Wahlwerbung in einem Wimsheimer Wohngebiet an der Friolzheimer Straße: alle vier größeren Parteien sind präsent. Foto: Andreas Gorr

Mag sich die politische Landschaft derzeit in den Umfragen umwälzen – im Enzkreis ist aus Sicht der CDU die Welt noch in Ordnung. Viktoria Schmid muss nicht zittern, die FDP scheint gesetzt. Bei SPD und den Grünen hängt viel von der Performance ab.

Enzkreis - Mag sich die politische Landschaft in Baden-Württemberg derzeit zumindest in den Umfragen ordentlich umwälzen – im Enzkreis ist aus Sicht der CDU die Welt noch in Ordnung. Hier sitzt die Union noch ziemlich fest im Sattel – und hält im Gegensatz zum Rest der Landespartei sogar noch in Treue fest zum Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus, der aus Mühlacker stammt. Erst Ende Januar war er dort zum Neujahrsempfang geladen, die Ortsverbände Wimsheim und Wurmberg haben 2012 sogar eine Fußgängerbrücke nach ihm benannt.

Die CDU-Abgeordnete Viktoria Schmid jedenfalls, die Tochter des ehemaligen Kanzleramts-Ministers Lutz Stavenhagen, kann recht sicher damit rechnen, eine zweite Legislaturperiode im Landtag zu sitzen. Das Resultat von 2011 bot bei 40,7 Prozent viel Vorsprung, im Gegensatz zum Landestrend gewann die CDU sogar dazu. Die 47-jährige Politikwissenschaftlerin und Ex-Journalistin gibt sich moderat: „Mir liegt es am Herzen, dass chancengerechtes Lernen für alle möglich ist“, erklärt sie und lobt das „Bildungssystem der vielen Wege“. Sie fordert starke Realschulen, aber auch mehr Ganztagsschulen.

SPD-Kandidat Knapp muss kämpfen

Kämpfen muss dagegen der SPD-Kandidat Thomas Knapp. Von 2001 bis 2011 saß der Sohn des früheren OBs von Mühlacker bereits im Parlament. Vor fünf Jahren verlor er mit 23,8 Prozent seinen Sitz, den der studierte Maschinenbauer und frühere Porsche-Ingenieur nun zurückerobern möchte. Knapp hat 2007 bundesweit Aufsehen erregt, als er Stefan Mappus und der CDU unterstellt hatte, „braune Soße“ in ihren Köpfen zu haben – woraufhin er erfolglos – von Mappus verklagt wurde. Der 56-Jährige bezeichnet sich im Wahlkampf als „Sprachrohr der Menschen im Enzkreis“ und wirbt auf der Homepage mit Videos.

Die Grünen gehen mit der 57-Jährigen Landschaftsgärtnerin und Soziologin Stefanie Seemann aus Mühlacker ins Rennen. Die fünffache Mutter arbeitet beim Karlsruher Institut für Technologie im Forschungsmanagement. Ihr Schwerpunkt ist die Bildungspolitik, wobei sie für ein Zwei-Säulen-Schulmodell eintritt. Das Grünen-Ergebnis von 19,9 Prozent will sie deutlich steigern – und muss dies auch. Seit Renate Thon 2001 stellt die Partei keinen Mandatsträger mehr aus dem Enzkreis.

Weniger Sorgen muss sich Hans-Ulrich Rülke machen: Der Spitzenkandidat der Liberalen ist praktisch täglich im Fernsehen präsent. Der wortgewaltige, selbst ernannte „eigentliche Oppositionsführer“ hat auch im Enzkreis fleißig Pressemitteilungen verschickt und die Regierung auf fast allen Feldern scharf kritisiert. Der Wahlkreis ist eine liberale Hochburg, auch wenn 2011 das Ergebnis auf 6,9 Prozent halbiert wurde. Der ehemalige Pforzheimer Lehrer Rülke beackert den Wahlkreis unermüdlich – und könnte nach der Wahl am Sonntag bei der Regierungsbildung eine Schlüsselrolle bekommen. Sollte die FDP mitregieren, ist ihm ein Ministeramt sicher.

Die anderen Parteien spielen traditionell eine Nebenrolle im Wahlkreis. Die Linke lag 2011 bei 2,4 Prozent, diesmal tritt mit dem 28-jährigen Adrian Didio der jüngste Kandidat an. Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger und kämpft für sozialen Wohnungsbau, bessere Löhne und gegen Rechtsradikale.

Apropos: Traditionell gibt es für das rechte Lager Potenzial im Wahlkreis, Klaus Rapp saß von 1992 bis 2001 für die Republikaner im Landtag. Der AfD-Kandidat Bernd Gögel aus Tiefenbronn will daran anknüpfen. Der 61-Jährige Speditionskaufmann wettert gegen die „Gleichschaltung der Medien“, das angebliche „Parteienkartell“ und gegen „Masseneinwanderung“.

Zwei Parteien mit Altkreis-Vertretern

Zwei Parteien treten noch mit Altkreis-Vertretern an: Einmal die AfD-Abspaltung Alfa, die mit Friedhelm Weiß aus Tiefenbronn kandidiert. Der 61-Jährige ist in Rutesheim aufgewachsen und führt aktiv Wahlkampf. Für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) tritt Guido Klamt aus Gerlingen an – er kandidierte 2011 noch im Wahlkreis Leonberg und ist zudem auch noch stellvertretender Landeschef der konservativen Ökopartei.

Zur Auswahl stehen zudem Kandidaten der NPD, der Republikaner, der Tierschutzpartei mit Claus-Peter Ebner aus Tiefenbronn – und dem „Bündnis C“. In diesem sind die christlichen Parteien „Partei Bibeltreuer Christen“ und die AUF-Partei mit Sitz in Weissach. Nicht dabei sind die „Piraten“, die 2011 noch 2,2 Prozent erhielten.

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