Solche Schäden hi Foto: Lechner

Freunde macht man sich in dem Job nicht“, erklärt Frank Bäuerle und fügt hinzu „zum Geld Verdienen eignet er sich aber auch nicht.“ Der Landwirt aus Wiernsheim-Iptingen muss die Schäden schätzen, die Wildschweine bei Landwirten anrichten.

Enzkreis - Freunde macht man sich in dem Job nicht“, erklärt Frank Bäuerle und fügt hinzu „zum Geld Verdienen eignet er sich aber auch nicht.“ Der Landwirt aus Wiernsheim-Iptingen ist einer von zehn ehrenamtlich arbeitenden Wildschadensschätzer im Enzkreis. Dass er diese oft undankbare Arbeit macht, hat einen ganz einfachen Grund: „Mein Vorgänger hat mich beim Landratsamt als seinen Nachfolger vorgeschlagen“, erzählt Bäuerle. Andere Interessenten gab es keine, ablehnen wollte Frank Bäuerle auch nicht und so ist der Landwirt seit vielen Jahren abgesehen von seiner Heimatgemeinde für die Region zwischen Mühlacker und Wiernsheim zuständig.

Gefragt ist er immer dann, wenn sich ein Landwirt und ein Jagdpächter nicht gütlich über die Höhe eines Wildschadens einigen. „Das ist allerdings glücklicherweise die Ausnahme, in mehr als 90 Prozent aller Fälle einigen sich Jäger und Landwirte ohne Streit“, betont Bäuerle.

Das kann auch der langjährige Jagdpächter eines Wiernsheimer Jagdreviers bestätigen. „Häufig gehen die Vorstellungen über die Höhe des Wildschadens zwar weit auseinander, aber am Ende einigt man sich meist auf einen Kompromiss“, erzählt Franz Bröhl. Ganz so problemlos wie noch vor einigen Jahren, als Wildschadensfälle in großen Teilen des Enzkreises die Ausnahme waren, ist die Situation allerdings nicht mehr. Heute sind Wildschäden durch die starke Zunahme der Wildschweinpopulation und der Ausweitung des Maisanbaus in vielen Gebieten die Regel. „Das Konfliktpotenzial ist damit deutlich größer geworden“, erklärt Frank Bäuerle. Fällt so eine Wildschweinhorde nämlich in ein großes Maisfeld ein, entstehen leicht Schäden, die mehr als 2000 Euro betragen können.

Auf das ganze Jahr hochgerechnet sind das dann oft Ernteausfälle von einigen Tausend Euro, die ein Jagdpächter an die verschiedenen Landwirte in seinem Revier bezahlen muss. Dass es bei solchen Summen nicht immer nur friedlich zugeht, liegt auf der Hand. Können sich die beiden Parteien nicht einigen, müssen sie sich beide beziehungsweise einer von ihnen bei der Gemeindeverwaltung melden. „Erst wenn die Gemeinde mich anfordert, komme ich als Wildschadens-Schätzer hinzu“, betont Bäuerle, dass sich ein Wildschadens-Schätzer besser nicht direkt von einem der Streitparteien anfordern lassen sollte. Häufig muss er dann zwei Fragen klären: Wie groß ist die Schadensfläche tatsächlich und welches Tier hat den Schaden verursacht? Lediglich von Wildschweinen, Rehen oder Fasanen verursachte Schäden muss der Jagdpächter nämlich dem Landwirt ersetzen. Frisst sich dagegen eine Dachsfamilie durch den Maisacker oder durch sein Grünland, hat der Bauer Pech gehabt. Klar, dass im Zweifelsfall für Jäger eher der Dachs und für Landwirte eher das Wildschwein der Übeltäter war. „Oft ist es aber tatsächlich gar nicht so leicht, den Schuldigen eindeutig zu identifizieren“, sagt Franz Bröhl und plädiert nicht nur deshalb für Wildschadensschätzer, die sowohl Jäger als auch Landwirt sind.

Schadenschätzer Bäuerle dagegen meint, am besten wäre es, das Landratsamt würde Leute in diesen Job einarbeiten, die weder etwas mit der Jagd, noch etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben. Denen könnte es nämlich vollkommen egal sein, was er als Schätzer häufig erlebt: „Es ist einerlei , wie mein Ergebnis aussieht, am Ende macht man sich meist bei beiden Streitparteien unbeliebt.“

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