Unermüdlich versuchen Helfer, die Opfer des Erdbebens in Ecuador zu bergen. Foto: AFP

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben steigt. Immer verzweifelter suchen Einsatzkräfte nach Überlebenden. Es kommt zu dramatischen Szenen.

Portoviejo - Mehr als drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Ecuador gerät die Suche nach Überlebenden zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Entlang der von der Katastrophe heimgesuchten Pazifikküste des Andenstaats versuchten Einsatzkräfte, Dutzende Vermisste ausfindig zu machen. Die dramatische Rettung einiger Verschütteter weckte Hoffnung in der Bevölkerung. Doch stieg die Zahl der Toten auf mindestens 413, wie die Regierung am Montag (Ortszeit) mitteilte. Rund 2500 Menschen wurden demnach verletzt.

Das Beben der Stärke 7,8 vom Samstag war nach Angaben von Präsident Rafael Correa die schlimmste Naturkatastrophe in Ecuador seit 1949. Wohnhäuser und Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht, Tausende Menschen sind obdachlos.

Venezuela und das benachbarte Kolumbien organisierten Lufttransporte mit Hilfsgütern nach Ecuador. Aus aller Welt strömten Rettungskräfte und Hilfe in das Land. Der ecuadorianische Außenminister Guillaume Long sagte, Hunderte internationale Entwicklungshelfer seien bereits vor Ort. Das spanische Rote Kreuz meldete, bis zu 5000 Menschen könnten nach der Zerstörung ihrer Häuser Notunterkünfte benötigen. Rund 100 000 weitere seien auf Hilfe angewiesen.

Dramatische Rettungsaktionen

In der Hafenstadt Manta sorgten dramatische Rettungsaktionen für einen Lichtblick. Eine Gruppe von rund 50 Einsatzkräften zog zunächst eine Frau aus den Trümmern eines eingestürzten Einkaufszentrums, die dort mehr als 32 Stunden hatte ausharren müssen, wie Fernsehbilder zeigten. Dazu schnitten die Feuerwehrleute ein fast 70 Zentimeter tiefes Loch in Beton und Stahl. Helfer applaudierten, als die Überlebende mit staubbedecktem Kopf herauskam. Sie wirkte desorientiert und klagte über Schmerzen, war ansonsten jedoch bei guter Gesundheit.

Später befreiten die Einsatzkräfte mit Spürhunden, Hydraulikhebern und Bohrern sieben weitere Menschen aus den Trümmern.

Eine weitere ermutigende Meldung kam es aus dem nahegelegenen Portoviejo. Dort wurden Einsatzkräfte durch einen Handyanruf eines Verschütteten bei seinen Verwandten zu einem Trümmerhaufen geführt, aus dem der eingeschlossene Hotelmanager schließlich befreit werden konnte. Schaulustige bejubelten die Szene.

Mangelhafte Stromversorgung

Die Hoffnungsschimmer wurden indes getrübt. In Manta versuchten Helfer eine Frau aus dem eingefallenen Einkaufszentrum zu befreien, deren Beine durch ein schweres Betonstück eingeklemmt waren. Ein Nachbeben zwang die Einsatzkräfte jedoch, ihre Aktion zu unterbrechen. Als sie zurückkehrten, hätten sie feststellen müssen, dass sich der Trümmerhaufen bewegt habe und die Frau getötet worden sei, sagte Einsatzleiter Angel Moreira.

Erschwert wurden die Rettungsmaßnahmen vielerorts durch mangelhafte Stromversorgung. Dies macht den Einsatz von lauten Generatoren nötig, wodurch Hilferufe von womöglich eingeschlossenen Menschen nicht mehr so leicht zu hören sind. Christian Rivera, Leiter des Notfalldiensts in der Hauptstadt Quito, sagte, eine Person könne je nach den Umständen ohne schwere Verletzung bis zu einer Woche unter Trümmern überleben. „Danach kommt es zu einem schnellen Niedergang ... und die Arbeit der Retter wird schwieriger.“

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