Erdhebungen in Böblingen Beweissicherung an den Bohrlöchern

Von Kathrin Haasis 

Riss in einem der betroffenen Böblinger Eigenheime Foto: factum/Archiv
Riss in einem der betroffenen Böblinger Eigenheime Foto: factum/Archiv

Bevor von Oktober an die Böblinger Bohrlöcher saniert werden, die die Erdhebungen verursacht haben sollen, sammelt die Behörde Beweise. „Wir wollen detailliert den Schaden festhalten, um nicht in eine schwierige Situation zu kommen“, erklärt Dusan Minic, der Sprecher des Landratsamtes.

Böblingen - Das Landratsamt will auf der sicheren Seite sein. Bevor die Böblinger Bohrlöcher saniert werden, die die Erdhebungen verursacht haben sollen, sammelt die Behörde Beweise. „Wir wollen detailliert den Schaden festhalten, um nicht in eine schwierige Situation zu kommen“, erklärt Dusan Minic, der Sprecher des Landratsamtes. In den beiden betroffenen Gebieten im Norden und im Süden werden deshalb in den nächsten Tagen die Erdhebungen und der Grundwasserstand gemessen, zudem sollen neue Erkundungsbohrungen stattfinden. Die Daten sollen als Beleg für die Versicherung und als Erfolgskontrolle dienen.

Während die Sanierung der lecken Bohrlöcher höchstens zwei Wochen dauert, nimmt die Vorbereitung mehr Zeit in Anspruch. Im nördlichen Hebungsgebiet soll es im Oktober so weit sein, dort geht es um zwei Bohrlöcher. Momentan wird die Baustellenlogistik organisiert. Für die Gerätschaften der Firmen wird viel Stellfläche benötigt, für die betroffenen Häuser muss eine Ersatzwärmeversorgung aufgebaut werden. „Bei der Sanierung hat man pro Bohrloch nur einen Versuch“, erklärt Dusan Minic die Dauer des Verfahrens, „und wir wollen sicher gehen, dass nicht weitere Schäden verursacht werden.“

Deshalb sind auch weitere Messungen an den Erdsonden nötig. Die mit der Sanierung beauftragte Spezialfirma wird dabei mit faseroptischen Kabeln quasi in die Tiefe blicken. Entstanden sind die Erdhebungen, weil die Bohrungen wohl nicht ordnungsgemäß mit Zement ausgefüllt worden sind: Da die Füllung nicht dicht ist, kann Grundwasser in andere Schichten vordringen. Der Gipskeuper quillt dann auf und die Erde hebt sich. Um das Leck zu stopfen, werden über die in den Bohrlöchern eingelassenen Schläuche Werkzeuge an die undichten Stellen gebracht, die den Schlauch aufschlitzen und Zement in den Hohlraum pressen.

Rund 200 Häuser sind in Böblingen in ihrer Statik bedroht. Das Landratsamt streckt die geschätzten Kosten für die Sanierung von rund 4,5 Millionen Euro vor. Dazu zählen neue Bohrungen. Auf Empfehlung des Landesamtes für Geologie sollen bis zu vier Grundwassermessstellen angelegt werden. Damit lassen sich dann die Wasserverhältnisse unter Tage beobachten. Darüber hinaus sollen in beiden Gebieten Erkundungsbohrungen in bis zu 130 Meter Tiefe stattfinden, um die genaue Zusammensetzung der Erde zu untersuchen. Im südlichen Hebungsgebiet werden noch bis Mitte August sieben Erdwärmesonden untersucht, ob sie schadhaft sind. Acht sind inspiziert worden, drei davon sind reif für die Sanierung.

Lesen Sie jetzt