Angespanntes Verhältnis: der türkische Präsident Erdogan und Griechenlands Ministerpräsident Tsipras (rechts). Foto: AFP

Der türkische Präsident Erdogan ist auf bessere Beziehungen zu Griechenland angewiesen. Doch er tut sich schwer damit, hat Griechenland-Korrespondent Gerd Höhler beobachtet.

Athen - Im Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei ist bisher stets die Türkei der Stärkere gewesen. Sie hat eine höhere Wirtschaftsleistung, eine größere Armee und weitaus mehr Einwohner. Aber der Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan in Athen zeigt: Jetzt ist er es, der den griechischen Premier Tsipras braucht. Das Verhältnis der Türkei zu Europa und zu den USA ist tief zerrüttet. Dabei ist die Türkei auf Europa angewiesen, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Rund die Hälfte ihres Außenhandels wickelt das Land mit den EU-Staaten ab. Von dort kommen auch die meisten ausländischen Investitionen.

Tsipras gehört zu den wenigen EU-Regierungschefs, die sich weiter für einen Beitritt der Türkei aussprechen. Griechenland kann also für Erdogan so etwas wie ein Tor zu Europa sein. Doch die Agenda der Visite ist schwierig. Zu den Knackpunkten gehört Erdogans Forderung nach Auslieferung angeblicher Putschisten, die sich seit dem gescheiterten Coup vom Juli 2016 nach Griechenland abgesetzt haben – obwohl diese politisches Asyl erhalten haben. Gleichzeitig hat Erdogan auch noch die Forderung erhoben, Griechenland solle den Vertrag von Lausanne revidieren, der die Grenzen zwischen beiden Ländern definiert. Das zeigt: Die Türkei ist und bleibt ein schwieriger Nachbar, sowohl für Griechenland als auch für Europa insgesamt.

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