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Ganz Deutschland schimpft über Stefan Mappus. Ganz Deutschland? Nein, ein kleiner Landkreis leistet tapfer Widerstand gegen die Mappus-Kritiker. Im Enzkreis weiß man seine bodenständige und direkte Art noch zu schätzen.

Enzkreis - Ganz Deutschland schimpft über Stefan Mappus. Ganz Deutschland? Nein, ein kleiner Landkreis leistet tapfer Widerstand gegen die Mappus-Kritiker. Im Enzkreis weiß man seine bodenständige und direkte Art noch zu schätzen. Und weil der Ex-Ministerpräsident vor vier Jahren einen Fußgängersteg über die A 8 zwischen Wurmberg und Wimsheim ermöglicht hat, feiern die beiden CDU-Ortsverbände am Samstag ein Dankeschönfest für Mappus. Und vielleicht taucht der Vielgescholtene ja sogar auf, bei der Hocketse „Mappus-Stegfeschtle“ ab 13 Uhr an der Autobahn.

Aber von Anfang an: Im Enzkreis kennt man Stefan Mappus schon etwas länger als der Rest des Landes. Zum Beispiel Gerhard Hermann, der CDU-Vorsitzende von Wurmberg. „Stefan Mappus hat vor 13 Jahren dafür gesorgt, dass bei uns überhaupt wieder ein CDU-Gemeindeverband gegründet wurde“, berichtet der Christdemokrat, der seit 1999 auch im Gemeinderat von Wurmberg sitzt. Damals, vor 13 Jahren, war Mappus noch Kreisvorsitzender der Pforzheimer CDU. „Bevor er den Anstoß dazu gegeben hat, ist hier wenig gelaufen“, sagt Hermann. Auch der Wimsheimer CDU-Chef Jürgen Riel sagt: „Er war immer für uns da. Im Enzkreis ist Stefan Mappus immer noch viel mehr beliebt als unbeliebt.“

Im Enzkreis steht man noch treu zu Mappus

Das hängt speziell im Heckengäu auch damit zusammen, dass sich der 46-Jährige in Wimsheim und Wurmberg besondere Meriten erworben hat. Als 1999 Orkan Lothar einen kleinen Holzsteg über die Autobahn A 8, der bei Spaziergängern im Wald sehr beliebt war, beschädigte, haben die Straßenplaner beim sechsspurigen Ausbau der Straße im Jahr 2004 den „Jägersteg“, wie er offiziell heißt, nicht mehr rekonstruiert. Und das, obwohl die CDU in Wurmberg 1900 Unterschriften für ihn gesammelt hat. „Wir haben die Unterschriften an Stefan Mappus übergeben“, erinnert sich Gerhard Hermann. Der war zu diesem Zeitpunkt als Staatssekretär im Umweltministerium schließlich auch zuständig. Und erfolgreich.

Beim Regierungspräsidium waren die Wimsheimer und Wurmberger noch gescheitert, doch dank des Einsatzes von Mappus wurde 2008 doch noch eine Brücke für 200 000 Euro gebaut. Seither nennen die Einheimischen den Übergang auch „Mappus-Steg“. Das ist nun vier Jahre her.

Vielleicht auch, gerade weil über Stefan Mappus derzeit so viel Negatives zu lesen und zu hören ist, will man im Enzkreis bewusst ein Zeichen setzen. Und feiert am Samstag von 13 bis 17 Uhr ein „Mappus-Stegfeschtle“. Eindeutig mit dem Ziel, Solidarität mit ihm zu demonstrieren.

„Es hat viele Nachfragen aus der Bevölkerung gegeben“, erklärt Gerhard Hermann, „daher haben wir gedacht, dass wir so ein Fest wie vor vier Jahren bei der offiziellen Eröffnung doch wiederholen können.“ Und die Wimsheimer CDU hat sich gerne angeschlossen. „Wir stehen zu Stefan Mappus, keine Frage“, stellt Jürgen Riel klar. Daran ändern auch die EnBW-Affäre, der komplette Machtverlust der Union im Land, sein blindes Vertrauen zum Morgan-Stanley-Manager und Kumpel Dirk Notheis nichts. „Da wird ihm auch viel angedichtet“, relativiert Jürgen Riel.

„Wir konnten uns immer auf ihn verlassen“

Und Gerhard Hermann ergänzt: „Für uns überwiegt das Menschliche an Stefan Mappus. Wir wissen immer, woran wir bei ihm sind“, sagt Gerhard Hermann. Man könne zwar manches kritisch sehen, aber gerade bei der EnBW-Affäre gehe es letztlich um die Mitarbeiter, deren Wohl Mappus stets im Auge gehabt habe. Auch Jürgen Riel stellt klar: „Ich finde Stefan Mappus immer noch sehr gut.“ Seit er weg sei, gehe es mit der CDU schließlich „nicht gerade bergauf“.

Das Mappus-Stegfeschtle am Samstag direkt an dem Übergang selbst soll daher auch ein „Dankeschön“ für den Expremier sein. Ob er denn auch persönlich auftaucht, zu Bier und Wurst? „Ich habe ihn eingeladen“, sagt Gerhard Hermann, „und er hat zugesagt. Ich denke schon, dass er kommt.“

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