Erdwärmebohrungen in Böblingen Versicherer machen gemeinsame Sache

Von Günter Scheinpflug 

Zentimeterdicke Risse in einem durch Erdhebungen beschädigten Haus in Böblingen. Foto: dpa
Zentimeterdicke Risse in einem durch Erdhebungen beschädigten Haus in Böblingen. Foto: dpa

Die drei Versicherungen der Bohrfirma Gungl, die für 17 unsachgemäß vorgenommene Geothermiebohrungen zwischen den Jahren 2006 und 2008 in Böblingen verantwortlich gemacht wird, machen gemeinsame Sache. Sie wollen in einem außergerichtlichen Schiedsverfahren klären, wer für die Schäden an den 200 Gebäuden zuständig ist.

Böblingen - Die drei Versicherungen der Bohrfirma Gungl, die für 17 unsachgemäß vorgenommene Geothermiebohrungen zwischen den Jahren 2006 und 2008 in Böblingen verantwortlich gemacht wird, machen gemeinsame Sache. Sie wollen in einem außergerichtlichen Schiedsverfahren klären, wer für die Schäden an den 200 Gebäuden zuständig ist. Dafür soll ein Gutachter eingeschaltet werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, ab wann die Erde aufquoll und wann die erste Risse an den Häusern entstanden sind. Die Bohrungen waren zwischen den Jahren 2006 und 2008 durchgeführt worden. Bis Ende August 2007 war Gungl bei der Württembergischen Versicherung unter Vertrag, danach bei der AIG Europa Limited und von 2009 an bei der Allianz.

Schäden werden dokumentiert

„Die Vereinbarung der Versicherer ist ein wichtiger Schritt, um nach so vielen Jahren weiterzukommen“, erklärt Werner Schubert, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Erdhebungen. „Für uns ist wichtig, zu ermitteln, was wann passiert ist“, sagt Christian Weishuber, der Pressesprecher der Allianz. In einem zweiten Schritt sei dann zu prüfen, ob ein Verschulden der Firma vorlag. Und erst danach, erläutert Weishuber, sei die Haftungsfrage zu klären. Dies müsse aber jede Versicherung für sich selbst tun und geschehe außerhalb des Schiedsverfahrens.

Neben dem Gutachter, der die zeitliche Abfolge von Erdhebungen und Rissbildungen näher unter die Lupe nimmt, wird ein von den Versicherungen beauftragter Architekt die Schäden an den Häusern dokumentieren. Laut dem Böblinger Landrat Roland Bernhard tragen die Versicherungen dafür die Kosten von etwa einer halben Million Euro. Bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sein sollen, darüber sei keine Vereinbarung getroffen worden, sagt der Landrat. „Die Hausbesitzer können nun aber nach dieser Bestandsaufnahme selbst das nötigste reparieren und nach der Klärung der Schuldfrage der entsprechenden Versicherung in Rechnung stellen“, bekräftigt Bernhard. Auf einen Hilfsfonds, wie von den Betroffenen gefordert, habe man sich nicht einigen können.

Weitere Gebäude statisch gesichert

Als einer der ersten hatte Antonio La Marra im Jahr 2009 Risse an seinem Haus entdeckt, die inzwischen mehr als zweieinhalb Zentimeter breit sind. Im Dezember 2013 musste er auf Anordnung eines Bausachverständigen sein Haus in der Feldbergstraße räumen, weil es einsturzgefährdet ist. Laut Schubert werden in der Zwischenzeit sechs bis sieben weitere Gebäude, die noch bewohnt werden, statisch gesichert.

Im Norden Böblingens hat sich die Erde um etwa einen halben Meter, im Süden um bis zu 25 Zentimenter gehoben. Das haben Laserscan-Messungen aus der Luft ergeben, die das Landesamt für Geologie in Freiburg vor den Bohrungen im Jahr 2002 vorgenommen und mit den Ergebnissen einer Befliegung des Böblinger Stadtgebiets im Jahr 2013 verglichen hatte.

Nach den Angaben von Dusan Minic, dem Pressesprecher im Böblinger Landratsamt, befasst sich ein vom Umweltministerium in Auftrag gegebenes Projekt mit der Erhebung weiterer Daten über die Erdhebungen. Die Ergebnisse sollen Anfang nächsten Jahres vorliegen. Gleichzeitig arbeitet das Landesamt für Geologie an dem Abschlussbericht über die inzwischen zwei sanierten Bohrlöcher im Norden Böblingens. MomSchädenentan lässt die Wasserwirtschaftsbehörde des Kreises die anderen 15 Löcher im Süden sanieren.

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