Lapp-Mitarbeiter Dominik Schmalzried mit der intelligenten Kabelrolle, die mit Hilfe eines Sensors den Kabelverbrauch überwacht und gleich nachbestellt. Foto: Ulrich Metz

Dominik Schmalzried kann Innovation: Er war schon in der „Höhle der Löwen“ und ist der strategische Kopf hinter der smarten Kabelrolle der Stuttgarter Lapp-Gruppe.

Eine intelligente Kabeltrommel, die automatisch Nachschub bestellt, bevor sie leer ist und die Produktion lahmlegt? Für viele Unternehmen lassen sich damit kostspielige Probleme vermeiden. Probleme, die Dominik Schmalzried nur zu gut kennt, denn er ist nah am Kunden.

 

Der 35-Jährige, strategischer Kopf im Innovationsteam Digital Services beim Stuttgarter Kabelspezialisten Lapp, entwickelt nicht im stillen Kämmerlein. „Es geht darum, beim Kunden die richtigen Fragen zu stellen“, sagt er. Das klinge banal, sei aber unglaublich wichtig.

Mit der Gaming-Maus in der „Höhle der Löwen“

Der gebürtige Tübinger kann Innovation. Bevor er zum Familienunternehmen Lapp kam, hat er schon Gründererfahrung gesammelt und mit seinem Bruder ein Start-up für ultraleichte Gaming-Mäuse aus Kohlefaser gegründet. 2021 waren die beiden Brüder mit ihrer Hightech-Maus in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“. Der Deal platzte zwar später, doch das Unternehmen ist noch erfolgreich am Markt. Dominik Schmalzried ist aber mittlerweile ausgestiegen und arbeitet bei Lapp. Der erste Kontakt zu dem Kabelspezialisten kam übrigens durch das Kabel der Gaming-Maus zustande, verrät er.

Die Lapp-Gruppe ist eine inhabergeführte, weltweit tätige Unternehmensgruppe im Bereich der Verbindungstechnologie. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Bei Lapp treibt er Innovationen voran, die die physische und digitale Welt intelligent verknüpfen – was Unternehmen und Kunden Mehrwert bringen soll. Industrial-Internet-of-Things-Lösungen (IIot) heißt das im Fachjargon und gilt als einer der großen Innovationsbereiche der heutigen Industrie. Die vernetzte Kabelrolle ist dafür ein Beispiel. Das sogenannte Lapp eKanban überwacht mit Hilfe eines Sensors und eines digitalen Zwillings den Kabelverbrauch an der Trommel und managt digital Bestand und Nachschub.

Schmalzried und sein Team wurden jetzt dafür beim Digitalisierungsevent „Startup The Future“ in Stuttgart von der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mit dem „Allianz Industrie 4.0 Award Baden-Württemberg“ in der Kategorie Winner ausgezeichnet.

„Entwicklung oder Innovation ist kein Geniestreich, sondern harte Arbeit“, sagt Schmalzried. Man müsse einen gewissen Hang und Drang zu Problemen haben, will heißen: sich nicht nur der Probleme annehmen, sondern darin aufgehen und sie in Teilprobleme zerlegen, wie er es nennt. Er vergleicht dies gern mit einem Sprichwort über gute Führungskräfte. Die sollten ja eigentlich aufs Feuer zurennen und nicht vom Feuer weg“, sagt er. Im Innovationsbereich sei das ähnlich. Innovationen seien schließlich Erfindungen, die sich am Markt auch nachhaltig durchsetzten.

Der studierte Ökonom mit Fokus auf Entrepreneurship und Innovationsmanagement hat schon in seiner Jugendzeit getüftelt. „Das war schon in den Genen drin“, sagt der Sohn eines Physikers. „Den Computer hab’ ich nie fertig von der Stange gekauft, sondern immer selber zusammengeschraubt.“ Innovation ist für ihn kein Selbstzweck, sondern auf ein konkretes Bedürfnis ausgerichtet.

Die smarte Kabelrolle hat sich Lapp patentieren lassen. Sie ist schon bei einigen Kunden im Testeinsatz, weitere kommen nach und nach dazu. Man starte erst mal im deutschen Markt, wolle sie aber weltweit in den Markt bringen, sagt Schmalzried.

Allianz Industrie 4.0 Award

Auszeichnung
Der Allianz Industrie 4.0 Award zeichnet Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen aus, die durch innovative Digitalisierungslösungen als Vorreiter gelten. Der Preis – mit mehreren Preisträgern in zwei Kategorien – soll Baden-Württembergs Position als führende Region im Bereich Industrie 4.0 stärken.

Netzwerk
Die Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg ist ein vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium initiiertes und gefördertes Netzwerk, um kleine und mittlere Unternehmen auf ihrem eigenen Weg zur Industrie 4.0 zu unterstützen. Die Koordinierungsstelle ist beim baden-württembergischen Maschinenbauverband (VDMA) angesiedelt.