Noch sind die Wiesen zwischen Oberaichen und Musberg eine beschauliche Oase. Bald wird dort der Erdaushub der Rohrer Kurve der Gäubahn gelagert. Foto: Götz Schultheiss

Bei Oberaichen ist ein Erdlager geplant für den Bau der Gäubahntrasse. Beim Erörterungstermin in der Landesmesse wird deutlich, dass die Stadt Leinfelden-Echterdingen damit alles andere als glücklich ist.

Oberaichen - Beim Erörterungstermin in der Landesmesse für den Planfeststellungsabschnitt 1.3b des Ausbaus der Gäubahntrasse hat auch das Zwischenlager in den Oberaicher Wispeläckern – für den Aushub der Rohrer Kurve –eine Rolle gespielt. Zu den Details der Planung haben Vertreter der Stadt Leinfelden-Echterdingen Bedenken sowie Änderungswünsche geäußert.

 

Sie zeigten sich unglücklich über den Oberaicher Standort. Sie hätten den ursprünglich zur Auswahl stehenden Standort im Spitzhau nördlich der A 8 und östlich des Dürrlewangwalds für geeigneter gehalten, hieß es am Dienstag. Dies, entgegneten ihnen Planer der Bahn, sei aber des Artenschutzes wegen nicht möglich, denn im Spitzhau lebe – neben anderen seltenen Vögeln und Fledermäusen – der besonders geschützte Mittelspecht. Für ihn müsse eine Sondergenehmigung beantragt werden, und man könne nicht davon ausgehen, dass diese erteilt werde.

Kritik wegen zusätzlichem Lärm

Außerdem hätte der Spitzhau durch den Dürrlewangwald angefahren werden müssen, so die Planer. Für das Oberaicher Gebiet gebe es dagegen „nur ein geringes artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial“, und es sei bequem über die Landesstraße L 1192, die von Rohr nach Musberg führt, zu erreichen. Im Oberaicher Zwischenlager, versicherten die Planer der Bahn, werde nur der Boden, der später zur Wiederauffüllung der Rohrer Kurve gebraucht werde, gelagert. Dafür werde der Boden in jeweils 1,50 Meter hohen und sechs Meter breiten, länglichen Wällen, die im Fachjargon als Mieten bezeichnet werden, aufgeschüttet. Alles in allem ergebe sich am Ende eine Aufschüttung mit circa fünf Metern Höhe, die bepflanzt werde.

Philipp Schwarz, der Leiter des Planungsamts Leinfelden-Echterdingen, stellte fest: „Die Bewohner von Leinfelden-Echterdingen haben schon wegen der Autobahn, dem Flughafen und der Messe starke Lärmbelastung auszuhalten.“ Nun komme noch der Bau „einer Infrastrukturmaßnahme am Flughafen“ dazu. Ein weiteres wichtiges Thema in der Stadt sei der Schutz des fruchtbaren Filderbodens. „Der Gemeinderat hat uns deshalb überfraktionell den Auftrag erteilt, hier zu opponieren“, sagte Schwarz.

Stadt sagt, die Bahn sei in stille Oase eingedrungen

Man sei überrascht, dass sich die Bahn ausgerechnet den ruhigsten Ort der Stadt für ihr Bodenlager ausgesucht habe: „Mit einer gewissen Zielsicherheit sind Sie in eine stille Oase eingedrungen.“ Die Belastung durch Lärm, Staub und Erschütterung sei für die Bürger nach wie vor zu groß, obwohl die Bahn das Bodenlager nach Kritik durch die Stadt weiter nach Süden verschoben habe. Selbst wenn der Eingriff nur vorübergehend sei, so nehme der Boden doch Schaden durch die Zwischenlagerung. Schwarz forderte deshalb von den Planern der Bahn, den Spitzhau als Standort erneut zu prüfen oder eine andere Alternative zu finden.

Andreas Waibel, ein Kollege von Philipp Schwarz, wies auf die täglichen Lastwagenfahrten über die L 1192 hin. Die Zufahrt zum Erdlager von der Landesstraße führe eng an der Oberaicher Wohnbebauung vorbei. Außerdem werde ein wichtiger Radweg zwischen Oberaichen und Musberg gequert, und die Ein- und Ausfahrt an der belebten Landesstraße liege in einer Kurve und sei deshalb gefährlich.

Bahn sagt, wie wolle lieber bestehende Wege nutzen

Peter Friedrich, der Leiter der Stadtwerke, verwies darauf, dass unter dem nördlichen Teil des Zwischenlagers eine etwa 60 Jahre alte Hauptwasserleitung aus Grauguss liege, die wegen Erschütterungen durch den Lastwagenverkehr beschädigt werden könnte. Er bat die Planer, zu prüfen, ob sie das Areal nicht über einen neu zu bauenden Weg weiter südlich erschließen könnten. Letztere wiesen dies aber mit der Begründung zurück, dass man sich vorhandener Wege bediene, statt neue zu bauen.

„Es ist schwer nachvollziehbar, dass fünf Brutnester des Mittelspechts wichtiger sind als Oberaicher und Musberger Bürger“, bilanzierte Kurt Alber, der Vorsitzende der rund 300 Mitglieder starken Bürgergemeinschaft Oberaichen (BGO), die circa 2000 Einwendungen gegen das Projekt eingebracht hatte. Der BGO bereite das geplante Wassersammelbecken beim Erdlager große Sorgen. „Der Überlauf läuft dann bei starkem Regen zwangsläufig den Hohlweg hinunter und dann durch die Schillerstaße ins Ortszentrum.“ Dies sei mindestens einmal im Jahr der Fall: „Beim Zahnarzt am Brunnen läuft dann der Keller mit der Tiefgarage voll.“