Christian Hörnle ist mit dem bisherigen Verlauf der Erdbeerernte zufrieden. Foto: Hemminger

Die Erdbeersaison hat begonnen. Seit Samstag dürfen auch die Selbstpflücker wieder auf die Felder zum Beeren ernten.

Stuttgart-Weilimdorf - Wer dieser Tage an den Obstfeldern in Weilimdorf entlang spaziert oder vorbeiradelt, dessen Nase lässt ihn unweigerlich wissen: die Erdbeersaison hat begonnen. Der süße Duft der kleinen roten Früchte ist für Erdbeerliebhaber betörend. Bereits seit zwei Wochen werden auf dem Weilimdorfer Obsthof Hörnle die früh gereiften Erdbeeren verkauft; seit Samstag dürfen auch die Selbstpflücker wieder auf die Felder zum Beeren ernten. „Ich bin froh, dass es los geht. Die Leute haben in den letzten Tagen schon geguckt, der Druck war da“, sagt Obstbauer Christian Hörnle. Mit dem Saisonstart Anfang Juni ist er zufrieden, „damit liegen wir in der Norm“.

Auch der städtische Obstbauberater Andreas Siegele ist mit dem bisherigen Verlauf der Erdbeerernte rund um Stuttgart zufrieden. „Aufgrund der Wärmeentwicklung ist eine ordentliche Menge da“, sagt Siegele. Er sei froh, dass es nun wieder etwas kühler geworden ist, damit sich die Reife der Beeren ein wenig verzögert. „Sonst geht alles viel zu schnell, und es fehlt an Reife und Aroma“, sagt der Obstbauberater der Stadt. Zu heißes Wetter bekomme den Früchten nicht, die dann schnell matschig werden. Dass die Temperaturen rund um die Eisheiligen und nun zur Schafskälte gefallen sind, wundert Andreas Siegele nicht. „Sämtliche Wetterregeln scheinen sich dieses Jahr zu bewahrheiten“, sagt er und lacht.

„Erdbeeren sind eben nicht ganz einfach“

Christian Hörnle hofft, dass es in den kommenden Tagen zu angenehmen Temperaturen auch immer wieder regnen wird. „Im Mai hatten wir mit 50 Litern nur die Hälfte der normalen Niederschlagsmenge“, sagt der Hobby-Meteorologe. Und auch die Vormonate seien schon im Defizit gewesen. Er musste daher auf den Feldern Tropfschläuche verlegen, um die Pflanzen ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen. „Erdbeeren bestehen zum Großteil aus Wasser. Wenn sie zu wenig davon kriegen, bleiben sie zu klein“, erklärt Hörnle.

Einigermaßen glimpflich hätten die Erdbeerpflanzen den Frost im Februar überstanden. Problematischer sei der 17. April gewesen: „Da hatten wir morgens minus 1,1 Grad. Ein Satz Blüten und kleine Früchte sind dabei verfroren.“ Der Schaden sei jedoch vernachlässigbar. Vorteil des kalten Winters sei, dass der Schädling namens Blütenstecher dieses Jahr kaum vorkomme. Wenn bei günstiger Witterung auch der Pilzbefall weiterhin ausbleibt, ist Hörnle mit der diesjährigen Saison zufrieden. „Erdbeeren sind eben nicht ganz einfach.“

Um das Risiko einer missratenen Ernte möglichst zu streuen, hat der Obstbauer in seinen drei Erdbeerfeldern insgesamt zehn verschiedene Sorten angepflanzt. Die einen halten viel Sonne aus, die anderen ertragen auch starken Regen. Ein weiterer Vorteil unterschiedlicher Sorten ist: „Sie reifen zu verschiedenen Zeiten, so dass nicht alle auf einmal fertig sind.“

Wichtigstes Kriterium beim Züchten ist stets der Geschmack

Wem der Weg aufs Feld zu weit ist, der kann auch auf der eigenen Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon Erdbeeren anpflanzen. Die Gärtnerei Hummel in Weil­imdorf züchtet seit mehr als 60 Jahren Erdbeerpflanzen für den Eigenanbau. Der kürzeste aller Transportwege schlägt sich laut dem Geschäftsführer Lothar Schatz im Geschmack nieder: „Das beste Aroma bekommt man aus dem eigenen Garten.“ Wichtigstes Kriterium beim Züchten der sogenannten Hummi-Pflanzen sei stets der Geschmack der Beeren. Zuchtziele des Erwerbsanbaus wie Lager- und Transportfähigkeit, Resistenz gegen Pilz- und Schädlingsbefall und hoher Ertrag werden hingegen vernachlässigt.

Damit die Pflanzen gut gedeihen, rät der Gartenbauingenieur Lothar Schatz, einen sonnigen Platz auszusuchen. Wichtig sei außerdem gute, salzarme Erde und regelmäßiges Düngen mit speziellem Beerendünger. „Das A und O ist eine gleichmäßige Wasserversorgung. Erdbeeren hassen es, auszutrocknen oder im nassen Boden zu stehen“, weiß der Pflanzenfachmann.

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