Der türkische Präsident Erdogan musste sich im Parlament Häme und Kritik anhören. Foto: imago/Depo Photos

Der Streit zwischen der Türkei und Frankreich wird immer hitziger. Jetzt bringt ein antifranzösischer Boykottaufruf Präsident Erdogan in die Bredouille. Es geht um ziemlich teure Handtaschen.

Ankara - Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute diese Woche zum Boykott französischer Waren aufrief, kam die Antwort von Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu postwendend. Wenn es darum gehe, Produkte aus Frankreich zu meiden, dann solle Erdogans Gattin Emine als Erstes ihre teure französische Designer-Handtasche der Edelmarke Hermes im Garten des Präsidentenpalastes verbrennen, so Kilicdaroglu. Die Hermes-Tasche für 50 000 Euro gehört zu den Luxus-Accessoires, für die die First Lady bekannt ist.

 

Die Präsidentengattin geht gerne shoppen

Der extravagante Geschmack von Emine Erdogan erregt schon lange Aufsehen und Unmut. Als sie ihren Mann vor einigen Jahren auf einem Besuch in Brüssel begleitete, meldeten belgische Medien, mehrere Luxus-Geschäfte seien für Normalsterbliche gesperrt worden, damit Frau Erdogan in Ruhe dort einkaufen konnte. Das Präsidialamt versuchte jetzt, dem Eindruck der Prunksucht zu widersprechen – und machte alles nur noch schlimmer. Emine Erdogan trage grundsätzlich nur Plagiate, ließ das Amt verlauten. Doch damit manövrierte sich die Staatsführung noch tiefer in den PR-Schlamassel: Entweder ist Frau Erdogans Handtasche echt, was die Boykottaufrufe als Heuchelei entlarven würde – oder die First Lady der Türkei unterstützt die Produktpiraterie. Der Menschenrechtsanwalt Kerem Altiparmak machte sich darüber lustig, dass die Regierung erst nach der Kritik entdeckt haben wolle, dass die Tasche angeblich nicht echt ist. Auf Import und Export illegaler Kopien von Markenware steht in der Türkei eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

Wirtschaft im Sinkflug

Hintergrund des Boykottaufrufs ist die angebliche Islamfeindlichkeit, die Erdogan dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron vorwirft. In türkischen Städten gab es deshalb antifranzösische Demonstrationen. Verschärft wurde der Streit durch die Veröffentlichung einer Erdogan-kritischen Karikatur im französischen Satire-Magazin „Charlie Hebdo“. Die türkische Regierung nutzt die Auseinandersetzung dazu, von der schlechten Wirtschaftslage im eigenen Land abzulenken: Die Landeswährung Lira hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent an Wert verloren.