-Württemberg. Gmeiner-Verlag, 15,99 Euro.
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